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30.10.2017 14:45

Die Formel zum Weltspartag: Aktien + Zeit + Disziplin = €€€

Irgendwie surreal, in einer Welt ohne Zinsen noch immer den Weltspartag zu feiern. Aber wenn Kinder ihr Geld zur Bank statt zum Büdchen tragen und die Eltern etwas „für später“ zurücklegen statt alles zu verkonsumieren, macht das auch heute noch Sinn – wenn Aktien im Spiel sind. Ein paar Gedanken und Graphiken rund um Aktiensparpläne und langfristigen Vermögensaufbau.

Hach, war das schön als Kind, damals in den 1980er Jahren am Weltspartag. Nach der Schule zur Sparkasse radeln, zusammen mit dem freundlichen Mann hinterm Schalter das Sparschwein schlachten, die Münzen zählen, das neue Knax-Heft einsacken, dann endlich das kleine rote Büchlein zurückbekommen – und feststellen, dass der kleine Röhli wieder ein bisschen reicher geworden war. „Zinsen“ stand da in dünnem Neun-Nadel-Druck und daneben ein Betrag, der irgendwie eine Verheißung war. Auch wenn’s nur um drölf Mark und ein paar Zerquetschte ging: Es hatte sich gelohnt, die Münzen zur Bank statt zum Büdchen zu tragen.

Weltspartag ohne Zinsen?

Den Weltspartag gibt es immer noch, die Zinsen leider nicht mehr. Aber wie motiviert man die Kleinen (und natürlich auch die Großen), ein bisschen Geld zurückzulegen, wenn es dafür außer allerlei Sparkassen-Tüntel keine Belohnung gibt!?

50.000 Euro in zwei Jahren

Vielleicht helfen Graphiken wie diese hier: Wer seit Oktober 1997 jeden Monat 100 Euro (bzw. früher 200 Mark) gespart und die Kohle nicht der Bank überlassen, sondern in deutsche Aktien gesteckt hat – der darf zwei Jahrzehnte später fast 50.000 Euro sein Eigen nennen.

Weltspartag Aktiensparen Beispiel

Davon hat man nur die Hälfte selbst aufbringen müssen (20 Jahre x 12 Monate x 100 Euro = 24.000 Euro). Der Rest sind die Früchte des Sparens und des Investierens: Kursgewinne und wiederangelegte Dividenden. Macht unter dem Strich – gerechnet nach der Methode des Internen Zinsfußes, gerne auch IRR (Internal Rate of Return) genannt – immerhin 6,6% p.a. Und das trotz Asien-Krise, New Economy-Crash, 11. September, Lehman-Pleite, Griechenland-Debakel, Brexit und was es in den letzten 20 Jahren sonst noch so an politischen und wirtschaftlichen Heimsuchungen gab.

Auf 20 Jahre niemals ein Verlust

Gleichzeitig sind diese 6,6% p.a. selbstredend weder garantiert noch allgemeingültig, sondern bloß die Rendite für einen einzigen mehr oder weniger willkürlich ausgewählten 20-Jahres-Zeitraum. Andere Perioden haben bessere oder schlechtere Ergebnisse gebracht. Wer etwa 1987 kurz nach dem großen Oktober-Crash mit dem Aktiensparen angefangen hat, konnte über die folgenden zwei Jahrzehnte sogar eine zweistellige Rendite einfahren.

Weltspartag Aktiensparen Rollierende Rendite

Nicht so gut lief es für diejenigen, die Anfang 1983 losgelegt haben. Wegen der dreijährigen Baisse zum Anfang des Jahrtausends lag die 20-Jahres-Rendite nur bei 3% p.a. Doch erstens sind auch das fast drei Prozentpunkte mehr als es derzeit auf dem Sparbuch gibt. Zweitens haben ausnahmslos alle seit 1971 für deutsche Aktien nachrechenbaren Sparpläne über 20 Jahre das Geld vermehrt – der grüne Graph berührt niemals die Nulllinie. Und drittens hätte man 2003 nur ein bisschen länger bei der Stange bleiben müssen, um das Ergebnis kräftig aufzupolieren.

Die Zeit heilt alle Wunden

Das nämlich ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Blick zurück: Die Zeit heilt alle Wunden. Je länger man sein persönliches Spar- und Investitions-Programm durchzieht, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass signifikant mehr rauskommt als man reingesteckt hat – im historischen Durchschnitt über 8% p.a.

Je länger, umso sicherer

Ein Sparplan über zwei Jahre ist Pillepalle, das Resultat – im besten Fall +67% p.a., im „Worst Case“ -50% p.a. – purer Zufall und das Risiko, Geld zu verlieren, durchaus erheblich: Ein Viertel aller Zwei-Jahres-Sparpläne endete im Minus. Doch schon bei sieben Jahren steigt die Erfolgsquote auf über 90%. Wer 10 Jahre jeden Monat treu und brav deutsche Aktien bespart hat, muss sogar nur noch mit einer Verlust-Wahrscheinlichkeit von 4% leben. Und ab einer Ansparzeit von 16 Jahren ging niemals etwas verloren.

Weltspartag Aktiensparen RenditeGerade für Eltern, die Geld für ihre Kinder zurücklegen, sollte das doch Ansporn genug sein, den Sparvertrag in einen Aktiensparplan umzuschichten. Es müssen ja nicht gleich Einzelaktien sein. Mit Fonds und ETFs lassen sich Hunderte Unternehmen aus allen möglichen Ländern und Branchen im Paket besparen, teilweise mit laufenden Kosten von weniger als 0,5% p.a. – da gibt’s dann zwar kein Knax-Heft, aber genügend Rendite, dass jeden Monat ein Lustiges Taschenbuch von Disney drin ist (oder was sonst gerade angesagt ist bei den Kids). Die Formel, dass Sparen sich auch weiterhin lohnt, ist jedenfalls klar:

Aktien + Zeit + Disziplin = €


Christian W. Röhl ist Unternehmer und Kapitalmarkt-Stratege – vor allem aber Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet. Einblicke in seinen Investment-Alltag gibt der Autor des manager magazin-Bestsellers „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ in Vorträgen und Seminaren sowie auf seinem Blog DividendenAdel und bei Twitter (@CWRoehl).

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

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