Automobil: Neue Autos braucht das Land
Die deutschen Autokonzerne stehen derzeit vor allem mit Negativmeldungen in den Schlagzeilen. Das geht auch an den Aktienkursen von BMW, Daimler und VW nicht spurlos vorüber. Aber so schlecht, wie man meinen könnte, ist es um die heimische Automobilindustrie gar nicht bestellt. Die Hersteller haben sich viel vorgenommen.
In wenigen Wochen beginnt in Frankfurt am Main die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA). Eigentlich ist die Messe für die deutsche Automobilindustrie ein willkommenes Ereignis, um sich auf heimischem Boden den Medienvertretern und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch in diesem Jahr ist die Stimmung gedrückt.
Die Abgasaffäre, der Vorwurf von Kartellabsprachen sowie die grundsätzliche Kritik am Diesel haben die Branche in eine Sinneskrise gerissen. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der sich das Automobil im größten Umbruch seiner Geschichte befindet. Die digitale Vernetzung sowie die E-Mobilität forcieren den globalen Innovationswettlauf um die besten Technologien. Die entscheidende Frage lautet: Können die deutschen Konzerne beim technologischen Wandel mit der Konkurrenz mithalten?
Autoaktien unter Druck
An der Börse haben die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen zuletzt deutlich nachgegeben. Dort ist inzwischen ein Newcomer zum Liebling der Anleger aufgestiegen. Die Rede ist von Tesla. Obwohl der US-Elektroautohersteller noch keinen einzigen US-Dollar Gewinn geschrieben hat, ist das Unternehmen an der Börse mittlerweile schon mit rund 60 Milliarden US-Dollar bewertet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Tesla kein großes Interesse an traditionellen Branchentreffen wie der IAA zeigt. In Frankfurt wird man die Amerikaner in diesem Jahr vergeblich suchen. Stattdessen präsentiert sich Tesla lieber auf hippen Events wie der Computermesse CES in Las Vegas.
Starke Geschäftsentwicklung
Wie tief stecken die heimischen Hersteller tatsächlich in der Krise? Nimmt man die jüngsten Geschäftszahlen als Kriterium, lautet die Antwort: noch gar nicht. Bei BMW legte der Absatz im zweiten Quartal 2017 konzernübergreifend um knapp fünf Prozent auf rund 634.000 Fahrzeuge zu. Ein neuer Rekord. Der Vorsteuergewinn der Münchener erhöhte sich ebenfalls überraschend stark um 9,2 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Auch bei Daimler blickt man auf ein „hervorragendes zweites Quartal“ zurück. Die Auslieferungen stiegen um acht Prozent auf 823.000 Fahrzeuge. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 41,2 Milliarden Euro. Außerdem gehen die Stuttgarter davon aus, den Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) im laufenden Geschäftsjahr „deutlich zu steigern“.
Und wie läuft das Geschäft bei Volkswagen? In Wolfsburg ist der Ton zwar weniger euphorisch als bei der Konkurrenz aus dem Süden. Gleichwohl verlief die Geschäftsentwicklung auch bei der VW Group im zweiten Quartal mit einer Absatzsteigerung von zwei Prozent auf 2,66 Millionen Fahrzeuge und einem Umsatzplus von 4,7 Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro durchaus positiv.
Fokus auf E-Mobilität
Mittlerweile scheint die deutsche Autoindustrie auch den Handlungsbedarf bei der Elektromobilität erkannt zu haben. Bei BMW ist die Elektrifizierung des Produktportfolios mittlerweile ein Schwerpunkt der Unternehmensstrategie. Alle Marken, heißt es im jüngsten Quartalsbericht, könnten elektrifiziert werden, also mit einem vollelektrischen oder Plug-in-Hybrid-Antrieb angeboten werden. Der bayerische Autobauer setzt dabei neben dem Batterieantrieb auch auf die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie. Diese, heißt es auf der Website des Unternehmens, biete langfristig die Chance auf lokal emissionsfreies Fahren über große Reichweiten bei kurzen Betankungszeiten. Sie eigne sich daher für größere Fahrzeuge auf der Langstrecke.
Auch bei Daimler gibt man sich ehrgeizig. Eigentlich wollte der Konzern erst bis 2025 zehn reine Elektromodelle im Angebot haben. Auf der letzten Hauptversammlung teilte Vorstandschef Dieter Zetsche aber mit, dieses Ziel schon bis 2022 erreichen zu wollen. Zehn Milliarden Euro will Daimler dafür in die Hand nehmen.
Volkswagen als treibende Kraft
Besonders hohe Ziele hat sich Volkswagen gesteckt. Wie aus dem Strategiepapier „Die Zukunft der Volkswagen Gruppe“ hervorgeht, möchte sich der Konzern als treibende Kraft beim Ausbau der Elektromobilität positionieren. E-Autos sollen zu einem neuen Markenzeichen werden. Geplant ist, bis 2025 mehr als 30 neue reine E-Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Dann sollen jährlich zwei bis drei Millionen Elektroautos verkauft werden, was einem Anteil von 20 bis 25 Prozent am gesamten Konzernabsatz entsprechen würde.
Der Zukunft entgegen
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erachtet die Branche als gut gerüstet für das Elektroauto. Im Positionspapier „Mobilität und Wachstum“ wird darauf verwiesen, dass die Hersteller und Zulieferer allein in den kommenden vier Jahren rund 40 Milliarden Euro in die Weiterentwicklung der Elektromobilität investieren würden. Und auch beim zweiten großen Thema, dem vernetzten und automatisierten Fahren, sieht der VDA die hiesigen Unternehmen auf der Überholspur. Seit 2010 seien die meisten Patente in diesem Bereich deutschen Autoherstellern und Zulieferern erteilt worden, so der Branchenverband.
Wann schaltet die Börsenampel wieder auf Grün?
Mittel- bis langfristig sollten die Aktien von VW & Co. wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Davon geht zumindest die Mehrheit der Analysten aus, wie die überwiegend positiven Konsenseinstufungen der Nachrichtenagentur Reuters zeigen. Gleichwohl gibt es noch eine Reihe offener Fragen. Etwa über die Kosten für die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen. Außerdem drohen möglicherweise hohe Kartellstrafen. All das könnte die Kurse noch eine Weile ausbremsen.
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