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20.02.2017 08:08

Unilever wird (doch nicht) gefressen… und was ist mit Danone?

Mit Essen spielt man nicht, hat Oma immer gesagt. Doch das Lebensmittel-Monopoly ist in vollem Gange. Zwar hat KraftHeinz sein Übernahmeangebot für Unilever bereits nach zwei Tagen wieder zurückgezogen, doch die Geschichte ist noch lange nicht vorbei: Investoren wollen Wachstum sehen und das ist kurz- bis mittelfristig nur über Skalen- und Synergieeffekte darstellbar, weshalb Fusionen nur eine Frage der Zeit sind. Unter Druck ist dabei auch Marktführer Nestlé, profitieren könnte Danone – wobei die (reichlich wolkige) Übernahmephantasie nicht der entscheidende Grund ist, warum die Yoghurt-, Wasser- und Babybrei-Aktie gut ins Portfolio passt.

Mit Essen spielt man nicht, hat Oma immer gesagt. Doch das Lebensmittel-Monopoly ist in vollem Gange. Zwar hat KraftHeinz sein Übernahmeangebot für Unilever bereits nach zwei Tagen wieder zurückgezogen, doch die Geschichte ist noch lange nicht vorbei: Investoren wollen Wachstum sehen und das ist kurz- bis mittelfristig nur über Skalen- und Synergieeffekte darstellbar – weshalb Fusionen nur eine Frage der Zeit sind.

Neuer Nestlé-Chef gleich unter Druck

Unter Druck ist dabei auch Nestlé, wo der neue Chef Ulf Mark Schneider in der vergangenen Woche auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz massive Einsparungen angekündigt hat, um die Gewinndynamik anzukurbeln. Doch ob das ausreicht? Wir schließen nicht aus, dass Schneider früher oder später dasselbe tut, womit er schon an seiner vorherigen Wirkungsstätte – nämlich beim deutschen Dividenden-Primus Fresenius – grandios erfolgreich war: Firmen kaufen.

L'Oréal-Beteiligung könnte für Kerngeschäft getauscht werden

Geld für einen Mega-Deal wäre durchaus da, vor allem wenn Nestlé die nicht wirklich zum Kerngeschäft zählende Beteiligung am Kosmetik-Konzern L’Oréal versilbern würde. Das 23%-ige Paket hat einen Marktwert von über 20 Mrd. Euro, was schon mal gut die Hälfte des aktuellen Börsenwerts von Danone wäre. Mit ihren Milchprodukten, Tafelwassern und Baby-Breichen würden die Franzosen ziemlich gut zu Nestlé passen – aus kartellrechtlicher Sicht an der einen oder anderen Stelle vielleicht sogar zu gut.

Danone mit günstiger Bewertung

Wir wollen deshalb nicht in die Glaskugel glotzen und irgendwelche Deals beschwören, vor allem weil es in Frankreich traditionell immensen politischen Widerstand gegen Übernahmen gibt. Fakt ist jedoch, dass Danone mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 17,9 (auf Basis der für die nächsten zwölf Monate prognostizierten Erträge) zwar kein Schnäppchen ist – aber günstiger bewertet als Nestlé (20,6), KraftHeinz (25,1) oder die irische Kerry Group (20,0). Darüber hinaus hat der Fruchtzwerge-, Evian- und Milupa-Konzern keinen strategischen Großaktionär.

2,8% Rendite und viel gesundes Potential

Gleichwohl kann Übernahmephantasie vielleicht ein Impuls, aber niemals ein hinreichender Grund für ein Investment sein – ganz im Gegensatz zur Ausschüttungsqualität. Und die stimmt: In den letzten 25 Jahren wurde die Dividende nie gesenkt und nur dreimal (zuletzt 2014) nicht erhöht. Beim Drei-Jahres-Payout bewegt das 1919 sich zwar am oberen Rand des DividendenAdel-Zielkorridors, aber da die Ertragsdelle 2014/15 inzwischen ausgebügelt wurde, sehen wir dies nicht als problematisch an. Die Dividendenrendite von 2,8% scheint somit gesichert.

Hinzu kommt, dass keiner der großen Lebensmittel-Hersteller so frühzeitig und konsequent auf das steigende Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein der Verbraucher reagiert hat. Während mancher US-Konzern noch immer sein Heil in Mac & Cheese und Dosenfleisch sucht, hat Danone etwa im vergangenen Jahr die freundliche Übernahme der auf vegane und vegetarische Lebensmittel spezialisierten Firma Whitewave Foods auf den Weg gebracht – hierzulande u.a. durch die Marke Alpro bekannt. Die Transaktion dürfte noch im Laufe des ersten Quartals abgeschlossen werden.

Folgen Sie Christian W. Röhl auf Twitter: @CWRoehl

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