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07.12.2015 08:28

Ihr Geld: 60 Milliarden Euro Taschengeld

Kinder brauchen Verlässlichlichkeit. In der Erziehung und beim Taschengeld. Das gilt auch für das Verhältnis von EZB und Finanzmarktteilnehmern.

Was passiert, wenn ein Sie ihrem Kind die ganze Zeit versprechen, dass es bald mehr Taschengeld bekommt, ihm dann am entscheidenden Tag aber sagen, dass es doch bei den bisherigen 20 Euro im Monat bleibt? Man muss nicht Eltern sein, um sich das enttäuschte Gesicht des Nachwuchses vorstellen zu können. Da hilft es auch nicht, wenn Sie ihrem Sprössling versichern, dass es die 20 Euro ja auch über den nächsten Sommer hinaus noch bekommt. Sie sind der Buhmann.

An der Börse war Mario Draghi der Buhmann der zurückliegenden Woche. Nach seinen Äußerungen der vergangenen Wochen und Monate hatten Anleger mit deutlich mehr gerechnet. Mehr Geld nämlich für den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Stattdessen kündigte der EZB-Chef am 3. Dezember an, das QE-Programm lediglich um mindestens ein halbes Jahr zu verlängern. Bei den 60 Milliarden Euro Taschengeld pro Monat für die Finanzmärkte aber bleibt es. Auch beim Zins gab es enttäuschte Gesichter: Der Strafzins für Einlagen bei der EZB wurde von minus 0,2 auf nur minus 0,3% gesenkt – und nicht auf minus 0,4 %, wie mancher erwartete.*

Kinder reagieren manchmal trotzig

Wie Ihr Kind reagierte die Börse trotzig. Der DAX sackte am Donnerstag regelrecht ab. Am Freitagabend stand im Vergleich zum Wochenanfang ein Minus von fünf Prozent auf dem Kurszettel. Der Euro zeigte sich hingegen stärker und sprang zwischenzeitlich auf über 1,09 US-Dollar.

Nicht alle Investoren und Volkswirte zeigen sich besorgt über die Entwicklung. Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW),  Clemens Fuest, ist beispielsweise erleichtert, dass die EZB die Höhe der monatlichen Anleihenkäufe nicht ausdehnt. **

Trotz des DAX-Rücksetzers, gab es an der Börse sogar Gewinner. Die Aktie von RWE etwa ging am Ende mit einem Plus von 7,2% aus dem Wochenhandel. Beim Essener Energieversorger wurde die Botschaft, das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, Netzen sowie den Energievertrieb in eine börsennotierte neue Tochtergesellschaft auszulagern, positiv aufgenommen.

Zinsen rauf. Öl runter.

Nach dem guten US-Arbeitsmarktbericht am Freitag mehren sich nun zunehmend die Zeichen, die US-Notenbank Fed könnte am 16. Dezember den Weg für die erste Zinserhöhung in den USA seit fast zehn Jahren freimachen. Der Euro könnte dann gegenüber dem US-Dollar wieder an Wert verlieren, was gut für Exporte aus der Eurozone ist und die Gewinne der Unternehmen nach oben treiben könnte. ***

Rohöl dürfte auch auf absehbare Zeit billig bleiben – und damit zur Freude vieler Autofahrer das Benzin an der Tankstelle. Die Mitglieder des weltweit grössten Öl-Kartells OPEC konnten sich nicht auf eine geringere Produktion verständigen, was das Angebot verringerte und so den Preis hätte ansteigen lassen.****

Konjunkturzahlen dominieren

An der Börse dürften in der kommenden Woche vor allem Konjunkturindikatoren für Bewegung sorgen. Japan liefert Zahlen zum Wirtschaftswachstum (BIP), ebenso das statistische Amt der Europäischen Union für die Eurozone. Es wird außerdem Zahlen zur deutschen Industrieproduktion und dem Export geben. In den USA werden zudem die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen fällig. Positive Meldungen sollten die Aktienkurse zumindest stützen, wenn nicht gar wieder Richtung Norden schicken.

Auf Unternehmenseite geht es ruhiger zu. So berichten unter anderem Aurubis, Bertrandt, Osram Licht und TUI über ihre jüngste Geschäftsentwicklung.

Für den DAX entscheidend dürfte sein, nicht nachhaltig unter 10.750 Punkte zu fallen, da ansonsten charttechnisch weitere Rückschläge bis etwa 10.300 und 10.000 Punkte möglich sein könnten. Positiv wäre hingegen ein erneuter Sprung über die 11.300er Marke.

 

* http://www.onvista.de/news/ezb-verlaengert-anleihekaeufe-DAX-bricht-ein-19523609

** http://www.zew.de/de/presse/3228/zew-praesident-fuest-zum-heutigen-ezb-entscheid

*** http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/us-wirtschaft-schafft-jobs-und-gibt-signal-fuer-zinswende-a-1066220.html

**** https://www.tagesschau.de/wirtschaft/opec-foerdermenge-101.html

 

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