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16.02.2016 09:00

Ihr Geld: Ernst Litfaß 2.0

Waren Sie schon mal von einer Litfaß-Säule genervt? Eben!

Er ist der Deutsche mit den meisten Denkmälern. Sie kennen ihn. Ihr Nachbar auch. Ihr Arbeitskollege ebenfalls. Jeder kennt ihn. Die Rede ist von Ernst Litfaß und seiner Erfindung, der Litfaßsäule. Am 11. Februar hätte Litfaß seinen 200. Geburtstag gefeiert. Warum das so interessant ist, wollen Sie wissen? Ernst Litfaß darf getrost als Urvater der Außenwerbung angesehen werden. Ein Werbeträger für Unternehmen, Theater, Konzertveranstalter, Behörden, Parteien, NGOs, Verbände – lokal, national, global. Unaufdringlich und in der Bevölkerung ausnahmslos akzeptiert. Oder haben Sie schon mal jemanden sagen hören, wie nervig eine beklebte Litfaßsäule ist?

Auch wenn es in Deutschland heute noch weit mehr als 50.000 klassische Litfaßsäulen gibt: Außenwerbung ist inzwischen wesentlich facettenreicher. Riesige Banner in der Bahnhofshalle, große Leinwände an viel befahrenden Straßen und Plätzen, Superposter an Hauswänden, Plakate an Brücken, beklebte Treppenstufen, beleuchtete Info-Bildschirme in Einkaufspassagen und U-Bahnhöfen, bunt bemalte Straßenbahnen und Busse, aufwendige Präsentationsbühnen. Selbst die netten Damen, die Ihnen manchmal kleine Flyer in die Hand drücken, gehören dazu.

Werbung, die ins Auge sticht – und von Ströer kommt

Die Möglichkeiten, wie Unternehmen die Menschen außerhalb der eigenen vier Wände auf sich und ihre Produkte aufmerksam machen können, sind aber nicht nur vielseitig. Außenwerbung ist vor allem auch effektiv. Denn Sie und ich können ihr praktisch nicht aus dem Weg gehen. Wegzappen wie beim Fernsehen? Fehlanzeige. Wegschauen? Kaum oder gar nicht möglich. Etwa 13 Millionen Menschen sind hierzulande jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Insgesamt pendeln 38 Millionen Menschen tagtäglich zur Arbeit. Untersuchungen haben ergeben, dass viele von ihnen sich durch Außenwerbung sogar schon mindestens einmal zur weiteren Recherche im Internet, etwa auf dem Smartphone, haben inspirieren lassen.(1)

All das spielt einem in die Hände – Ströer. Das erst seit kurzem im MDAX gelistete Unternehmen gehört zu den Top-Anbietern für Außen- und Online-Werbung. Ströer übernimmt die komplette Planung für nahezu alle denkbaren Werbeformen. Der Kundenstamm ist riesig. Nach dem 2015 bereits ein sehr gutes Geschäftsjahr war, blickt man in Köln auch für 2016 optimistisch in die Zukunft. Aktuell rechnet man mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 270 bis 280 Millionen Euro.(2) Zum Vergleich: 2015 sollen es 200 Millionen Euro gewesen sein (endgültige Geschäftszahlen gibt es am 23.02.2016); 2014 waren es 148,1 Millionen Euro.

Die Analysten sind auf breiter Front begeistert

Das enorme Wachstum soll unter anderem durch den zunehmenden Fokus auf digitale Werbeformen gesichert werden. Beispiel: Ströer testet mit Vodafone den Einsatz kleiner Funkzellen in seinen klassischen Werbeträgern. Es geht darum Vodafone-Kunden einen besseren Internetzugang zu bieten – und gleichzeitig Vodafone neue Werbekanäle zu eröffnen. Ansonsten will Ströer sein Angebot kontinuierlich durch gezielte Übernahmen und Beteiligungen ausbauen. Analysten sind vom Unternehmen hell auf begeistert. Aktuell gibt es nur Kaufempfehlungen, wobei die Kursziele weit über 70 Euro reichen. Zuletzt stand die Aktie bei gut 48,33 Euro. Wenn Sie lnagfristig investieren wollen, könnte jetzt womöglich ein guter Einstiegszeitpunkt.

In Sippenhaft genommen

Ein Blick auf den Chartverlauf bringt mich dann aber doch etwas ins Grübeln – zumindest, was die kurzfristige Kursentwicklung betrifft. Den jüngsten Kursturbulenzen konnte sich die Ströer-Aktie nämlich nicht entziehen. Der beschleunigte Aufwärtstrend aus 2014 wurde Anfang Januar diesen Jahres gebrochen. Im November 2015 noch markierte die Ströer-Aktie ein Allzeithoch von 63,90 Euro (Börse Frankfurt). Vor einigen Tagen gab die Unterstützung bei 45 Euro dem Aktienkurs Halt. Die nächsten größeren Widerstände liegen bei etwa 55 und 57,70 Euro.

Mit 7,7% Rabatt einsteigen und bis Mitte September 24% Rendite einstreichen

Warum also nicht ein wenig die Schwäche der Aktie nutzen und eines der insgesamt 271  Discountzertifikate auf Ströer kaufen? Ein Papier der Commerzbank mit der WKN CN5A1P beispielsweise besitzt eine Laufzeit bis zum 15.09.2016. Der Cap liegt bei 55 Euro. Bis zu diesem Niveau profitieren Sie eins zu eins von einem Kursanstieg der Ströer-Aktie. Darüber hinaus nicht. Der Vorteil des Discountzertifikates gegenüber dem direkten Aktienkauf ist der Preisnachlass auf den aktuellen Kurs der Ströer-Aktie. Der Discount beträgt rund 7,7%. Das Discountzertifikat kostet dadurch nur 44,34 Euro.

Unterm Strich verdienen Sie so auch etwas, wenn der Kurs der Ströer-Aktie auf der Stelle verharrt. Genau genommen würden Sie eine sogenannte Seitwärtsrendite von 8,6% beziehungsweise 14,7% per annum erzielen. Notiert die Ströer-Aktie am Laufzeitende auf oder über dem Cap von 55 Euro, läge die abolute Rendite sogar bei 24% und die annualisierte bei 41,8%. Um mit der Ströer-Aktie einschließlich der erwarteten Dividendenrendite von rund 2% so viel zu verdienen, müsste der Kurs auf annähernd 59 Euro steigen. Die Commerzbank zahlt im übrigen bei einem Schlusskurs der Ströer-Aktie von 55 Euro und höher pauschal 55 Euro in bar zurück. Bei Kursen darunter, bucht sie 1 Ströer-Aktie ins Depot.

Dabei aber nicht die Risiken vergessen

Womit wir bei den Nachteilen des Discountzertifikates wären. Erstens gibt es keine Dividenden. Zweitens hätten Sie bei einer echten Aktienkursrally das Nachsehen, wobei sie natürlich jederzeit das Discountzertifikat vor dem Ende der Laufzeit verkaufen können. Drittens kommt es zu Verlusten, wenn der Kurs der Ströer-Aktie zum Schluss unter dem Kaufpreis des Discountzertifikates liegt, also unter 44,34 Euro. Durch den Discount fällt das Minus allerdings immer kleiner aus, als mit der Aktie (einschließlich Dividende). Nicht zuletzt besteht ein Emittentenausfallrisiko. Bei einer Zahlungsunfähigkeit der Commerzbank kann es zu einem Totalverlust des Kapitaleinsatzes kommen. Die Kursentwicklung der Ströer-Aktie spielte dabei dann keine Rolle.

 

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