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11.01.2019 17:08

Devisen weekly: Euro im Aufwind? Pfund könnte nächste Woche stärker unter Druck geraten. JPY legt gegenüber US-Dollar weiter zu.

EUR/USD: Der Euro hat gestern (09.01.) gegenüber dem US-Dollar einen Satz nach oben gemacht und notiert jetzt bei 1,1542 US-Dollar. Es war vor allem Gegenwind für den US-Dollar, der zu der Euro-Aufwertung verholfen hat. Dieser Gegenwind kam gleich von mehreren Seiten. So haben sich laut dem Protokoll der letzten Fed-Sitzung viele Notenbankmitglieder für „Geduld“ hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen ausgesprochen. Die Rede ist von „stärker ausgeprägten Risiken“, die es zu beachten gelte. Unterstrichen wurde das noch von Äußerungen der Fed-Präsidenten von St. Louis (James Bullard, stimmberechtigt) und von Atalanta (Raphael Bostic, nicht stimmberechtigt), die sich gegen Zinserhöhungen aussprachen. Bullard ging sogar so weit, vor einer Gefahr zu warnen, dass die US-Notenbank durch weitere Leitzinserhöhungen eine Rezession auslösen könne. Heute wird unter anderem Fed-Chef Jerome Powell vor dem Economic Club sprechen. Offensichtlich haben viele Anleger die Hoffnung, dass Powell seine Ansichten von der vergangenen Woche („Geduld“) wiederholt oder gar noch deutlicher wird. Ein weiterer Punkt, der dem Euro geholfen haben dürfte, ist die Erwartung einer baldigen Vereinbarung zwischen den USA und China in Bezug auf ihre Handelsbeziehungen. Anscheinend hat man bei den dreitägigen Gesprächen in Peking moderate Fortschritte erreicht. Risikofreude ist derzeit ein Treiber für einen stärkeren Euro. Wir bleiben jedoch skeptisch, da die so genannten Knackpunkte weiterhin ungelöst sind. Dazu gehört unter anderem eine glaubwürdige Verpflichtung Chinas, den Diebstahl von Technologie aus den USA zu unterbinden. Dem Dollar geschadet hat schließlich das erneute Scheitern der Gespräche zwischen dem Präsidenten Trump und führenden Demokraten über den Bau der Mauer zu Mexiko bzw. über den Verwaltungsstillstand. Letzterer ist übrigens auf dem besten Weg, zum längsten Government Shutdown der Geschichte zu werden. Den Rekord hält derzeit die Clinton Regierung (1995/96: Drei Wochen). Trump wird heute in Texas in der Nähe der mexikanischen Grenze auftreten und es steht die Befürchtung im Raum, er werde den nationalen Notstand ausrufen. Das würde es dem Präsidenten erlauben, Mittel aus dem Verteidigungshaushalt für den Bau der Mauer frei zu machen. Vermutlich würde eine derartige Aktion vor dem Verfassungsgericht landen. In diesem Umfeld könnte die Stimmung am Markt wieder rasch kippen. Für den Euro wären das vermutlich angesichts einer dann wieder steigenden Risikoaversion negative Nachrichten.

EUR/GBP: EUR/GBP bewegt sich seit Anfang Dezember in einer Range zwischen 0,8950 und 0,9050. Auch über den Jahreswechsel schwankte das Wechselkurspaar innerhalb dieser Bandbreite und steht aktuell bei rund 0,90. Mit Blick auf die nächste Woche könnte EUR/GBP allerdings neue Spitzen erreichen, denn am Dienstag (15.01.) stimmt das britische Parlament über die zwischen der Regierung und der EU ausgehandelte Brexit-Vereinbarung ab. Dass Premierministerin Theresa May die Zustimmung des Parlamentes erhält, ist jedoch unwahrscheinlich. Zu viele Abgeordnete haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Fällt der Vertrag im Parlament durch, muss die Regierung nach einer Vorgabe des Parlamentes innerhalb von drei Tagen einen Plan B präsentieren, doch dieser ist nicht in Sicht. Zu unterschiedlich sind weiterhin die Positionen der einzelnen Politiker. Das Risiko eines ungeordneten Brexit wächst, was das Pfund noch einmal deutlich gegenüber dem Euro abwerten lassen könnte. Da sich ein in wesentlichen Punkten geänderter Vertrag gegenüber der EU wohl nicht durchsetzen lässt, läuft es wohl auf eine Regierungskrise und darauf folgende Neuwahlen mit einem neuen Referendum über den Brexit hinaus.

USD/JPY: Seit Mitte Dezember wertet der JPY gegenüber dem US-Dollar auf. Dieser Trend hat sich zuletzt weiter fortgesetzt, sodass USD/JPY jetzt bei 108 steht. Hintergrund sind vor allem die reduzierten Leitzinserhöhungserwartungen an die Fed.


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