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01.03.2016 09:00

Ihr Geld: Was ein schwacher Euro mit grauem Star zu tun hat

Export orientierte Unternehmen profitieren vom schwachen Euro. Das Medizintechnik-Unternehmen Carl Zeiss Meditec auch.

Gestern schrieb ich über die mögliche Rückkehr der Euro-Dollar-Parität und welche positiven Effekte die Schwäche des Euro auf die Geschäfte von Exportunternehmen hat (Ihr Geld: Verwandelt der Osterhase einen US-Dollar in einen Euro?). Inzwischen kostet der Euro weniger als 1,09 US-Dollar. Eine deutlich geringere Inflationsrate in der Eurozone (auch ohne den dämpfenden Einfluß der fallenden Rohstoffpreise) hat den Wert der Gemeinschaftswährung weiter nach unten gedrückt.

Der hohe Auslandsanteil macht‘s

Für ein Unternehmen wie Carl Zeiss Meditec kommt die erneute Euro-Schwäche wie gerufen. Denn das Medizintechnik-Unternehmen aus Jena, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1846 zurückreichen, profitiert wie kaum ein anderes TECDAX-Unternehmen davon. Carl Zeiss Meditec stellt Instrumente und Geräte her, mit denen Sehfehler wie grauer oder grüner Star untersucht, diagnostiziert und therapiert werden können. Verkauft wird in die ganze Welt, vor allem außerhalb der Eurozone. So kamen im Geschäftsjahr 2014/15 (welches am 30.09.2015 endete) knapp 35% der Umsätze aus der Region Amerika; 95% davon stammten aus den USA.

Ein starker US-Dollar respektive schwacher Euro sorgte entsprechend für kräftigen Rückenwind bei den Umsatz- und Gewinnzahlen. Im Geschäftsjahr 2014/15 stiegen die Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 14% auf über eine Milliarde Euro. Währungsbereinigt, also ohne Wechselkurseffekte, waren es „nur“ 8,0%.(1) Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres setzte sich der Trend fort. Der Umsatz kletterte zum Vorjahreszeitraum um 8,9% auf 262,6 Millionen Euro zu. Bei einem unveränderten Euro-Dollar-Wechselkurs hätte das Plus 3,8% betragen – was immer noch beachtlich ist, angesichts der weltweit schwächelnden Konjunktur.(2)

Intakter Aufwärtstrend, aber nicht mehr ganz billig

Das positive Abschneiden von Carl Zeiss Meditec spiegelt sich auch im Kursverlauf der Aktie wider. Entgegen dem allgemeinen Trend legte der Anteilschein des Medizintechnikers seit 2015 um fast 36% zu. Der TECDAX als Ganzes schaffte nicht einmal die Hälfte davon. Inzwischen pirscht sich die Aktie sogar wieder an das Allzeithoch aus dem Jahr 2000 heran. Damals kostete die Aktie in Frankfurt mehr als 36 Euro. Aktuell steht sie bei knapp 29 Euro.

Aus charttechnischer Sicht spricht vieles für die Aktie. Sie befindet sich in einem sauberen Aufwärtstrendkanal. Die Commerzbank hat zudem ein Kursziel von 36 Euro ausgerufen.(3) Im Schnitt sehen Analysten den fairen Wert der Aktie aber nur bei etwas mehr als 30 Euro. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 25 auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2015/16 ist die Aktie von Carl Zeiss Meditec kein Schnäppchen. Kommt es die nächsten Monate zu einem weniger starken Gewinnwachstum als erwartet, weil etwa der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder aufwertet, wäre die Enttäuschung groß. Der Aktienkurs könnte dann nachgeben.

Ein Bonuszertifikat mit wenig Bonusrendite? Warum nicht?

In einem solchen Moment könnten Bonuszertifikate interessant werden. Die 20 derzeit am Markt befindlichen klassischen Papiere, also solche ohne Cap, sind aufgrund des jüngsten Kursanstiegs allerdings nicht mehr so attraktiv. Im besten Fall bringen sie auf Jahressicht nur noch Renditen um die 2,0%. Na und? Auf den zweiten Blick bieten solche Papiere nämlich ganz besondere Einstiegschancen.

Nach unten 24% Puffer

Nehmen wir das recht lang laufende Bonuszertifikat der BNP Paribas mit der WKN PS9CH1. Der Schein wird erst am 15.12.2017 fällig. Bis dahin gilt es, dass die Aktie von Carl Zeiss Meditec über der Barriere von 22 Euro bleibt. Das entspricht einem Sicherheitsabstand zum aktuellen Aktienkurs von rund 24%. Wird die Bedingung erfüllt, erhalten Sie von der BNP Paribas mindestens die 30 Euro Bonuszahlung. Bei einem Kaufpreis für das Bonuszertifikat von 28,86 Euro bringt Ihnen das eine Bonusrendite von absolut 3,95% oder 2,16% per annum.

Das klingt erst einmal nicht viel. Die Dividende, auf die Sie bei dem Bonuszertifikat verzichten müssen, bringt allerdings noch weniger. Das heißt: Bei einem stagnierenden Aktienkurs fahren Sie mit dem Bonuszertifikat schon mal besser. Fällt der Aktienkurs und bleibt die Barriere intakt, sind Sie sogar klar im Vorteil. Denn während Aktionäre trotz Dividende schnell ins Minus rutschen würden, könnten Sie sich in diesem Fall über Ihre kleine, aber feine Bonusrendite freuen.

Nach oben eins zu eins mit dabei

Der entscheidende Punkt aber ist, dass Sie bei einem weiteren Kursanstieg der Carl-Zeiss-Meditec-Aktie eins zu eins und ohne Begrenzung dabei sind. 36 Euro, 40 Euro, 50 Euro? Am Laufzeitende bekommen Sie bei Kursen von über 30 Euro den dann aktuellen Wert der Aktie in bar ausgezahlt. Zudem kostet das Bonuszertifikat im Moment etwas weniger als die Carl-Zeiss-Meditec-Aktie, genau gesagt 0,31% (Abgeld). Der Vorsprung, den Aktionäre durch die zusätzliche Dividende Ihnen gegenüber haben, ist also gar nicht so groß. Nur auf die Dividende müssen Sie weiterhin verzichten.

Dennoch bleiben einige Risiken

Natürlich ist das Bonuszertifikat trotz des großzügigen Sicherheitspuffers nicht frei von Risiken. Wird die Barriere während der Laufzeit verletzt, entfällt der Anspruch auf die Bonuszahlung. Die BNP Paribas zahlt Ihnen dann am Ende auch bei einer negativen Kursentwicklung der Carl-Zeiss-Meditec-Aktie nur deren Gegenwert in bar zurück. Es kommt zu Verlusten, wenn die Carl-Zeiss-Meditec-Aktie nach dem Barrierebruch nicht wieder auf oder über den Kaufpreis des Bonuszertifikates steigt, also 28,86 Euro. Würde die Aktie von Carl-Zeiss-Meditec (theoretisch) auf 0 Euro fallen, entstünde sogar ein Totalverlust Ihres Kapitals. Dazu kann es im übrigen auch dann kommen, wenn die BNP Paribas als Emittentin des Bonuszertifikates zahlungsunfähig wird.

 

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