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22.02.2017 15:24

Stromausfall: RWE überrascht die Experten mit erneuter Nullrunde

Wie im Vorjahr lässt RWE auch 2017 die Dividende ausfallen. Der Sorgen-Versorger trotz damit dem Druck der kommunalen Aktionäre – stellt allerdings ab dem nächsten Jahr mindestens 0,50 Euro je Aktie in Aussicht. Bleibt zu hoffen, dass der Konzern mit seinen Prognosen zur Dividende nicht so daneben liegt wie die Analysten der Banken. Die wurden nämlich wie schon im letzten Jahr auf dem ganz falschen Fuß erwischt: Von 16 Experten, die seit Jahresanfang eine Schätzung zur RWE-Ausschüttung veröffentlicht haben, hatten gerade einmal fünf die Null auf dem Zettel.

Nach der Deutschen Bank und der Commerzbank hat heute mit RWE der dritte DAX-Konzern seine (Stamm-)Aktionäre auf Nulldiät gesetzt. Der Sorgen-Versorger trotz damit dem Druck der kommunalen Eigentümer, die knapp ein Viertel der Anteile halten und angesichts klammer Kassen eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung verlangt hatten.

Trotz Konzernumbau: Ab 2018 soll’s 0,50 Euro je Aktie geben

Wirklich souverän agiert das Management dennoch nicht. Denn während hinter den Geschäftsmodellen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks (abseits der 75%-igen Beteiligung am Innogy) weiterhin dicke Fragezeichen stehen, wird für 2018 schon mal eine Ausschüttung von Euro 0,50 in Aussicht gestellt. Und das ist noch nicht alles: „Ziel des Vorstands ist es, dieses Dividendenniveau auch in den Folgejahren mindestens zu halten“, heißt es in der heute veröffentlichten Adhoc-Meldung.

Analysten hatten Nullrunde nicht auf dem Zettel

Ziemlich starke Töne für eine Firma, die gerade 5,7 Mrd. Euro Verlust eingefahren hat. Bleibt bloß zu hoffen, dass Finanzchef Markus Krebber mit seinen Prognosen zur Dividende nicht so daneben liegt wie die Analysten der Banken. Die wurden nämlich von der Streichung wie schon im letzten Jahr auf dem ganz falschen Fuß erwischt: Von 16 Experten, die seit Jahresanfang eine Schätzung zur RWE-Ausschüttung veröffentlicht haben, hatten gerade einmal fünf die Null auf dem Zettel. Im Schnitt waren die Börsen-Wahrsager bis heute früh davon ausgegangen, dass die Essener jede Stammaktie mit 0,28 Euro bedienen und Anleger somit gut 2% Dividendenrendite kassieren können.

Erneut bestätigt das Beispiel RWE damit unsere kritische Haltung gegenüber Dividendenschätzungen. Bei zuverlässigen Zahlern wie Fresenius – heute übrigens mit der 25. Anhebung in Folge in den Olymp der Dividenden-Aristokraten aufgestiegen – sind die Prognosen unnötig. Und bei Wackelkandidaten à la RWE ist der so genannte „Analystenkonsens“ in puncto Treffsicherheit und Seriosität nicht mehr allzu weit von Kirmes-Wahrsagern entfernt.

RWE ist für uns weiterhin kein Investment

Davon abgesehen tangiert uns die Nullrunde bei RWE (für Vorzugsaktionäre gibt’s immerhin 0,13 Euro) aber nur äußerst peripher. Im Gegensatz zu vielen hochprofitablen Versorgern im Ausland ist der Konzern vom DividendenAdel mindestens zehn Jahre entfernt – und selbst im Bereich der Turnaround-Spekulationen sehen wir attraktivere Chancen (beispielsweise Boss).

Folgen Sie Christian W. Röhl auf Twitter: @CWRoehl

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Christian W. Röhl ist Unternehmer, Kapitalmarkt-Stratege – und Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet. Einblicke in seinen Investment-Alltag gibt der Autor des manager magazin-Bestsellers "Cool bleiben und Dividenden kassieren" auf seinem Blog DividendenAdel sowie in Vorträgen und Workshops.

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