Anzeige
20.11.2018 11:00

Brexit: Erst die gute Nachricht oder die zwei schlechten Nachrichten?

GBP: Dass es auch mal wieder gute Nachrichten zum Brexit gibt, daran war ja zuletzt gar nicht mehr zu glauben. Doch immerhin: Es zeichnet sich ab, dass Premierministerin Theresa May sich fürs Erste im Amt halten kann, da zum aktuellen Zeitpunkt nicht genügend Mitglieder ihrer Partei ein Misstrauensvotum gegen sie unterstützen wollen. Tatsächlich ist dies jedoch nur ein schwacher Trost. Denn zum einen sieht es noch immer nicht danach aus, als würde May die Unterstützung des britischen Parlaments für ihr mit der EU ausgehandeltes Austrittsabkommen erhalten. Zum anderen wird bereits gemunkelt, dass ihre Gegner lediglich abwarten wollen, dass sie die Abstimmung im Parlament verliert, um sie dann aus dem Amt zu verdrängen. Insofern ist es gerechtfertigt, dass das Pfund aktuell nicht profitieren kann. Dabei wird es bis zur alles entscheidenden Abstimmung im britischen Parlament wohl auch bleiben. Auch der noch immer für Sonntag angesetzte EU-Gipfel, bei dem man sich formal auf das Austrittsabkommen einigen will, dürfte diesbezüglich kaum Entlastung bringen. Schließlich zeigen sich die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten nicht gewillt, Nachverhandlungen zu führen, um das Abkommen den britischen Parlamentariern schmackhaft zu machen. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Es regt sich erster Unmut in den Reihen der EU-27 in Bezug auf die Austrittsmodalitäten. So fürchtet offenbar Spanien um den Status Gibraltars und droht nun, das Abkommen zu blockieren. Von offizieller EU-Seite sind zwar bereits beschwichtigende Worte zu hören. Doch führt dieser Fall vor Augen, dass noch ungeahnte Stolpersteine auf dem Weg zum Brexit liegen. Um auf meine Aussage am Anfang zurückzukommen. Das Problem für das Pfund ist nicht, dass es an guten Nachrichten fehlt, sondern vielmehr, dass auf jede gute, zwei schlechte Nachrichten folgen.

Auf die Gefahr hin, die Stimmung für GBP-Bullen endgültig zu ruinieren: Auch die Bank of England (BoE) wird der britischen Währung in nächster Zeit wohl kaum nennenswerten Rückenwind geben können. Einige Marktteilnehmer hoffen offenbar, dass BoE-Gouverneur Mark Carney heute in seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss vor den Konsequenzen eines No-Deal Brexits so klar warnt, dass genügend Abgeordnete doch noch kalte Füße bekommen und letztlich für das Austrittsabkommen stimmen. Doch nachdem Carney aufgrund seiner deutlichen Warnungen vor den realwirtschaftlichen Konsequenzen eines Brexits im Vorfeld des Referendums massiv unter Druck geraten war, würde es mich nicht wundern, wenn er sich dieses Mal zurückhält und sich nicht zu klaren Aussagen hinreißen lässt.

Eine solche Ausweichstrategie mag für die BoE sinnvoll erscheinen, um politisch nicht unter Druck zu geraten. Für Investoren kann es aber auch Nachteile haben, dass die Notenbanker sich zu den verschiedenen Brexit-Szenarien nicht klar äußern. Denn für das Pfund wird sich insbesondere im Falle eines No-Deal Brexits die unmittelbare Reaktion der BoE als entscheidend erweisen. Wir haben schon oft davor gewarnt, dass – nicht zuletzt aufgrund des hohen Leistungsbilanzdefizits des UK – die Gefahr einer Abwertungsspirale besteht, welche nur durch ein konsequentes Handeln – d.h. aggressive Zinserhöhungen – der BoE gestoppt werden könnte. Wenn die BoE bereits im Vorfeld klarmacht, dass sie diese Gefahr sieht und daher entsprechend reagieren wird, kann sie Schlimmeres bereits verhindern ohne überhaupt aktiv zu werden. Solange dies aber unklar ist, ist auch die Unsicherheit für das Pfund hoch.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

USD: Seit Mitte des Jahres bewegt sich der US-Dollar nur noch seitwärts. Sowohl die positiven Impulse seitens der Geldpolitik als auch der Fiskalpolitik laufen aus. Kommt es jetzt womöglich sogar zum großen Stimmungsumschwung und zum Beginn einer ausgeprägten USD-Schwäche? Klar ist, dass sich die Stimmung in Bezug auf den US-Dollar zuletzt deutlich eingetrübt hat. Fed Vize-Chair Richard Clarida scheint diesbezüglich nur den Anstoß gegeben zu haben. So sind zunehmend Stimmen zu hören, die für das kommende Jahr aufgrund eines langsameren US-Wirtschaftswachstums eine schwächere US-Währung vorhersagen. Noch kann sich der US-Dollar wacker halten, was aber auch daran liegen dürfte, dass die Fed noch mitten im Straffungsprozess steckt. Doch je näher das Ende des Zinserhöhungszyklus rückt – unsere US-Volkswirte sehen dieses für das dritte Quartal 2019 – desto mehr dürfte sich der Markt damit beschäftigen, was danach folgt. Und dann kann es durchaus schnell gehen, dass die Diskussionen umschwenken und über einen drohenden Abschwung und dem Beginn des nächsten Lockerungszyklus diskutiert wird. Für USD-Bullen stehen schwerere Zeiten an.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise

Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.  

Quelle

Führend in Europa - Die Commerzbank bietet als Emittent von Optionsscheinen, Aktienanleihen und Zertifikaten ein umfassendes Spektrum an derivativen Finanzinstrumenten an.

Anzeige
Weitere Nachrichten
Commerzbank
In der letzten Woche ist der Euro Stoxx 50-Future 35 Punkte und der DAX-Future 170 Punkte gefallen. In der neuen Woche werden u.a. die Jan.-USA-Verbraucherpreise, die Dez.-EWU-Industrieproduktion (beide ...
11.02.2019 08:55
Der DAX verzeichnete am Freitag den dritten Minustag in Folge. Er bewegte sich von Beginn des Handels an ohne starke Gegenbewegungen südwärts und rutschte dabei bis auf ein in der letzten Handelsstunde ...
Der deutsche Aktienmarkt stand zum Wochenausklang weiter unter Druck. Als Belastungsfaktor fungierte die zunehmende Sorge vor einer Eintrübung der Konjunktur. Daneben befürchteten Marktteilnehmer, dass ...
Anzeige