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01.02.2016 09:00

Ihr Geld: Die Nippon-Überraschung

Die Bank of Japan (BoJ) überraschte die Märkte mit Strafzinsen: -0,1% gelten auf Einlagen von Geschäftsbanken bei der BoJ.

Wie wunderbar. Schon wieder ein positiver Rückblick in die neue Woche: An den Aktienmärkten ging es einheitlich bergauf. Klarer Sieger war dabei Japans Börse. Der Nikkei ging mit einem Plus von 3,3% aus dem Wochenhandel. Die Bank of Japan (BoJ) überraschte die Märkte allerdings und befeuerte so die Kurse im Land der aufgehenden Sonne. Gleichzeitig wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar und dem Euro spürbar ab.

Strafzinsen für Geld bei der Bank of Japan

Entgegen früherer Verlautbarungen kündigten die Währungshüter in Tokio gleich auf ihrer ersten Jahressitzung die Einführung von Negativzinsen für Geschäftsbanken an. Ab dem 16. Februar wird ein Teil ihrer Einlagen bei der BoJ mit -0,1% verzinst. Die Wirkung der Negativzinsen ist allerdings zweifelhaft. Ziel der BoJ ist es, die Inflation nach oben zu treiben. Über einen schwächeren Yen, der Importe verteuert, könnte das gelingen. Ob die BoJ durch die Negativzinsen auch die Banken zu einer höheren Kreditvergabe bewegt, ist umstritten. Die LBBW meint, Japans Unternehmen benötigen keine zusätzlichen Kredite mehr.

Öl auf über 36 US-Dollar gestiegen

Auftrieb an den Börsen brachte auch der weiter gestiegene Ölpreis. Die Notierung für die Nordseesorte Brent kletterte teilweise über 36 US-Dollar je Barrel. In den vergangenen 2 Wochen verteuerte sich der Ölpreis damit um satte 27%. An den Aktienmärkten wurde die Erholung als positives Signal gewertet. Öl-Förderstaaten verdienen mehr Geld, was gut ist, weil sie dann hoffentlich am Aktienmarkt investieren statt Geld von dort abzuziehen. Öl-Unternehmen in den USA, speziell im Fracking-Bereich, können durch höhere Einnahmen ihre ausstehenden Anleihen besser bedienen. Diesen Monat steht ein Treffen der OPEC-Staaten mit dem russischen Energieminister an. Dort will man über eine Drosselung der Rohölproduktion diskutieren. Ausgang: ungewiss.(1)

Ansonsten bestimmten der deutlich schwächere Ifo-Geschäftsklima-Index für Deutschland und das stabile Konsumklima hierzulande das Geschehen an der Börse. Die US-Notenbank Fed ließ zudem die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Janet Yellen deutete allerdings an, auch die im März angedachte weitere Zinserhöhung zunächst zu verschieben. Die US-Wirtschaft wächst jüngsten Zahlen zufolge etwas langsamer als erwartet. Das Zögern und „auf Zeit spielen“ der Fed-Chefin kommt an der Börse allerdings weniger gut an.

Alles blickt auf Großbritannien

Mit viel Spannung warten Marktteilnehmer diese Woche auf den „Super Thursday“ in Großbritannien. Dann ist die Bank of England an der Reihe. Es wird mehrheitlich nicht mit einer Änderung der lockeren Geldpolitik gerechnet. Anlass zu einer restriktiveren Geldpolitik gibt es ohnehin nicht: Ölpreisverfall und das moderate Lohnwachstum bremsen die Inflationsentwicklung, die am Donnerstag ebenfalls veröffentlicht wird. Außerdem hat die britische Wirtschaft zuletzt an Dynamik verloren und dürfte auch 2016 das schwächere, globale Konjunkturumfeld zu spüren bekommen. Das britische Pfund verlor gegenüber dem Euro an Wert und kostete zuletzt knapp über 0,76 Euro.

