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11.10.2017 07:54

Die Macht der großen Zahlen: Wie Langfrist-Charts täuschen können

Die Nasdaq gestern Abend mal wieder mit einem neuen Allzeithoch. Inzwischen scheinen die Langfrist-Charts der US-Technologiebörse fast ebenso senkrecht nach oben zu zeigen wie vor dem großen Crash 2000-03. Dass so manchen Anleger die Höhenangst befällt, liegt auch an der graphischen Aufbereitung. Üblich sind lineare Skalierungen – doch nur die logarithmische Darstellung ermöglich die richtige Einordnung langfristiger Kursbewegungen.

Die Nasdaq gestern Abend mal wieder mit einem neuen Allzeithoch. Inzwischen zeigen die Langfrist-Charts der US-Technologiebörse fast ebenso senkrecht nach oben wie vor dem großen Crash 2000-03. Dass nicht wenigen Beobachtern dabei etwas schwindelig wird, liegt allerdings auch an der graphischen Aufbereitung.

Lineare Langfrist-Charts: Einfach verzerrt

Zumeist werden Kursverläufe nämlich linear dargestellt. Dabei ist die senkrechte Y-Achse in identische Abschnitte eingeteilt, der Abstand zwischen 1.000 und 2.000 Punkten fällt also genauso groß aus wie die Entfernung zwischen 5.000 und 6.000 Punkten. Das jedoch verzerrt die Dimensionen – schließlich bedeutet ersteres eine Verdopplung, während letzteres gerade mal einem Plus von 20% entspricht.

Logarithmische Achse zeigt die Details

Gerade bei sehr langfristigen Charts mit sehr hohen Zuwächsen empfiehlt sich deshalb eine logarithmische Y-Achse. Bei dieser zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Darstellung bekommt jede Verdopplung unabhängig vom absoluten Niveau gleich viel Raum. Zwischen 1.000 und 2.000 Punkten liegt also genauso viel „optische Strecke“ wie zwischen 2.000 und 4.000 Punkten.

Auf diese Weise lässt sich auch die Wertentwicklung der frühen Jahre nachvollziehen, als die Index-Werte noch im zwei- und dreistelligen Bereich notierten. Im klassisch-linearen Chart wirken die Schwankungen dieser Ära – etwa der brutale Absturz 1972/73 – auf dem Bildschirm ja wie Pixelfehler.

(Noch keine) „Fahnenstange“

Parallel erkennt man: Von einer „Fahnenstange“ des Jahres 2000 sind wir noch weit entfernt; vielmehr läuft der Nasdaq Composite im Rahmen des 40-jährigen Trends nach oben.

Zweistellige Jahresrendite seit 1977

Sorglos sollte man deshalb zwar nicht sein. Kräftige Rücksetzer von 20-30% sind an der Nasdaq jederzeit möglich – nicht nur bei einzelnen Aktien, sondern auch im Index. Geduld wurde jedoch auch hier belohnt: Seit dem Herbst 1977 hat der Index sich verfünfundsechzigfacht, inklusive reinvestierter Dividenden sogar fast verachtzigfacht – was einer durchschnittlichen Jahresrendite von 11,4% entspricht.

Christian W. Röhl ist Unternehmer und Kapitalmarkt-Stratege – vor allem aber Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet. Einblicke in seinen Investment-Alltag gibt der Autor des manager magazin-Bestsellers „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ in Vorträgen und Seminaren sowie auf seinem Blog DividendenAdel und bei Twitter (@CWRoehl).

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

Christian W. Röhl ist Unternehmer, Kapitalmarkt-Stratege – und Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet. Einblicke in seinen Investment-Alltag gibt der Autor des manager magazin-Bestsellers "Cool bleiben und Dividenden kassieren" auf seinem Blog DividendenAdel sowie in Vorträgen und Workshops.

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