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15.02.2016 09:00

Ihr Geld: China feiert. Die Börse fällt. Nur Gold nicht.

Diese Woche stehen Diskussionen über den "Brexit" und jede MEnge Zahlen deutscher Unternehmen an. Anleger schauen zudem weiter auf Gold.

Am 8. Februar war es wieder soweit: In China und einigen anderen Teilen Asiens haben Menschen das chinesische Neujahrsfest gefeiert. Es nimmt eine ähnliche Stellung ein wie hierzulande das Weihnachtsfest. Einige Dinge sollen dabei Glück bringen. So verbrennen Chinesen beispielsweise Geld, wenn auch keine echten Scheine.(1) Eine gute Portion Glück wäre sicher auch an der Börse hilfreich. In der vergangenen Woche gerieten nämlich gerade asiatische Aktienbarometer mächtig unter die Räder. Vor allem beim NIKKEI-225 war die Wochen-Performance tiefrot. Minus 11,1% ging es bergab.

Auch in Europa sah es düster aus. Der DAX rutschte unter die 9.000-Punkte-Marke, zwischenzeitlich sogar bis auf fast 8.750 Punkte, und der EURO STOXX 50 tauchte kurzzeitig unter 2.700 Punkte ab. Auffällig ist dabei vor allem die inzwischen recht hohe positive Korrelation der Aktienmärkte mit dem Ölpreis. Steigt die Notierung während des Handelstages geht es oft auch mit den Aktienkursen bergauf. Und umgekehrt. Nach dem jüngsten Anstieg gab der Preis für einen Barrel der Sorte Brent zuletzt wieder etwas nach und ging mit gut 32,65 Dollar aus dem Wochenhandel.

Sicherheit bestimmt das Geschehen. Und Gold wird teurer

Viele Investoren suchen angesichts der angespannten und turbulenten Marktlage derzeit vor allem eins: Sicherheit. Einer der  "sicheren Häfen", die wieder angesteuert wurden, waren Bundesanleihen. Der Euro-Bund-Future erreichte mit knapp 166% am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch. Deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten bis acht Jahren rentieren mittlerweile alle wieder im negativen Zinsbereich.

Die Suche nach Sicherheit manifestierte sich vor allem aber in der gestiegenen Nachfrage nach Gold. An den Terminmärkten kam es bei Gold-Futures zu einer massiven Kaufwelle. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares nahm die gehaltene Goldmenge innerhalb einer Woche von 698,46 auf 710,95 Tonnen zu.(2) Die Feinunze des Edelmetalls kostete zeitweise wieder mehr als 1.250 US-Dollar. Das bedeutete ein neues 1-Jahres-Hoch. Gleichzeitig war das Wochenplus von gut 7,1% das höchste seit über vier Jahren.

Der Goldpreis profitiert nach Ansicht vieler Händler neben der gestiegenen Unsicherheit insbesondere von der schwindenden Zinserhöhungsspekulation in den USA. Auch die negativen Zinsen in vielen Ländern machen Gold interessant.(3) Gold bringt keine Zinsen. Niedrige Zinsen bei Bonds und Festgeld bedeuten also, dass Anleger mit einem Gold-Investment nicht viel verpassen. Börsianer sprechen von Opportunitätskosten. Ob die aktuelle Gold-Rally bereits ein Comeback bedeutet, wird in den Medien viel diskutiert.(4) Technisch zumindest sieht es gut aus für den Goldpreis. Die 200-Tage-Linie wurde deutlich übersprungen, was unter Chartanalysten als starkes Kaufsignal gewertet wird. Dasselbe gilt für den Ausbruch aus dem Abwärts-Keil.

Draghi und Yellen sprechen

Angesichts der jüngsten Wirren an den Kapitalmärkten und der verschlechterten konjunkturellen Aussichten dürften die Marktteilnehmer mit Spannung den Worten des EZB-Präsidenten Mario Draghi lauschen, der am heutigen Montag vor dem Ausschuss Wirtschaft und Geldpolitik des EU-Parlaments spricht – auch wenn noch nicht damit zu rechnen, dass Draghi konkrete Maßnahmen für März bekanntgeben wird.

