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25.01.2016 09:00

Ihr Geld: Wer will noch mal, wer hat noch nicht

Der Wochenverlauf war zuletzt ein Spiegelbild der Woche zuvor: Erst ging’s bergab, dann bergauf.

Irgendwie tat das mal richtig gut. Nach den wirklich miesen Jahresstart schlossen vergangene Woche nahezu alle wichtigen Aktienindizes im Plus. Der DAX schaffte 2,3%, der EUROSTOXX-50 und NASDAQ-100 sogar 2,4%. Der DOW JONES (DJIA) schaffte immerhin ein Plus von knapp 0,7%. Im Minus standen indes vor allem asiatische Indizes wie der NIKKEI-225 (-1,1%) und der HSCEI (-1,6%).

Dabei war der Wochenverlauf nahezu ein Spiegelbild der Woche zuvor: Erst ging’s bergab, dann bergauf. Der DAX näherte sich sogar der 9.300-Punkte-Marke. Auch am Rohstoffmarkt ging es heiß her: Erst sackte der Preis für Rohöl der Sorte Brent unter 27,50 Dollar je Barrel, dann schossen die Notierungen auf über 32 Dollar. Unterm Strich ergab das ein Wochenplus von 10,2%. Experten sehen deshalb aber noch keine Trendwende am Ölmarkt gekommen.(1)

China wächst so langsam wie vor 25 Jahren

Was war passiert? Zunächst meldeten die staatlichen Statistiker aus Peking ein BIP-Anstieg von „nur“ 6,9% für das Jahr 2015. Das war das langsamste Wirtschaftswachstum Chinas seit 25 Jahren. Die meisten Marktbeobachter allerdings schien das nicht sonderlich zu überraschen. An den Börsen in China ging es zumindest weniger wild zu als die zwei Wochen zuvor. Dann senkte der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft 2016 von 3,6% auf 3,4%. Nichtzuletzt belastete der erwartete Rückgang des ZEW-Index für Deutschland die Kurse.

Durch den gestiegenen Ölpreis und die Aussicht auf zusätzliche Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) stieg jedoch die Stimmung zum Wochenschluss hin wieder. Zwar ließen die Währungshüter der Eurozone auf ihrer ersten Ratssitzung in diesem Jahr alle geldpolitischen Parameter wie gehabt. Die jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten und die partout nicht anspringende Inflation könnte auf der nächsten Sitzung im März aber eine „Neubetrachtung der Geldpolitik“ erforderlich machen, heißt es, bei der Massnahmen gegebenfalls nachjustiert werden müssen. EZB-Chef Mario Draghi unterstrich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nochmals, im Kampf gegen die zu niedrige Inflation nicht nachzulassen.(2) Im vergangenen Jahr stiegen die Preise selbst im wirtschaftlich prosprierenden Deutschland im Schnitt um nur 0,3%.

Es geht Schlag auf Schlag weiter

In dem Zusammenhang dürften die Augen auch auf die Mitte der Woche ausstehende Sitzung der US-Notenbank Fed gerichtet sein. Eine nächste Zinserhöhung wird dort so gut wie von niemanden erwartet. Darum geht es auch nicht. Interessant wird vielmehr auch dort die Wortwahl sein und inwieweit die aktuelle Marktentwicklung, die jüngsten Ereignisse in China und nicht zuletzt die Wirtschaftslage in den USA in diesem Jahr doch eine etwas lockerere Gangart wahrscheinlich machen.

Aktuell zeigt die US-Wirtschaft ein gemischtes Bild. Einerseits stützt der niedrige Ölpreis wie hierzulande den Konsum im Land, andererseits hält er die Inflationsrate niedrig und belastet Teile der Industrie, vor allem im Energiesektor. Wie wackelig der Industriesektor ist, wird der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe am Donnerstag zeigen. Im Dezember 2015 war die Industrieproduktion gegenüber November um 0,4% gesunken. Zwei Tage vorher gibt es Zahlen zum Konsumentenvertrauen und zum Häusermarkt (S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex). Den Schluss macht am Freitag die Erstschätzung zum BIP für das 4. Quartal. Die Mehrheit der Marktteilnehmer geht davon aus, dass die Wirtschaft der USA langsamer gewachsen ist als die Quartale davor.

Auch Deutschland muss Stellung beziehen

Ein Highlight der Woche ist ohne Zweifel der heutige Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Vor allem wegen der gestiegenen Konjunkturrisiken, speziell in China, könnten nach Expertenansicht einen stagnierenden – oder sogar leicht rückläufigen – Ifo-Geschäftsklimaindex zur Folge haben. Im Gegensatz dazu dürfte sich die Stimmung der deutschen Konsumenten weiter aufgehellt haben. Am Mittwoch präsentiert das Forschungsinstitut GfK den hauseigenen GfK-Konsumklimaindex. Es wird ein Anstieg auf 9,4 Punkte erwartet, nach 9,3 Zählern im Vormonat. Sowohl die Konjunktur- als auch die Einkommenserwartungen sollen spürbar zugelegt haben, hieß es bereits aus Nürnberg.

Diese Woche interessant dürften auch die BIP-Zahlen einiger Euro-Länder für das 4. Quartal 2015 sein. So müssen am Freitag unter anderem Frankreich und Spanien die Hosen runter lassen. Die Lage ist geteilt: Frankreich hat nach vor mit einem kränkelnden Arbeitsmarkt zu kämpfen und war einem schrecklichen Terrorangriff ausgesetzt. Das Wirtschaftswachstum könnte den Konsensschätzungen zufolge bei nur 0,2% liegen. Im Fall von Spanien sieht es besser aus. Dort ist ein BIP-Anstieg von 0,8% denkbar. Die Auftragslage der Industrieunternehmen nahm zuletzt weiter zu. Auch die Umsätze steigen – wenn auch etwas gedämpft. Problematisch bleibt die negative Entwicklung der Verbraucherpreise. Am Freitag wird dann die Schnellschätzung zur Inflation im Euroraum mehr zeigen.

Frisches Futter für die Börse

Ordentlich zur Sache geht es diese Woche auf Unternehmensseite, vor allem in den USA. Nachdem bislang erst 59 Unternehmen aus dem S&P-500 berichtet haben, werden es bis Freitag 200 sein. Neben 3M, Amgen, AT&T, Boeing, Chevron, Colgate-Palmolive, Du Pont, Ford Motors, Johnson&Johnson und Procter&Gamble liefert unter anderem auch McDonalds Zahlen. Trotz verändertem Essverhalten der Verbraucher und der Schließung von 700 Filialen im vergangenen Jahr soll der Gewinn zuletzt weiter gestiegen sein. Showdown heißt es auch in der IT- und Online-Branche: Amazon, Apple, eBay, Facebook, Microsoft und PayPal müssen zeigen, wie die Geschäfte im abgelaufenen Quartal gelaufen sind. Gerade bei Apple werden die Zahlen am Dienstag mit hoher Spannung erwartet. Immer mehr Analysten stellen sich die Frage, ob das Kult-Unternehmen inzwischen den Zenit seines aktuellen Erfolgs erreicht hat.

Hierzulande geht es recht ruhig zu. Heute kommt unter anderem Wincor Nixdorf mit Zahlen, am Dienstag Siemens und am Freitag der Visualisierungssezialist Isra Vision. Am Mittwoch nimmt zudem der Schweizer Pharmakonzern Novartis zu seiner Geschäftsentwicklung Stellung. Die Aktie verlor in den vergangenen sechs Monaten fast 18% an Wert.

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