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04.04.2016 09:00

Ihr Geld: Gehen Sie ruhig mal Aktien shoppen

Die Magie der Notenbanken ist verflogen. Das zeigte sich in der Woche nach Ostern noch einmal deutlich. Dennoch befeuert die Niedrigzinspolitik der großen Notenbanken die Aktienkurse.

Die Magie der Notenbanken ist verflogen. Das zeigte sich in der Woche nach Ostern noch einmal deutlich. Nachdem die Chefin der US-Notenbank Fed Janet Yellen ein behutsameres Vorgehen in der Zinspolitik bekräftigte – und damit keine oder nur sehr geringe Zinserhöhungen in den kommenden Monaten andeutete – gingen die Aktienkurse nach oben. Der DAX kletterte erneut über die Marke von 10.000 Punkten. Halten konnte er sich dort allerdings nicht lange. Die Handelswoche schloss er mit einem Minus ab.

Wo soll das Wachstum herkommen?

Auch der EUROSTOXX-50 rutschte in die roten Zahlen. Dass andere Aktienindizes zulegen konnten, ändert nichts an der Tatsache: Die Welt und Europa im speziellen haben ein Wachstumsproblem. Oder lassen Sie es mich so ausdrücken: Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken mit ihren niedrigen Zinsen reicht nicht aus, um die Köche in die Küche zum Kochen zu locken.

Sicherlich sage ich Ihnen jetzt nichts Neues. Nur ein spürbares Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen Erwartungen an langfristig steigende Unternehmensgewinne würden die Aktienkurse nachhaltig beflügeln. Dafür sorgt eine einfache Rechnung: Geht es mit der Wirtschaft bergauf, steigen idealerweise Umsatz und Gewinn von Unternehmen und dadurch die Aussicht auf eine höhere Dividende. De facto werden Aktien (noch) attraktiver. Doch woher soll das gewünschte Wirtschaftswachstum kommen?

Ein starker Euro ist schlecht für die Eurozone

Der Euro wurde gegenüber dem US-Dollar wieder stärker. Vorige Woche kostete er zeitweise wieder mehr als 1,14 US-Dollar. Das ist schlecht für die Wirtschaft in der Eurozone. Denn ein starker Euro macht Exporte aus der Eurozone in der Welt teurer. Also verkaufen und verdienen hiesige Unternehmen tendenziell weniger. Gleichzeitig werden Importe durch einen starken Euro billiger. Im Grunde eine gute Sache. Aber: Billige Importe drücken auf die Preisentwicklung, sprich Inflation. Steigende Preise aber braucht es, um Unternehmen dazu zu bewegen, mehr in die Zukunft zu investieren und zu wachsen. Doch der Mitte 2015 oft beschworene „Abwertungswettlauf“ der Notenbanken führt eben dazu, dass die großen Notenbanken in Japan, den USA und in der Eurozone gleichzeitig ihre großen Währungen durch expansive Geldpolitik schwächen wollen. Und so ist es nicht leicht, die eigene Währung wirksam zu schwächen, wenn das auch alle anderen auf der Welt vehement versuchen.

Der Staat spart am falschen Ende

Bedenklich ist auch, dass viele europäische Staaten, Deutschland eingeschlossen, immer weniger investieren. Das Schaubild der DZ-Bank sagt alles. Der hohe Schuldenberg, den es abzutragen gilt, spielt dabei natürlich eine Rolle. Doch mit Sparen allein dürften Sie nicht zu beseitigen sein. Wenn Sie 500.000 Euro Schulden hätten und 2.000 Euro im Monat netto verdienen. Wie lange denken Sie, würden Sie brauchen, bis Sie die Schulden getilgt hätten? 30 Jahre? 50 Jahre? Nie? Wenn Sie aber durch bessere Arbeit in Zukunft mehr verdienen, sagen wir bis zu 5.000 Euro, sieht die Sache schon anders aus. Dank der EZB-Niedrigzinspolitik sparen nicht nur hochverschuldete Staaten jede Menge Zinsen.(1) Geld, was sie ausgeben sollten. Ein Leuchtfeuer ist in dem Zusammenhang immerhin der „Bundesverkehrswegeplan 2030“ der Bundesregierung (2): In den nächsten 15 Jahren sollen 264,5 Milliarden Euro in die deutsche Infrastruktur investiert werden. So viel wie noch nie.

Geldgeschenke zum Shoppen und den Aktienkauf

Dass jetzt wieder die Diskussion um das sogenannte „Helikoptergeld“ entbrannt ist, ist der nächste logische Schritt der EZB.(3) Helikoptergeld ist die nette Umschreibung für Geldgeschenke durch die Notenbanken an die Bürger. Die Nordea Bank hat einen Betrag von 1.300 Euro für jeden in der Eurozone vorgeschlagen.(4) Das Kalkül ist simpel: Den privaten Konsum weiter voranzutreiben. Denn wenn Sie und ich noch mehr Geld ausgeben beim Shopping, wenn wir noch mehr reisen und noch mehr ins Restaurant gehen, sollte es mit der Wirtschaft tatsächlich aufwärts gehen. Dafür schenkt man uns (Helikopter-)Geld.

Ob mit oder ohne Geldgeschenke: Wenn Sie shoppen gehen, denken Sie dabei auch ruhig an Aktien. Die nämlich sind Sachwerte, genau so wie ein Fernseher, ein Kühlschrank oder ein Auto. Außerdem finanzieren Sie damit die Zukunft des Unternehmens, das sich bei Ihnen bei guter Geschäftsentwicklung mit einer ordentlichen Dividende dafür bedanken kann. Zudem sind die aktuelle Niedrigzinspolitik auf drei Kontinenten ein wichtiger Treiber der Aktienkurse.

Konjunkturdaten und Geschäftszahlen

In der ersten Aprilwoche gibt es nur ein paar wenig spannende Wachstums-Indikatoren. So werden am Mittwoch die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion erwartet. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet nach starken Januar-Werten für den Monat Februar mit einem leicht rückläufigen Wert. Bereits heute, am Montag, gibt es Daten zu den Auftragseingängen der Industrie in den USA. Sie könnten ebenfalls etwas schwächer ausfallen. Am Dienstag folgen noch die Zahlen zur US-Handelsbilanz für Februar, die ein noch höheres Defizit zeigen dürften, und das Stimmungsbild im Dienstleistungsgewerbe durch das ISM-Institut.

Auf Unternehmensseite rücken ein paar Nachzügler bei den Jahresberichten ins Rampenlicht. So gibt der Waggonvermieter VTGam Dienstag Details der 2015er-Bilanz bekannt. Im Vorfeld stellte VTG bereits ein starkes Umsatz- und Gewinnplus in Aussicht. Am Mittwoch kommt Wirecard mit seinen Zahlen fürs geschäftsjahr 2015 um die Ecke. Zwei unseriöse Studien setzten den Aktienkurs zuletzt mächtig unter Druck. Operativ läuft es beim Anbieter elektronische Zahlungslösungen allerdings wie am Schnürchen. In der Schweiz präsentiert zudem Frosta seinen Jahresabschluss 2015. Damit die Geschäfte des Herstellers für Tiefkühlkost auch künftig gut laufen, hat Frosta eine Transparenzoffensive angekündigt. So sollen Kunden demnächst auf der Verpackung die Herkunft der Lebensmittel erkennen können. Absatz durch mehr Vertrauen lautet die Formel.

 

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