Themenspecial: Zinsanlagen

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Zinsen – Gradmesser für das Risiko

Zinsen – Gradmesser für das Risiko

Wer sein Geld für einen bestimmten Zeitraum einem anderen überlässt, verlangt dafür einen Preis. Auf dieser Grundidee der „Zinsen“ fußt die weitreichende Geschichte unseres heutigen Bankensystems. Der Geldgeber („Gläubiger“) geht das Risiko ein, sein Kapital vom Geldnehmer („Schuldner“) nicht wiederzubekommen. Dafür fordert er eine Entschädigung. Und je höher er das Risiko einschätzt, desto höher wird er den geforderten Zinssatz ansetzen. Dieses Zusammenspiel galt damals – zu den Anfangsjahren der Bankgeschichte – genauso wie heute. Zinsen waren und sind schon immer ein Gradmesser für das Risiko.

Was sich im Lauf der Geschichte allerdings immer wieder verändert hat, ist die absolute Höhe von Zinsen. Um dies zu erkennen, muss man nicht weit zurückblicken. Wären Menschen vor 20 Jahren gefragt worden, welchen Satz sie als „hohen Zins“ einordnen würden, wäre die Antwort sicher anders ausgefallen als heute. 1995 brachten langfristige deutsche Staatsanleihen noch beinahe 8 Prozent ein. Bis heute ist dieser Zinssatz auf beinahe null gefallen. Begründet werden kann der dramatische Abfall aber nicht etwa mit gesunkenen Risiken. Die Bundesrepublik Deutschland galt damals wie heute als wenig riskanter Schuldner. Vielmehr verändert sich der Spielraum, in dem sich Zinsen am Markt bewegen. Das jeweilige Niveau wird vom wirtschaftlichen Umfeld und der Veränderung von Preisen beeinflusst, in entscheidendem Maße aber auch von außen gesteuert. Die Notenbanken üben mit den von ihnen festgesetzten Leitzinsen direkten Einfluss auf kurzfristige Zinssätze aus. Und langfristige Zinsen können sich davon nicht gänzlich abkoppeln. Bei einer Leitzinsänderung verschiebt sich die gesamte Zinsstruktur.

Renditeentwicklung der 10-jährigen Bundesanleihe von 1987 bis heute