In den USA wird Notenbank-Chefin Janet Yellen im Fokus des Interesses stehen. Am Mittwoch steht das neue FOMC Protokoll aus. Zentrale Frage an den Börsen ist, ob die weiteren Zinserhöhungen der Fed wie geplant stattfinden werden oder ob sie aufgeschoben werden. Janet Yellen hatte bereits angedeutet, dass die Turbulenzen an den Aktienmärkten eine Rolle spielen könnten. Auschlaggebend werden auch die neuesten Zahlen zur zuletzt schwächelnden Industrieproduktion sein. Durchweg positiv dürften die Zahlen zu den Baugenehmigungen und Baubeginne sein. Aufschluß über die Verfassung der US-Konjunktur und den Erwartungen werden nicht zuletzt der Empire State Manufacturing Survey (Dienstag) und Philadelphia-Index (Donnerstag) geben. Es wird erwartet, dass beide Vorlaufindikatoren im negativen Terrain verharren. Am Freitag gibt es noch Zahlen zur Inflationsentwicklung.

Großbritannien, Du Unbekannte

Nicht aus den Augen lassen sollten Anleger diese Woche Großbritannien. Die Möglichkeit eines EU-Austritt, dem sogannten „Brexit“, könnte Experten zufolge den europäischen Integrationsprozess für lange Zeit stoppen und der Wirtschaft schaden. Der britische Industrieverband CBI geht davon aus, dass jährlich 4% bis 5% der britischen Wirtschaftsleistung allein auf die Mitgliedschaft in der EU zurückzuführen sind.(5) Ein Brexit würde zudem der deutschen Exportwirtschaft schaden.(6) Dem EU-Gipfel in Brüssel am kommenden Donnerstag und Freitag kommt dabei sicher eine zentrale Bedeutung zu. Ansonsten gibt es aus Großbritannien am Dienstag Inflationszahlen, am Mittwoch Arbeitslosenzahlen und am Freitag Daten zu den Einzelhandelumsätzen.

Weitere marktbeeinflußende Meldungen könnten diese Woche die neuesten ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland (Dienstag) sowie das Konsumentenvertrauen in der Eurozone (Freitag) sein. Die meisten Marktteilnehmer gehen von enttäuschenden beziehungsweise schwächeren Zahlen aus.

Die nächsten deutschen Unternehmen beziehen Stellung

Auf Unternehmensseite sind mittlerweile auch in Deutschland eine Reihe von Quartalsberichten eingetrudelt. Auch wenn sich der positive Währungseffekt der Vorquartale abgeschwächt hat, sind deutliche konjunkturelle Bremsspuren noch nicht zu erkennen. Nur rohstoffnahe Werte wie ThyssenKrupp und BASF sowie die Deutsche Bank mit ihren speziellen Problemen haben bislang enttäuscht. Am Mittwoch ist unter anderem Beiersdorf an der Reihe. Das Management hat eine verbesserte Umsatzrendite und ein weiteres solides Wachstum in Aussicht gestellt. Am selben Tag kommt die Deutsche Börse mit Zahlen. Die Kursachterbahn an den Börsen könnte ein ordentliches Umsatzplus bewirken. Puma präsentiert am Donnerstag sein 2015er Ergebnis. Der Sportartikelhersteller will zu alter Stärke zurückfinden. Ansonsten liefern Heidelberg Zement, die Allianz, Autozulieferer Bertrandt und Roboterhersteller Kuka sowie die Metro AG frische Geschäftszahlen.

Auf internationaler Bühne stehen die Berichte einiger französischer Konzerne aus, etwa von Michelin und Air Liquide. Aus den Niederlanden werden der Personaldienstleister Randstad Holding und Paket-Logistiker TNT Express, an dem zurzeit Konkurrent FedEx Interesse zeigt, Zahlen bringen. Außerdem müssen die Telecom Italia, der britische Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser, der US-Gigant Walk Mart und der österreichische Mineralölkonzern OMV Auskunft über die Geschäfte im vorigen Quartal geben.

 

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