Themenspecial: Zinsanlagen

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Zinsen im Jahr 2015 – Die EZB und die Negativrendite

Zinsen im Jahr 2015 – Die EZB und die Negativrendite

Als der Dow Jones Index im Jahr 1999 erstmals die 10.000-Punkte-Marke knackte, war das für die New Yorker Börse Anlass, Baseball-Caps mit der bejubelten Zahl zu bedrucken. Die Händler auf dem Parkett trugen die blauen Mützen mit dem „DOW 10,000“-Aufdruck voller Stolz - überzeugt, Zeuge eines historischen Moments zu sein. Im Vergleich zur Aktienwelt geht es am Rentenmarkt in der Regel ruhiger zu – zumal es auch selten Anlass für Jubel ist, wenn Anleihen auf einem extrem hohen Niveau notieren. Meist gehen solche Phasen mit wirtschaftlichen Verwerfungen einher. Zuletzt waren Rezession, Banken- und Eurokrise Wegbereiter für Rekordhöhen bei Anleihen und parallel dazu immer tiefer abtauchende Renditen.

Die schwache Wirtschaftslage hatte die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlasst, den Leitzins auf zuvor nie dagewesene 0,05 Prozent zu senken. Im Herbst 2014 machte die bislang wenig bekannte thüringische Skatbank Schlagzeilen, da sie als erstes deutsches Kreditinstitut Negativzinsen auf hohe Sparguthaben verlangte. Als die EZB 2015 zusätzlich ein Aufkaufprogramm für Staatsanleihen ins Leben rief, tat die darauf folgende Liquiditätsflutung ihr Übriges, um das Zinsniveau noch tiefer zu drücken. Bei Bundesanleihen gerieten Papiere mit immer längeren Laufzeiten in den Sog der Minusrenditen. Kurz bevor auch die Rendite der viel beachteten Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit unter die Nulllinie abzudriften drohte, kam dann im Frühjahr 2015 die Wende. Wenig später stand die Rendite hier wieder bei 1 Prozent. Wird das bisweilen seltsam anmutende Phänomen (Anleger zahlen Strafzinsen, wenn sie Geld verleihen) also eine einmalige Ausnahme bleiben? Geht die Negativrendite – anders als die 10.000 beim Dow, der heute näher an der 20.000 notiert – als Rekord für die Ewigkeit in die Geschichte ein? Die seit nunmehr 25 Jahren sinkenden Zinsen werden beinahe ebenso lange mit Skepsis betrachtet. „Was lange fällt, muss bald wieder steigen“, glaubten viele. Doch wurden die Skeptiker in der Vergangenheit allzu oft eines Besseren belehrt. Wer auf einem vermeintlichen Zinstief beispielsweise sein Haus finanziert hatte, konnte sich häufig nur kurz freuen. Die Zinsen fielen weiter. Andererseits waren Anleger im Vorteil, die sich die rückblickend hohen Zinsniveaus für ihr Sparguthaben gesichert hatten.