Nichtzuletzt schwebt das geplante Referendum zum Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU wie ein Damoklesschwert über der britischen Wirtschaft. Die diese Woche ebenfalls anstehenden Einkaufsmanager-Indizes für den Dienstleistungssektor (Mittwoch) und das Verarbeitende Gewerbe (Montag) werden einen ersten Eindruck liefern, wohin die Reise gehen könnte. Zuletzt deuteten die Indizes auf einen eher schwunglosen Konjunkturverlauf im Vereinigten Königreich hin.

Kommt ein neuer China-Böller?

Konjunkturdaten gibt es diese Woche auch aus China. Am frühen Montagmorgen könnte der Einkaufsmanager-Index für die chinesiche Industrie (Markit/Caixin und staatliches Statisikbüro) die Börsenkurse in Bewegung versetzen. Eine deutliche Verbesserung ist nach Ansicht der meisten Marktteilnehmer kaum zu erwarten. Ein weiterer Einbruch aber auch nicht, da zum Beispiel die Autoindustrie von einem steuerlichen Sonderkonjunkturprogramm profitiert und Exportunternehmen der schwächere Yuan in die Hände spielt. Am ersten Handelstag des Jahres hatte der Einkaufsmanager-Index im übrigen für mächtig Abwärtsdruck gesorgt.

Die USA bringt Arbeitsmarktzahlen, ebenso wie Deutschland und die Eurozone

In den USA werden unter anderem Zahlen zum Arbeitsmarkt veröffentlicht. Bevor am Freitag von staatlicher Seite die offiziellen Daten bekannt gegeben werden, liefert am Mittwoch der private Personaldienstleister ADP bereits einen Eindruck über die Beschäftigungssituation im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Die solide Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte sich aber laut gängiger Marktmeinung fortsetzen.

Auch in Deutschland sollten die neuesten Zahlen zur Arbeitslosenquote (Dienstag) für keinerlei (negative) Überraschung sorgen. Der deutsche Arbeitsmarkt ist robust. Für die Eurozone (Daten gibt es ebenfalls am Dienstag) wird aufgrund einiger Vorabindikatoren aus Frankreich und Italien sogar eine leichte Verbesserung der Arbeitslosenquote erwartet, wenngleich das Niveau nach wie vor viel zu hoch ist.

Es geht munter weiter – in der laufenden Berichtssaison

Auf Unternehmensseite stehen diese Woche eine Reihe weiterer Quartalszahlen an, vor allem in den USA. So bringt der Nahrungsmittelkonzern Sysco heute, am Montag, Zahlen fürs 2. Quartal. Einen Tag später müssen Dow Chemical, Exxon Mobil, UPS und Yahoo zeigen, was sie zuletzt geleistet haben. Es folgen Pfizer und Merck, LinkedIn, Visa und Philip Morris, um nur einige zu nennen. General Motors bringt außerdem Jahreszahlen. CEO Mary Barra hob kürzlich die Prognose an und kündigte höhere Dividenden an.

Hierzulande präsentiert Daimler (Donnerstag) sein Bilanz für 2015. Die Analysten von Warburg Research sind positiv für die weitere Geschäftsentwicklung des Autobauers aus Schwaben gestimmt, da die überarbeiteten Modelle ein starkes Wachstum versprechen. Bereits am Dienstag bringt Infineon Q1-Zahlen. Zuletzt kam es zu Insiderverkäufen. Das ist meist kein gutes Zeichen. Das Marktumfeld allerdings spricht für die Aktie. Ferner kommen die GEA Group und die Münchener Rück mit Zahlen um die Ecke.

Auf europäischer Seite kommt jetzt ebenfalls Bewegung in die Berichtssaison. Unter anderem werden ABB, LVMH, die BT Group, Vodafone und Ryanair Zahlen bringen, ebenso wie die Ölkonzerne Statoil, BP und Dutch Shell. Auch mehrere Banken müssen die Hosen runter lassen – beispielsweise BNP Paribas, UBS, Credit Suisse und ING Groep.

 

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