09.02.2017 10:04
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Deutsche Konjunktur: Weiter im Aufwärtstrend - allerdings mit steigender Unsicherheit

Die deutsche Volkswirtschaft dürfte im vergangenen Jahr mit einer Rate von 1,8 % gewachsen sein, in diesem Jahr rechnen wir weiterhin mit einer Rate von 1,4 % (arbeitstagebereinigt: 1,6 %). Das größte Risiko für die deutsche Wirtschaft sind politische Einschnitte, die die derzeitige Ordnung im Welthandel in Frage stellen.

Starker Jahresabschluss und starker Jahresauftakt

Es verdichten sich die Anzeichen, dass die deutsche Konjunktur im abgelaufenen vierten Quartal des letzten Jahres ein ordentliches Wachstum hingelegt hat. Der Zuwachs dürfte etwas mehr als 0,4 % (QoQ) betragen haben und im Wesentlichen von wieder stärkeren Investitionen getrieben worden sein. Auch die Außenhandelskomponente, die im dritten Quartal stark belastend wirkte, dürfte im vierten Quartal wieder einen leicht positiven Beitrag leisten. Wir gehen davon aus, dass sich der Aufwärtstrend im laufenden Quartal fortsetzt. Die Investitionen dürften wieder eine prominente Rolle spielen: Die Auftragsbücher in der Bauwirtschaft (siehe Grafik rechts auf der nächsten Seite) waren zum Jahresende 2016 prall gefüllt und auch die Einschätzung der aktuellen Situation (ifo) ist weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Konsumklimaindex (GfK) legte zuletzt erneut zu, was für ein Andauern des stabilen Aufwärtstrends bei den Konsumausgaben spricht. Gestützt von einer weiterhin expansiven Geldpolitik und einem günstigen Wechselkurs dürften daher in diesem Jahr die Investitionen und die Exporte wieder etwas mehr zum Wachstum beitragen. Wir gehen davon aus, dass gerade bei den Ausrüstungsinvestitionen das zweite Quartal allerdings etwas komplizierter werden könnte: Die Unsicherheit, die der neue US-Präsident Donald Trump seit seinem Amtsantritt geschürt hat, dürfte vor allem im exportorientierten Bereich zu einer abwartenden Haltung führen. Wenn etwa Zölle gegenüber der Eurozone eingeführt werden, dürfte in Zukunft weniger exportiert werden, was einen stärkeren Kapazitätsaufbau heute unsinnig macht. Wir gehen davon aus, dass das erste Halbjahr von hoher Unsicherheit geprägt sein wird, was dann vor allem im zweiten Quartal einen leichten Dämpfer hinterlässt. Zum Jahresende dürfte sich aber die Unsicherheit wieder legen und wieder etwas dynamischer zugehen. Insgesamt rechnen wir mit einem Wachstum von 1,4 % (arbeitstagebereinigt: 1,6 %). Die größte Stütze sollte auch in diesem Jahr der private und auch der öffentliche Konsum bleiben.

Kehrt jetzt die Inflation zurück?

Die Inflationsrate im Januar betrug 1,9 % YoY in Deutschland. Diese spiegelt aber vor allem einen Basiseffekt bei den Öl- und Energiepreisen wider: Gegenwärtig liegt der Ölpreis (Brent) bei 56,5 US-Dollar vor einem Jahr lag er bei 28,8 US-Dollar. Diese Steigerung von beinahe 100% in einer der großen Kategorien des Konsumwarenkorbs ist gegenwärtig der einzige Faktor, der den Anstieg der Inflationsrate von 0,8% im November auf 1,9% im Januar erklärt. Verändert sich der Ölpreis in nächster Zeit etwas weniger erratisch, dürfte es mit der Inflation bald wieder vorbei sein. Die Kernrate, also das Maß, das die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise aus der Berechnung der Inflationsrate ausschließt, liegt gegenwärtig bei 1,4 % - also kein Grund zur Panik. Wirklicher Inflationsdruck entsteht erst dann, wenn das Lohnwachstum deutlich anzieht. Die Wachstumsraten waren in diesem Bereich in letzter Zeit nicht außergewöhnlich hoch. Derweil geht auch die Arbeitslosenquote weiter zurück. Mit 5,9 % erreicht sie im Januar das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung. Aber ein Ende ist noch nicht in Sicht: Die Erfahrung aus den USA zeigt, dass die Arbeitslosenquote gegenwärtig durchaus auch unter langfristige Normalwerte sinken kann, ohne größeren Lohn- und Preisdruck auszulösen.

Neben den ökonomischen Risiken, die sich aus der Neuentdeckung des Protektionismus auf der anderen Seite des Atlantik ergeben, lauern auch in Europa weiterhin einige politische Risiken, die durchaus das Potential haben, eine Phase deutlich größerer Unsicherheit einzuläuten. Die Brexit-Verhandlungen könnten noch schwerer werden als derzeit erwartet und die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und gegebenenfalls Italien können jeweils für sich politische Krisen in der EU auslösen. Die negativen Risiken überwiegen gegenwärtig eindeutig ein mögliches Positivszenario.


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