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07.03.2016 09:00

Ihr Geld: Die Null muss stehen? Nicht in Japan

Wer dachte bei „0%“ Zinsen ist Schluss, wurde vergangene Woche erneut eines besseren belehrt. Japan konnte sich erstmals in der jüngeren Geschichte über zehn Jahre Geld leihen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen.

Wer dachte bei „0%“ Zinsen ist Schluss, wurde vergangene Woche erneut eines besseren belehrt. Japan konnte sich erstmals in der jüngeren Geschichte über zehn Jahre Geld leihen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Besser noch: Die durchschnittliche Rendite einer emittierten Staatsanleihe lag am Ende bei -0,024%.(1) Anleger zahlen also dafür, dem japanischen Staat zehn Jahre lang Geld zu leihen. Der Zins-Irrsinn zieht damit weitere Kreise. In der Schweiz rentieren schon alle Staatsanleihen mit einer Fälligkeit bis 2031 im negativen Bereich. Bundesanleihen liegen aktuell bis zu einer Restlaufzeit von acht Jahren im Minus-Prozent-Terrain.

Bargeld wird begehrt sein

Der Chef der Schweizerischen Notenbank (SNB), Thomas Jordan, ist allerdings davon überzeugt, dass Investoren früher oder später umschwänken und das Spiel der Negativzinsen nicht mehr mitspielen. Jordans Ansicht nach wird dann eine „Flucht in Bargeld“ stattfinden.(2) Im Prinzip hat sie schon begonnen. Einige Sparkassen denken bereits darüber nach, höherer Geldsummen im eigenen Tresor aufzubewahren statt sie für Strafzinsen bei der EZB einzulagern. Von Seiten des Sparkassenverbandes hieß es jedoch, es handle sich nur um ein theoretisches Szenario.(3) Theorie hin oder her – dass zuletzt wieder verstärkt darüber diskutiert wurde, ob man das Bezahlen mit Bargeld beschränken sollte, stimmt in den Zusammenhang nachdenklich.

Also lieber Gold...oder am besten gleich Aktien

Und was würde statt Bargeld als Alternative zu Zinspapieren bleiben? Sicherlich Gold. Die Feinunze verteuerte sich im Wochenverlauf bereits um 4,1% auf über 1.250 US-Dollar. Vor allem aber dürften Aktien weiter gefragt sein. Die nämlich sind Beteiligungen an einem – in aller Regel – privat geführten Unternehmen. Sie verbriefen Eigentumsansprüche an Sachwerten und nicht an bedrucktem Papier, sprich Geld. Japans Börse legte nach dem Negativ-Rendite-Schock am Anleihemarkt kräftig zu. Der NIKKEI-225 sprintete um 5,1% nach oben. Im Windschatten ging es auch für Chinas Börsen nach oben: Der HSCEI verbuchte auf Wochenbasis ein Plus von 6,5%. In Deutschland und dem Rest der Eurozone legten die Aktienkurse im Schnitt um bis zu 3,7% zu.

Verkäufe stimmen Automobil-Industrie positiv

Zu den größten Gewinnern in Deutschland gehörten die Autohersteller BMW, Daimler und Volkswagen sowie Zulieferer wie Continental, Dürr und Leoni. Die Aktienkurse sprangen bis zu fast 18% nach oben. Hintergrund ist, dass hierzulande der Neuwagen-Verkauf im Februar stark zugelegt hat. Etwas enttäuschend war hingegen das Wochen-Minus des Medienunternehmens ProSiebenSat.1 von knapp 1,5%. Die Nachricht vom Aufstieg in den DAX noch vor Ostern gab nur kurzzeitig Auftrieb.

Öl spurtet Richtung 40 US-Dollar

Apropo Auftrieb. Der Preis für der Rohöl-Sorte Brent näherte sich vergangene Woche verdächtig nah der Marke von 40 US-Dollar. Knapp 39 US-Dolalr kostete ein Barrel am Freitag Abend. Kurstreiber war unter anderem die Meldung, russische Ölkonzerne wollen ihre Förderung wie von Präsident Wladimir Putin gewünscht, nicht steigern und das Land hätte sich bereits mit mehr als 15 Staaten darauf geeinigt, die Ölproduktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren.

Alle warten auf Mario Draghi

Der deutliche Ölpreisanstieg wird EZB-Chef Mario Draghi sicher freuen, zumindest mit Blick auf die Preisentwicklung in der Eurozone. Denn zuletzt war die Inflationsrate wegen der stark gefallenen Energiepreise sogar ins Minus abgerutscht. Ein höherer Ölpreis könnte jetzt Waren in der Eurozone wieder teurer machen. Am Donnerstag steht die nächste Entscheidung der EZB an. Wegen der zusätzlichen Marktkapriolen und Konjunktursorgen hatte Mario Draghi bereits im Vorfeld angekündigt, man werde „die gegenwärtige Politik der Notenbank erneut auf den Prüfstand stellen“. Für die Mehrheit der Marktteilnehmer heißt das: noch niedrigere Zinsen bzw. höhere negative Zinsen.

Wirtschaftszahlen zu Deutschland und China im Fokus

Die Woche startet bereits heute mit Januar-Zahlen für die Auftragseingänge der deutschen Wirtschaft. Am morgigen Dienstag folgen die der Industrieproduktion. Die Stimmung war zuletzt wegen der schlechteren Wirtschaftslage in Europa und dem Rest der Welt und den dadurch eingetrübten Exportperspektiven gedrückt. Ein Befreiungsschlag sowohl für die Auftragseingänge als auch die Industrieproduktion wird von Volkswirten nicht erwartet. Auch die am Donnerstag veröffentlichte Handelsbilanz für Deutschland könnte schwächer ausfallen. Am Freitag gibt es dann noch die offiziellen Zahlen zu den hiesigen Verbraucherpreisen.

Im Fokus steht diese Woche auch wieder einmal China, genauer gesagt den Außenhandel. Im Januar waren die Zahlen für die Einfuhren und Ausfuhren enttäuschend. Die am Dienstag anstehenden Werte für Februar dürften ebenfalls rückläufig sein, wenngleich auch nicht mehr so stark, wie die DZ-Bank meint. Dafür verantwortlich könnte der gestiegene Ölpreis sein, der die in US-Dollar ausgewiesenen Importe zuletzt tendenziell verteuert haben sollte.

Geschäftszahlen für 2015 am laufenden Band

Auf Unternehmensseite stehen eine Reihe interessanter Quartalszahlen und Jahresabschlüsse an. So muss der Energieriese RWE am Dienstag zeigen, wie man das vergangene Geschäftsjahr überstanden hat und wie man sich die Zukunft des Konzerns vorstellt. Vor allem der Wegfall der Dividende führte zuletzt zu hitzigen Diskussionen – speziell bei einigen Kommunen in Nordrhein Westfalen, für die die Ausschüttung eine wichtige Einnahmequelle ist. Rechenschaft ablegen muss am Dienstag auch die Merck KGaA.

Am Tag darauf folgt E.on mit seinen Jahreszahlen. Sie dürften ebenso ernüchternd ausfallen wie die von RWE. Freundlicher ausfallen werden mit Sicherheit die 2015er-Geschäftszahlen der Deutschen Post, die es ebenfalls am Mittwoch gibt. Die Jahresabschlüsse von Linde, der Hannover Rück, Hugo Boss sowie K+S gibt es am Donnerstag. Die Deutsche Bank und Allianz folgen am Freitag.

 

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