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14.03.2016 08:00

Ihr Geld: Jetzt gibt's Geld umsonst

Nun haben wir sie auch in der Eurozone. Eine Finanzwelt ohne Zinsen. Ganz offiziell. Und wie wird das gehen?

Nun haben wir sie auch in der Eurozone. Eine Finanzwelt ohne Zinsen. Ganz offiziell von oben verordnet. Am vorigen Donnerstag senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzinz von 0,05% auf 0,00%. Gleichzeitig weiten die Währungshüter ab April ihr Anleihenkaufprogramm auf monatlich 80 Milliarden Euro und weitere Anleiheformen aus. Auch der Strafzins für Bankeinlagen wurde erhöht. Statt 0,3% müssen Geschäftsbanken künftig 0,4% Zinsen zahlen, wenn sie ihr Geld kurzzeitig bei der EZB parken, statt es in die Wirtschaft zu leiten, etwa als Kredite.

Ist die Zeit der Kursfeuerwerke vorbei?

Und was machte die Börse? Die schwankte zwischen Euphorie und Trübsal. Der Dax sprang am Donnerstag erst nach oben, um anschließend deutlich ins Minus zu drehen. Am Ende ging der deutsche Leitindex mit einem leichten Plus aus der Woche. Anscheinend fragen sich Anleger immer mehr, ob die Ausweitung der ultralockeren Geldpolitik überhaupt noch etwas bewirken kann und ob die EZB durch den aktuellen Zinsschritt nicht ihr letztes Pulver verschossen haben könnte. Ein regelrechtes Kursfeuerwerk zumindest kann die EZB mit immer billigerem Geld nicht mehr entfachen.

Vielmehr werden einige Risiken immer realer. Was passiert, wenn die angestrebten Strukturreformen in einigen europäischen Ländern nicht wie erhofft Wirkung zeigen und dadurch das Wirtschaftswachstum anzieht? Das nämlich bräuchte man, um zum einen die Staatsverschuldung abzubauen und zum anderen durch steigende Löhne wieder so etwas wie Inflation zu bekommen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt sogar vor einer Immobilienblase in Deutschland infolge der Geldschwemme durch die EZB: „Wenn es noch Jahre so weitergehe, könnte am Ende eine Blase stehen. Das Risiko ist ganz klar real“.(1)

Und schon stehen die nächsten Zinsentscheidungen an

Potenzial für größere Schwankungen an den Börsen gibt es auch diese Woche. Denn nach der EZB folgen gleich eine Handvoll weiterer Notenbanken mit ihrer Zinsentscheidung. Während die in den USA (Mittwoch) und Großbritannien (Donnerstag) durchaus mit dem Gedanken steigender Zinsen Zinsen spielen, dürften die in Japan (Dienstag), Norwegen und der Schweiz (beide Donnerstag) ihre expansive Geldpolitik beibehalten, wenn nicht sogar wie die EZB ausdehen.

Zu den Top-Konjunkturindikatoren der aktuellen Woche gehören unter anderem die Januar-Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone am heutigen Montag. Nachdem bereits gute Zahlen aus Deutschland und Frankreich vorliegen, könnte das Gesamtbild ebenfalls positiv überraschen. Ansonsten gibt es einige Indikatoren aus den USA mit hoher Relevanz für den privaten Konsum. Zuletzt hatte sich das Stimmungsbild unter den Verbrauchern eingetrübt. Die Einzelhandelsumsätze sollten auf Grund der verbesserten Beschäftigungslage und weiterhin günstigen Energiepreise aber am Dienstag vergleichsweise gut ausfallen. Am Tag darauf folgen Zahlen zu den Baugenehmigungen sowie zur Industrieproduktion.

Finale der Berichtssaison

Auf Unternehmensseite wird der Schlussspurt in der Berichtssaison eingeläutet. Am Donnerstag verkündet unter anderem Lufthansa Zahlen zum vierten Quartal. Einer steigenden Zahl an Passagieren standen 2015 jedoch zahlreiche Streiks gegenüber, die den Umsatz belasteten. Ansonsten legt am Dienstag Amadeus Fire sein offizielles Zahlenwerk für 2015 vor. Der robuste Arbeitsmarkt in Deutschland spielt dem Personaldienstleister klar in die Hände. Den Tag darauf nimmt Bechtle zum angelaufenen Geschäftsjahr Stellung. Für den IT-Dienstleister macht es sich derzeit bezahlt, dass deutsche Unternehmen endlich in puncto IT-Anwendungen aufrüsten.

 

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