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11.01.2016 10:40

Ihr Geld: So macht das keine Lust auf mehr

Der deutsche Aktienindex DAX verlor auf Wochenbasis mehr als 4,2 %, gegenüber dem Endstand vom vorigen Jahr sogar fast 8 %! Das war ein mieser Jahresauftakt.

Als hätten es die Staatslenker in China geahnt, dass das „Jahr des Affen“ auch an der Börse zu allerhand Bewegung führen könnte: Gleich am ersten Handelstag kam der neue automatische Schutzmechanismus an den Börsen in Schanghai und Shenzen zum Einsatz. Binnen weniger Minuten brachen die chinesischen Aktienkurse um jeweils mehr als 7 % ein, so dass der Handel vorzeitig für den Rest des Tages ausgesetzt wurde. Am vergangenen Donnerstag dann das gleiche Spiel noch einmal. Inzwischen hat die Börsenaufsicht den neu entwickelten Schutzmechanismus wieder abgeschaltet…

China beschert DAX schlechtesten Jahresstart

An der restlichen Finanzwelt ging das Kursdebakel in China natürlich auch nicht spurlos vorbei: Der deutsche Aktienindex DAX verlor auf Wochenbasis mehr als 4,2 %, gegenüber dem Endstand vom vorigen Jahr sogar fast 8 %! Das war der schlechteste Jahresauftakt bislang. Auch im Rest Europas, den USA und Japan gingen die Aktienkurse kräftig auf Talfahrt. Alle wichtigen Aktienindizes schlossen im Minus. Einer alten Börsenregel zufolge bedeutet das fürs restliche Jahr nichts Gutes. Immerhin gibt die Richtung der Aktienkurse in der ersten Handelswoche des Jahres die Tendenz für die folgenden 51 Handelswochen vor (siehe dazu den Wochenausblick vom 4.1.2016: „Halten Sie Aktien auch 2016 die Treue“).

Übrigens: Auch der Ölpreis fiel – auf unter 35 US-Dollar je Barrel. Anderen Rohstoffen ging es nicht besser. Einzig das Krisenmetall Gold stemmte sich gegen den Trend und legte 3,7 % zu.

Die Gründe für den verpatzten Start sind schnell aufgezählt: Chinas Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit schwächelt. So fiel der dortige Einkaufsmanager-Index erneut und blieb unter der magischen Grenze von 50 Punkten. Zugleich wurde der Renmimbi zum US-Dollar weiter abgewertet. Hinzu kamen Meldungen, dass sich der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verschärft und Nord-Korea erstmals eine Wasserstoffbombe gezündet hat.

Börsencrash voraus?

Bei so viel Krisenstimmung verwundert es kaum, dass sich bekannte Crash-Propheten schnell zu Wort meldeten. George Soros etwa, der gern auf Zusammenbrüche an der Börse spekuliert, warnt vor einer globalen Finanzkrise wie 2008.(1) Dauer-Pessimist Marc Faber hält einen Einbruch des US-Aktienindex S&P-500 auf das Niveau von 2009 für möglich und sieht vor allem die sinkende weltweite Liquidität in Folge des niedrigen Ölpreises und den „Wahnsinn der Zentralbanker“ als große Gefahr. Faber empfiehlt auf Gold zu setzen.(2)

Die kommende Handelswoche verspricht mehr als spannend zu werden. Behalten die Börsen-Bären die Oberhand oder dient die Korrektur abermals als Kaufgelegenheit und die Börsen-Bullen übernehmen das Zepter? Charttechnisch steht für den DAX einiges auf dem Spiel: Gelingt eine schnelle Rückkehr über die 10.000-Punkte-Marke und steigt er über die Widerstandslinie um 10.130 Punkte, könnten weitere Käufer aufspringen. Nach unten könnten die Bereiche um 9.700 und 9.420 Punkte zum Zünglein an der Waage werden, da dort wichtige Unterstützungen verlaufen sowie der Aufwärtstrend von 2011 verläuft. Fallen diese Marken, könnten die Bären wahrscheinlich weiter das Sagen haben.

Eine Woche mit neuen (chinesischen) Überraschungen

Auf der fundamentalen Seite stehen zum einen einige Konjunkturdaten im Fokus. Am Donnerstag liefert das Statistische Bundesamt eine erste Einschätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Für die DekaBank war 2015 kein überschwängliches, aber ein gutes Konjunkturjahr gewesen sein. Entscheidende Stütze war dabei der Konsum.(3) Überraschungen sind kaum zu erwarten. Deutlich spannender dürften Chinas Export- und Importzahlen einen Tag vorher sein. Experten rechnen mit einem abermals stärkeren Rückgang, was die weltweiten Börsen erneut unter Druck setzen könnte. Ansonsten kommt am heutigen Montag der sentix Konjunkturindikator für die Eurozone heraus und Spanien liefert Zahlen zur Industrieproduktion. Am Dienstag folgt dann Großbritannien, am Donnerstag Italien. Den Abschluss macht die USA am Freitag ebenfalls mit Zahlen zur Industrieproduktion sowie zu den Einzelhandelsumsätzen. Und die Uni Michigan präsentiert ihre jüngsten Umfragergebnisse zum Verbrauchervertrauen.

Viele Unternehmen müssen zeigen, was sie geleistet haben

Für positive Stimmung könnte vor allem der Start der Berichtssaison auf Unternehmensseite sorgen. Als erster an der Reihe ist klassischerweise der Aluminiumhersteller Alcoa. Eine Reihe von US-Banken bringen Quartalszahlen, etwa die Citigroup, JPMorgan und Wells Fargo. Metro informiert über das abgelaufene Weihnachstgeschäft. Ansonsten müssen von deutscher Seite Südzucker sowie SinnerSchrader die Karten offen legen. Die Aktie des Marketing-Spezialisten war zuletzt kräftig gestiegen. Aus dem Ausland melden unter anderem Chiphersteller Intel, der jüngst auf der Consumer Electronics Show (CES) vielversprechende Zukunftspläne präsentierte (4), sowie der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt Quartalszahlen. Der stark gestiegene Preis für Kakao (5) könnte trotz Weihnachtsgeschäft belasten. Die Handelsriesen Tesco und Carrefour präsentieren ebenfalls Ergebnisse.

Nichtzuletzt steht die hiesige Automobilbranche, also vor allem BMW, Daimler und Volkswagen, verstärkt im Visier der Anleger. Grund: In den USA eröffnet die Detroit Motor Show ihre Pforten, was einen ersten Eindruck für 2016 verschafft. Der europäische Automobilverband ACEA veröffentlicht außerdem Absatzzahlen für Dezember 2015.

 

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