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08.03.2017 14:06

Spardose Beiersdorf: Lieber Strafzinsen als Dividendenanhebung?

Stabile Dividenden sind prinzipiell eine feine Sache. Doch bisweilen fühlt man sich auch verhohnepiepelt, wenn eine Firma jahrein, jahraus dasselbe ausschüttet. Ein krasses Beispiel dafür ist Beiersdorf. Der Nivea- und Tesa-Konzern fährt Rekordergebnisse ein, während die letzte echte Dividendenanhebung aus dem Jahr 2008 datiert. Doch weil Tchibo-Erbe Herz die Mehrheit hat, können die Aktionäre kaum Druck aufbauen – sondern bloß einen großen Bogen um die Aktie machen. Die Alternative ist ein familiengeführtes Unternehmen aus Düsseldorf.

Stabile Dividenden sind prinzipiell eine feine Sache. Doch bisweilen fühlt man sich als Aktionär auch verhohnepiepelt, wenn eine Firma jahrein, jahraus dasselbe ausschüttet. Ein krasses Beispiel dafür ist Beiersdorf. Einerseits gehört der Nivea- und Tesa-Konzern zu den gerade einmal fünf DAX-Riesen, die sich im letzten Vierteljahrhundert keine einzige Dividendensenkung erlaubt haben. Andererseits liegt die letzte Anhebung noch länger zurück als das letzte Europacup-Spiel des HSV. Eine gefühlte Ewigkeit also: 2008 wurde die Ausschüttung von 0,60 auf 0,70 Euro je Aktie erhöht – und abgesehen von einem einmaligen Bonus 2009 hat sich seitdem nichts mehr getan.

Dabei könnten die Hamburger durchaus die Spendierhosen anziehen. Heute früh wurde für das Geschäftsjahr 2016 ein Überschuss von 729 Mio. Euro entsprechend 3,13 Euro je Aktie verkündet. Bei einer idealtypischen Ausschüttungsquote von 50% wären also mehr als 1,50 Euro Dividende drin. Dennoch bleibt alles beim Alten und das Geld im Unternehmen. Fraglich bloß, ob’s dort gut aufgehoben ist. Seit Jahren betet Beiersdorf die Litanei vom externen Wachstum herunter, wofür man finanziell flexibel sein müsse. Doch passiert ist nichts. Keine Zukäufe, nicht einmal Gerüchte über größere Deals.

Aktionäre können keinen Druck aufbauen

Stattdessen schimmeln knapp zwei Milliarden Euro Cash und Cash-Äquivalente auf dem Konto vor sich hin – für die am Ende vielleicht noch Strafzinsen berappt werden müssen, wozu es auf der Hauptversammlung am 20. April sicher kritische Nachfragen gibt. Wirklich Druck aufbauen können die Aktionäre allerdings nicht: 51% der Anteile liegen bei Maxingvest, der Holding des milliardenschweren Tchibo-Erben Michael Herz – der Beiersdorf scheinbar als persönliche Spardose ansieht und mit der jährlichen Ausschüttung von in Summe 90 Mio. Euro halbwegs über die Runden kommen dürfte.

Henkel schlägt Beiersdorf

Otto Normalanleger hingegen kann gerne zu Nivea, Labello, Eucerin, Hansaplast und 8×4 greifen – lässt die Beiersdorf-Aktie aber links liegen. Denn Körperpflege und Klebstoffe aus Familienhand gibt’s im DAX ja gleich zweimal: Henkel gehört ebenfalls zu den fünf zuverlässigsten Dividendenzahlern und brilliert nicht nur mit zweistelliger Dynamik, sondern auch mit einer schlüssigen Strategie. Kein Wunder, dass die Düsseldorfer in der Gunst der Anleger weit vorne liegen. Inklusive reinvestierter Dividenden kommen die Henkel-Vorzüge für die  fünf Jahre seit Anfang 2012 auf ein Plus von 175%, während bei Beiersdorf unter dem Strich nur eine Verdopplung steht.

Ein Rendite-Renner ist allerdings auch Henkel nicht. Bei Kursen knapp unter 120,00 Euro summieren sich die für 2017 bereits annoncierten 1,62 Euro je Aktie auf gerade einmal 1,4%. Wer mehr will, kann sich die Konsumgüter-Riesen aus den USA anschauen. Die Dividenden-Aristokraten Colgate Palmolive und Procter & Gamble locken mit 2,2 bzw. 3,1% Rendite – entwickeln sich (derzeit) allerdings nicht so dynamisch wie Henkel.

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Christian W. Röhl ist Unternehmer, Kapitalmarkt-Stratege – und Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet. Einblicke in seinen Investment-Alltag gibt der Autor des manager magazin-Bestsellers "Cool bleiben und Dividenden kassieren" auf seinem Blog DividendenAdel sowie in Vorträgen und Workshops.

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