18.05.2018, 12:00 Commerzbank

Im W├╝rgegriff der Politik

Energie: Brentöl kostete gestern erstmals seit November 2014 wieder mehr als 80 USD je Barrel. Und die „Chancen“ stehen gut, dass sich der Preis dort aufgrund der anhaltenden Angebotssorgen etablieren kann. Am Sonntag finden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt. Der Rückgang der venezolanischen Ölproduktion könnte sich noch verstärken, falls es nach der erwarteten Wiederwahl von Maduro zu Unruhen kommt und US-Präsident Trump wie angedroht weitere Sanktionen verhängt. Derweil versucht sich die EU gegen Trumps Sanktionspolitik zur Wehr zu setzen. Dazu soll ein aus dem Jahr 1996 stammendes Gesetz wieder in Kraft gesetzt werden, um europäische Unternehmen vor Schäden durch mögliche exterritoriale US-Sanktionen zu schützen (sog. Blocking Statute). Allerdings räumte Bundeskanzlerin Merkel gestern ein, dass es unmöglich sei, die Unternehmen allumfassend zu entschädigen. Dies stellt die Wirksamkeit des Gesetzes in Frage. Zudem können die USA immer noch damit drohen, den sanktionierten Unternehmen den Zugang zum US-Markt zu verweigern. Diese Drohung wiegt wegen der Bedeutung des US-Marktes für viele Unternehmen mindestens genauso schwer wie mögliche Strafzahlungen. Der französische Ölkonzern Total und die dänische Containerschiffahrtsgesellschaft Maersk haben bereits angekündigt, im Falle von US-Sanktionen ihre Geschäfte mit dem Iran einzustellen, um weiter auf dem US-Markt aktiv sein zu können. Ähnliches könnte für die Versicherungsgesellschaften gelten, die für die Absicherung der Schiffsladungen unerlässlich sind. Von daher bleibt abzuwarten, ob es der EU gelingt, das Atomabkommen mit dem Iran zu erhalten und die Auswirkungen auf den Ölmarkt möglichst gering zu halten.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9J1Y Faktor Long WTI Oil Future Faktor: 8
CE9J22 Faktor Long Brent Oil Future Faktor: 8
CE7XGS Faktor Short WTI Oil Future Faktor: -8
CV55QJ Faktor Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Gold verharrt weiterhin unterhalb von 1.290 USD je Feinunze. Eine Erholung nach dem Preisrutsch zu Wochenbeginn ist bislang ausgeblieben. Dagegen hat Silber etwa die Hälfte der Verluste der ersten Wochenhälfte wieder wettgemacht und handelt am Morgen bei 16,45 USD je Feinunze. Das Gold/Silber-Verhältnis ist im Zuge dessen auf 78,5 gefallen. Am Dienstag lag es noch fast bei 80. Die drohende Rückkehr der Staatsschuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte abgesehen vom italienischen Rentenmarkt bislang weitgehend kalt gelassen. Das könnte sich allerdings ändern, wenn sich in Italien die beiden Protestparteien 5-Sterne-Bewegung und Lega am Wochenende tatsächlich auf eine neue Regierung einigen. Die geplanten Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen dürften zu einem weiteren Anstieg der bereits sehr hohen italienischen Staatsverschuldung führen. Mitte der Woche sorgten Überlegungen der beiden designierten Kolationspartner über einen Teil-Schuldenerlass an die EZB für Unruhe. Nun gibt es den Vorschlag, die von der EZB gehaltenen italienischen Staatsanleihen bei der Berechnung der Verschuldungsquote auszuklammern. Dadurch würde die Schuldenquote von 130% auf 120% der Wirtschaftsleistung sinken. Die Europäische Statsitikbehörde Eurostat hat dem eine klare Absage erteilt. Eine Schuldenkrise in Italien hätte ungleich größere Auswirkungen als in Griechenland. Gold würde hiervon profitieren.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD5B2X Faktor Long Gold-Future Faktor: 6
CD5B34 Faktor Short Gold-Future Faktor: -6

Industriemetalle: Der LME-Kupferpreis ist seit Jahresbeginn um 5% gefallen und verharrt seit Wochen in einem engen Preiskorridor zwischen 6800 und 7000 USD je Tonne. Preisstützende und -belastende Faktoren halten sich die Waage. Doch während die jüngste Preisstabilisierung hauptsächlich einer guten Anlegerstimmung zu verdanken ist wie der CoT-Bericht der LME verrät, zeigt sich die physische Nachfrage eher schwach. Die moderaten chinesischen Kupferimporte in diesem Jahr standen zunächst im Widerspruch zum Preis, der zu Beginn des Jahres so hoch war wie zuletzt 2014. Dazu wurde ein großer Teil der Lieferungen eingelagert: Die SHFE-Bestände haben sich im ersten Quartal auf über 300 Tsd. Tonnen verdoppelt. Ausschlaggebend ist u.E. eine nachlassende Dynamik im chinesischen Bausektor, dem mit Abstand wichtigsten Anwendungsbereich für Kupfer. Die Preise für Wohnimmobilien in den größten Städten Chinas sind im April um fast 1% ggü. Vorjahr gefallen, der stärkste Rückgang seit April 2015. Auch das Wachstumstempo der Anlageinvestitionen, dem anderen wichtigen Abnehmerbereich für das „Infrastrukturmetall“ Kupfer, enttäuscht. Das Preisverhältnis von Kupfer zu Brentöl, die beide als vorlaufende Konjunkturindikatoren gelten, ist deshalb wenig überraschend auf den niedrigsten Stand seit 2014 gefallen (Grafik des Tages). Schließlich ist dies auch doppelt belastet: Denn der Ölpreisanstieg ist primär Angebotssorgen geschuldet und selber für die Weltkonjunktur und damit die Kupfernachfrage dämpfend.

Rechtline Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise

Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.