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18.01.2016 08:00

Ihr Geld: Willkommen in der neuen Realität

Wer gehofft hat, die erste Handelswoche war nur ein Ausrutscher, wurde schnell eines besseren belehrt. Dabei sah es zu Beginn der zweiten Handelswoche gar nicht schlecht aus. Doch dann...

Wer gehofft hat, die erste Handelswoche war nur ein Ausrutscher, wurde schnell eines besseren belehrt. Dabei sah es zu Beginn der zweiten Handelswoche gar nicht schlecht aus. Das Statistische Bundesamt meldete steigende Löhne, die über der Inflationsrate liegen – was gut für den Konsum ist. Continental präsentierte solide Geschäftszahlen, Flugzeughersteller Airbus freute sich über einen Auslieferungsrekord und Lufthansa über einen Passagierrekord, in China stiegen die Exporte wieder und nach Ansicht des Industrieverbands BDI schafft die deutsche Wirtschaft 2016 ein Wirtschaftswachstum von knapp 2,0%. Das waren gute Nachrichten. Und so kletterte der DAX am Mittwoch bis über 10.100 Punkte.

Dax und Co. knicken weiter ein

Das war es dann aber auch schon mit der frisch aufgekommenen Hoffnung an den Aktienmärkten. Zum Wochenschluss rutschte der DAX wieder bis auf 9.545,27 Punkte ab. Rumms. Im Späthandel schloss der deutsche Leitindex sogar unter 9.500 Punkte. Unterm Strich bedeutet das für den DAX einen Wochenverlust von fast 4,5%. Ein ähnliches Bild war auch an den anderen internationalen Aktienmärkten zu beobachten.

Der Kurseinbruch kam natürlich nicht von ungefähr. Denn an den beiden letzten Tagen der Woche kam einiges zusammen. In den USA fielen die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen sowie der Industrieproduktion und der Konjunkturindex der New Yorker Notenbank wurde ebenfalls enttäuschend aufgenommen. Chinas Banken haben im Dezember weniger Kredite ausgegeben als erwartet. Und in Europa ploppte der nächste Abgas-Skandal auf: Kontrollen bei Renault und anderen nicht-französischen Marken ergaben, dass viele Schadstoffwerte höher sind als angegeben. Der gesamte europäische Autosektor kam daraufhin kräftig unter Druck, trotz glänzender Absatzzahlen. Volkswagen - you'll never walk alone...

Höhere Risiken und ein bevorstehender Börsencrash

Wenig ermunternd erscheint in dem Zusammenhang die Einschätzung führender Wirtschaftsexperten zur globalen Stabilität. In dem vergangene Woche vorab veröffentlichten Welt-Risiko-Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) heißt es, die Risiken seien in allen Bereichen –  umweltbezogen, gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch – in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen.(1) Das 46. WEF startet am 20. Januar 2016 wie gewohnt im Schweizer Örtchen Davos. Laut der Royal Bank of Scotland (RBS) stehen die wichtigsten Börsen sogar vor einem empfindlichen Einbruch, weshalb Anleger Aktien verkaufen sollten. Erwartert werden Kursrückgänge von zehn bis 20 Prozent. Der Ölpreis könnte sogar auf 16 Dollar fallen.(2) Seit voriger Woche kostet das Barrel WTI bereits weniger als 30 Dollar. Man könnte meinen, wir seien bereits mittendrin im Crash.

Es bleibt spannend: China, EZB und Stimmungsindikatoren stehen im Fokus

Die dritte Handelswoche bietet durchaus das Potenzial für weitere Turbulenzen an den Aktienmärkten. Immerhin werden einige wichtige Konjunkturindikatoren veröffentlicht. Den Anfang machen Daten zum chinesischen Wirtschaftswachstum (BIP) am Dienstag. Die Volkswirte der NordLB rechnen immerhin mit einem Zuwachs von „beachtlichen 7,1%“ auf Jahresbasis. Etwas skeptischer ist die DZ-Bank, die eine schwächere Industrieproduktion für möglich hält. Einen Wachstumseinbruch signalisieren aber auch alternative Indikatoren nicht, die tendenziell ein etwas schlechteres Bild der chinesischen Wirtschaft zeigen als die offiziellen Zahlen der Regierung.

Die EZB-Sitzung am Donnerstag wird zwar ebenfalls mit Spannung erwartet, immerhin agierten die Notenbanken in der jüngsten Vergangenheit bei schlechten Börsen stets als Retter in der Not. Die Mehrheit der Marktteilnehmer geht allerdings davon aus, dass die Währungshüter die Füße still halten werden. Die rasante Talfahrt des Ölpreises bietet aber sicher reichlich Diskussionsstoff, der eine Inflationsentwicklung in Richtung der gewünschten zwei Prozent alles andere als wahrscheinlich macht.

Am späten Dienstagvormittag sollten Anleger den Blick auf die monatliche Umfrageergebnisse des ZEW unter Finanzmarktexperten richten. Angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Börsen und der spürbar gestiegenen Nervosität, könnten zumindest die Werte zur Konjunkturerwartung in Deutschland nach allgemeiner Markteinschätzung schlechter ausfallen als zuletzt. An der Börse kommt so etwas meist gar nicht gut an. Für positive Stimmung könnten am Freitag indes einige Einkaufmanager-Indizes (PMI) für Januar in Frankreich, Deutschland und der Eurozone sorgen. Marktbeobachter rechnen mit Werten über dem Wachstumsschwellenwert von 50 Punkten.

Spannend dürfte nicht zuletzt bleiben, welche Auswirkungen die Aufhebung der Iran-Sanktionen hat. Politik und Unternehmen in Europa und den USA hoffen immerhin auf milliardenschwere Geschäfte.(3) Auch beim Ölpreis könnte die Öffnung des Landes in Vorderasien Wirkung zeigen.

Auch Unternehmen haben die Woche ein Wörtchen mitzureden

In dieser Woche stehen die nächsten Quartals- und Jahreszahlen einiger Unternehmen an. So müssen in den USA beispielsweise IBM, Netflix, Starbucks, American Express und General Electrics beweisen, ob die zum Teil hohen Wachstumserwartungen erfüllt wurden. In Europa präsentiert Unilever neuste Zahlen. Der Konsumgüterhersteller gehört aktuell zu den Lieblingen der Analysten, zumal sich die Unilver-Aktie im aktuell  angespannten Börsenumfeld erneut als robustes Investment entpuppt. Hierzulande dürfte SAP die vorläufigen Zahlen bestätigen, die ein kräftiges Umsatzplus signalisierten. Erwartungsgemäß enttäuschend ausfallen werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Ergebnisse des Rohstoffkonzerns BHP Billiton. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten halbiert.

Ein Hinweis noch

In den USA bleiben die Börsen wegen des Feiertages "Martin-Luther-King-Jr.-Tag" heute am Montag geschlossen.

 

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