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26.04.2016 09:52

Ihr Geld: Tatort Litfaß-Säule - Der Fall Ströer

Anleger ließen die Ströer-Aktie einbrechen, nachdem eine kritische Studie die Wachstumszahlen als übertrieben bezeichnete. Inhaber von Discountzertifikaten sollten Ruhe bewahren.

Zertifikate sind toll. Sie können damit auch dann Geld verdienen, wenn bei Aktien nichts zu holen ist. Sie können außerdem das Risiko eines Aktien-Investments reduzieren. Was die allermeisten Zertifikate allerdings nicht können ist, Sie gänzlich vor Verlusten zu schützen. Das mussten Käufer des Mitte Februar 2016 vorgestellten Discountzertifikates auf das MDAX-Unternehmen Ströer Media jüngst bitter erfahren („Ernst Litfaß 2.0“ vom 16.02.2016, WKN CN5A1P). Am 21.04.2016 fiel der Preis des Discountzertifikates zwischenzeitlich mehr als 25%.

Das Discountzertifikat knickte ein...

Was war passiert? Zunächst einmal rufen Sie sich in Erinnerung, dass das Discountzertifikat einem Cap bei 55 Euro besitzt. Zum Kaufzeitpunkt notierte die Ströer-Aktie um die 48 Euro. Es handelte sich also damals um eine offensiv ausgerichtete Discounter-Strategie. Denn Sie als Käufer hatten die Chance, auch noch an steigenden Notierungen mitzuverdienen. Der Kurs eines solchen Discountzertifikates bewegt sich in aller Regel sehr ähnlich zum Kurs der Aktie, solange der Cap noch nicht erreicht oder überschritten wurde.

...weil Ströer abstürzte

Am 21.04.2016 nun brach die Aktie des Werbeflächen-Vermarkters Ströer um bis zu einem Drittel ein! Anleger ließen das Unternehmen wie eine heiße Kartoffel fallen, nachdem ein kritische Studie der Investmentgesellschaft Muddy Waters die Wachstumszahlen von Ströer als übertrieben bezeichnete.(1) Das Management aus Köln wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Behauptungen als falsch und irreführend. Man selbst wäre in das neue Geschäftsjahr besser gestartet als erwartet, heißt es aus Köln.(2).

Und einer machte ordentlich Gewinn

Hier und jetzt ein Urteil über die Richtigkeit der Behauptungen zu fällen ist nicht möglich. Allerdings hat die Studie von Muddy Waters durchaus einen faden Beigeschmack. Immerhin profitierte die Firma ordentlich vom Kursverfall der Ströer-Aktie. Man hielt nämlich Short-Positionen auf Ströer, wettete also damit ganz offiziell auf einen fallenden Kurs.(3) Außerdem war es nicht der erste Versuch von Muddy Waters, den Aktienkurs eines Unternehmens in die Knie zu zwingen und dann Kasse zu machen. Der Gründer des Hedgefonds machte sich schon mit Attacken auf chinesische Unternehmen einen Namen und löste erst im Dezember vorigen Jahres beim französischen Einzelhändler Casino einen Kursrutsch aus. Die Aktie hat sich inzwischen schon wieder fast davon erholt.

Ein mulmiges Gefühl bleibt

Ob das bei Ströer auch der Fall sein wird, mag niemand vorherzusagen. Auf der einen Seite werden Hedgefonds wie Muddy Waters, die mitunter ohne Skrupel aus allem versuchen Geld zu machen, nicht umsonst als Heuschrecken bezeichnet. Auf der anderen Seite steckt in Gerüchten bekanntlich oft ein Quäntchen Wahrheit. Lassen Sie sich dennoch nicht gleich ins Boxhorn jagen wie einige Anleger am 21.04.2016. Die Ströer-Aktie hat schon wieder gut die Hälfte des Kursrückschlags aufgeholt. Für Sie könnte das eine Chance sein.

Der Discounter bleibt aber interessant

Denn das Discountzertifikat steht mit einem Kurs von 42,81 Euro nur noch 3,4% im Minus. Zudem reicht es Ihnen, wenn die Ströer-Aktie am Laufzeitende im September 2016 bei 44,34 Euro notiert. Dann bekämen Sie von der Commerzbank je Discountzertifikat eine Aktie geliefert (bei Schlusskursen unterhalb des Caps kommt es zur Aktienlieferung). Liegt der Aktienkurs nach Lieferung auf Höhe des Kaufpreises des Discountzertifikates (44,34 Euro), gehen Sie mit plus minus Null aus der Sache raus. Übrigens: Die Ströer-Aktie notiert aktuell um die 45 Euro. Hält der Anteilschein das Niveau bis zum Laufzeitende, erzielen Sie sogar einen Gewinn. Und steigt der Kurs auf 55 Euro oder höher, erzielen Sie die ursprünglich avisierte Rendite von 24%.

Die Risiken kennen und steuern

Das Risiko von abermaligen Kursverlusten ist allerdings nicht vom Tisch. Was, wenn Muddy Waters doch Recht hat? Sie können das weitere Verlustrisiko immerhin eingrenzen, indem Sie bei Ihrem Discountzertifikat einen Stoppkurs setzen. Läge die Kursmarke bei 35 Euro und damit knapp 50 Euro-Cent unter dem Kurstief vom 21.04.2016, würden Sie den Verlust auf immerhin 21% begrenzen. Aber denken Sie daran, dass Sie, wird das Discountzertifikat ausgestoppt, wieder um eine neue, attraktive Geldanlage suchen müssen. Auch das Risiko eines Zahlungsausfalls der Commerzbank mit der Gefahr, dadurch den gesamten Kapitaleinsatz zu verlieren, besteht nach wie vor.

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