12.06.2016 13:04
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Devisen monthly: EUR/GBP: Brexit-Umfragen setzen Pfund unter Druck

Notenbanker und Politiker warnen vor gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen infolge eines britischen EU-Austritts. Euro würde vermutlich noch stärker leiden.

Mit dem Näherrücken des Referendums über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU am 23. Juni ist die Nervosität gestiegen. Nachdem zuletzt einige Umfragen ein Erstarken der Brexit-Unterstützer andeuteten, verlor das Pfund an Boden. Zudem stieg die in Optionen implizite Volatilität des EUR/GBP-Wechselkurses auf das höchste Niveau seit 2009. Die von der Tageszeitung Financial Times zusammengefassten Umfragen ergeben für die Befürworter eines Verbleibs in der EU einen knappen Vorsprung von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Brexit-Lager. Vor diesem Hintergrund dürfte der EUR/GBP-Wechselkurs in den nächsten Wochen noch stark schwanken. Wir gehen weiterhin davon aus, dass Großbritannien Mitglied der EU bleibt. Ein anderes Ergebnis sollte angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens beider Lager nicht vollkommen überraschen.

Sollten die Briten entgegen unserer Erwartung am 23. Juni für den Brexit stimmen, ist unmittelbar nach dem Referendum mit Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu rechnen. Das GBP dürfte gegenüber dem Euro stark unter Druck geraten. Vermutlich wird sich die Lage dann wieder relativ bald vordergründig beruhigen in der Hoffnung, dass Großbritannien und die EU-Partner konstruktiv miteinander verhandeln, wofür zwei Jahre zur Verfügung stehen. Im Laufe des Jahres 2017 könnte sich diese Hoffnung als Illusion erweisen, da die EU-Kommission kein Interesse daran hat, den Briten eine Lösung anzubieten, die nur geringfügige Nachteile für das Vereinigte Königreich hätte. Denn in diesem Fall liefe man Gefahr, dass das Vorgehen Großbritanniens Nachahmer findet. Wir rechnen insbesondere in 2017 mit größeren Turbulenzen und Investitionszurückhaltung, wenngleich man am Ende des Verhandlungsprozesses eine Einigung finden sollte.

In jedem Fall ist Großbritannien gegenüber den Stimmungsschwankungen an den Kapitalmärkten exponiert, da das Land seit mehreren Jahren sehr hohe Leistungsbilanzdefizite hat. Dieses hat sich von 4,5 % des BIP im Jahr 2013 auf 5,1 % des BIP im Jahr 2014 vergrößert, d.h. die ohnehin hohe Auslandsverschuldung stieg rapide an. Großbritannien ist daher besonders stark auf das Vertrauen ausländischer Kreditgeber angewiesen.  Im Fall eines EU-Austritts droht dieses Vertrauensverhältnis abrupt zum Erliegen zu kommen.

Allerdings würde das GBP gegenüber dem Euro in 2017 eher gewinnen. Denn auch die Eurozone dürfte leiden und die Wirtschaftsleistung im Jahr 2017 kaum noch steigen. Dies ist weniger auf die unmittelbaren Wirtschaftsbeziehungen zurückzuführen, sondern hat vielmehr mit der in 2017 steigenden Befürchtung zu tun, die Europäische Union, folglich auch die Eurozone, könne auseinanderfallen. Mit Abstand am kritischsten ist dabei Frankreich zu sehen, da dort in 2017 Präsidentschaftswahlen stattfinden und die rechtspopulistische und eurokritische Marine le Pen keineswegs chancenlos ist, die Wahl zu gewinnen. Bei einer Abspaltung weiterer EU-Länder würde automatisch auch die Währungsunion in Frage gestellt und die Eurokrise der Jahre 2010 bis 2012 würde sich in verschärfter Form wiederholen. Letztlich würde - so unsere Erwartung im Fall eines Brexit – ein Bruch der Eurozone abgewendet. Aber die Furcht davor würde den Euro in 2017 auch gegenüber dem Pfund schwächen.


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