Themenspecial: Zinsanlagen

powered by LBBW

Interview mit Nico Hamm (HSH Nordbank)

Interview mit Nico Hamm (HSH Nordbank)
Bis zu diesem Frühjahr kannten die Kapitalmarktzinsen nur eine Richtung: Süden. Seither haben sich die Renditen etwas erholt. Gehen Sie davon aus, dass wir den Tiefpunkt schon gesehen haben?

Persönlich bin ich nicht der Meinung, dass die Kapitalmarktzinsen nun nur noch gen Norden gehen, um in Ihrem Bild zu bleiben. Die Verunsicherung ist weiterhin groß an den Märkten, die USA haben die angekündigte Zinserhöhung verschoben und in Europa warten wir weiter auf einen nachhaltigen Aufschwung der Wirtschaft. Ob wir neue Tiefpunkte sehen werden, bleibt abzuwarten, aber für eine rasche Erholung der Kapitalmarktzinsen fehlt mir zurzeit noch die Phantasie.

Welche Anleiheform empfehlen Sie Anlegern, die jetzt die Zinswende erwarten und in den nächsten Jahren von moderat steigenden Zinsen ausgehen?

Für Anleger, die von einer moderaten Steigerung der Zinsen ausgehen, empfehlen sich sogenannte „Floored Floater“, also Kapitalmarktfloater mit Mindestzins. Diese kapitalgarantierten Wertpapiere partizipieren an steigenden Zinsen und bieten gleichzeitig eine Mindestverzinsung, falls die Zinserholung ausbleibt.

Und wie würde die Wahl ausfallen, wenn sogar ein sehr starker Zinsanstieg erwartet wird?

Wenn der Investor von einem sehr starkem Zinsanstieg überzeugt ist, dann könnte er auf die zusätzliche Sicherheit durch einen Mindestzins verzichten und die Partizipation am Referenzzins erhöhen. Für sehr offensive Anleger bietet es sich eventuell sogar an, mit einem Hebelzertifikat auf die Kapitalgarantie zugunsten des Hebels zu verzichten.

Was würden Sie Anlegern sagen, die trotz allem davon ausgehen, dass die Zinsen noch eine längere Zeit niedrig bleiben?

Auch in diesem Fall muss sich der Anleger entsprechend positionieren. Dem „Parken“ von Geldern auf Girokonten oder als Festgeld droht der reale Geldverlust durch möglicherweise steigende Inflationsraten. Die Maßnahmen der EZB zielen auf eine Erhöhung der Preissteigerungsrate auf 2 %. Hierauf könnten sich Anleger beispielsweise mit einem Investment mit längeren Laufzeiten und Inflationsausgleich einstellen. Sie könnten so die Phase der niedrigen Zinsen überbrücken. Auch für den Aufbau eines diversifizierten Portfolios mit mehreren Assetklassen und einem sehr langen Anlagehorizont könnte es der richtige Zeitpunkt sein.

Mit den Tilgungsanleihen hat die HSH Nordbank gerade eine neuartige Struktur ins Leben gerufen. Worin sehen Sie hier die Vorteile und für welchen Anlegertyp eignen sich diese?

Die Experten-Jury der Zertifikate Awards hat diese Anlageidee mit einer unserer Tilgungsanleihen sogar in die Auswahl für das „Zertifikat des Jahres 2015“ aufgenommen. Der größte Vorteil dieser Zertifikate ist sicher die Flexibilität hinsichtlich der Verfügbarkeit des Kapitals und gegenüber Zinsänderungsrisiken, kombiniert mit einer Kapitalgarantie. Zu beachten ist allerdings das Emittentenrisiko. Tilgungsanleihen heben sich durch die gestaffelte Rückzahlung von anderen Anleihen ab. Der Investor erhält neben einer jährlichen Verzinsung zusätzlich einen Teil des Nominalbetrages während der Laufzeit zurück, zum Beispiel bei einer Laufzeit von 10 Jahren jährlich 10 % zusätzlich zu dem Kupon. So bleibt der Anleger flexibel und kann auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Mit diesem Wertpapier ist es möglich, einen privaten Auszahlungsplan aufzubauen. Man kann die Anleihe aber trotzdem jederzeit an der Börse veräußern. Dies ist für all jene Anleger interessant, die jetzt Geld anlegen möchten, aber bereits vor Fälligkeit Geldzuflüsse benötigen, um Ausgaben zu bestreiten. Damit kann dieser Anleihetyp in so ziemlich jede Lebensphase passen.

Eine zweite Neuerung der letzten Monate sind die Geldmarktzins-Anleihen. Was war hier der Beweggrund?

Ein Blick auf das Anlageverhalten der Deutschen in den letzten Jahren lieferte den Grund, unsere altbewährten Kurzläufer (Laufzeiten zwischen sechs und 24 Monaten) wieder zu begeben. Ein Großteil des deutschen Privatvermögens liegt auf dem Girokonto oder ist als Termin- bzw. Festgeld angelegt. Die Verzinsung ist inzwischen oftmals unter die aktuelle Inflationsrate gesunken und so macht diese Anlageform keinen Sinn mehr. Auch erwarten einige Marktteilnehmer wieder steigende Zinsen und möchten flexibel in ihrer Anlage sein. Geldmarktzinsanleihen liegen im gleichen Laufzeitband wie Termin- bzw. Festgelder, sind aber als Wertpapier jederzeit über die Börse handelbar und damit deutlich flexibler.

Ebenfalls noch relativ neu ist das Engagement bei Bonitätsanleihen. Werden Sie die Aktivitäten hier forcieren?

Wir hatten Bonitätsanleihen auch schon früher begeben und haben sie im letzten Jahr „wieder aus der Schublade gezogen“, da die Marktphase dazu passte. Ein Investment in die Bonität der Unternehmen bietet eine zusätzliche Renditemöglichkeit und hat meist eine geringere Schwankung als die zugrundeliegende Aktie. Das Mehr an Rendite ergibt sich aus der Kombination von aktuellem Marktzins plus einer Prämie für das zusätzliche Risiko des Referenzunternehmens sowie der Verzinsung für die Geldüberlassung an die Emittentin. Wir werden unsere Aktivitäten immer dem entsprechenden Marktumfeld anpassen – aktuell sehen wir keine Gründe, auf die Bonitätsanleihe zu verzichten.

Wenn Sie das derzeitige Kundeninteresse bei den spezielleren Zinsthemen „Bonität“, „Fremdwährungen“ und „Inflation“ gewichten sollten, wer liegt bei der Nachfrage aus Ihrer Sicht auf Platz 1, 2 und 3?

Wenn ich das Kundeninteresse an den Umsätzen messe, dann liegen die Bonitäts- vor den Fremdwährungsanleihen. Das Thema Inflation sollte man auf mittlere Sicht im Blick behalten.


Nico Hamm - HSH Nordbank
Zur Person

Nico Hamm ist Leiter der Abteilung Sparkassen, Banken & Öffentliche Kunden Nord und ist damit auch verantwortlich für den Verkauf der strukturierten Anleihen der HSH Nordbank.

Als ausgewiesener Experte für Retailanleihen mit langjähriger Erfahrung schreibt er regelmäßig in seiner Kolumne über alle Themen rund um strukturierte Anleiheprodukte.