23.12.2016 06:00
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EUR/USD: Starker Dollar in erster Hälfte 2017

Im ersten Halbjahr dürfte der Euro weiter abwerten und die Parität erreichen. Für das zweite Halbjahr erwarten wir eine Erholung der Gemeinschaftswährung. Die ersten Monate des Jahres werden durch politische Unsicherheit in der Eurozone aufgrund zahlreicher Wahlen geprägt sein. Trumps Amtsantritt könnte bald eine gewisse Ernüchterung folgen, was zu Stärkung des Euros im zweiten Halbjahr beitragen sollte.

Der Euro hat im Laufe des Jahres gegenüber dem Dollar um 3,8 % abgewertet und steht nun bei 1,04. Nach der US-Präsidentschaftswahl beschleunigte sich der Aufstieg des Dollars, was sowohl von der EZB-Entscheidung, das Anleiheankaufprogramm auszuweiten, als auch von der Leitzinsanhebung der Fed verstärkt wurde. Hinzu kamen kontinuierlich positive Arbeitsmarkt-, Inflations- und Immobilienmarktdaten aus den USA. Insgesamt hat sich die Erwartung steigender Zinsen durchgesetzt, nicht unerheblich getrieben von erhofften Fiskal- und Wachstumsimpulsen der künftigen US-Regierung. Die Geschäftserwartungen seitens des Euroraums waren durchaus positiv, konnten jedoch an ihren jeweiligen Veröffentlichungstagen den Kurs nicht sonderlich bewegen.

Wir erwarten einen Fortlauf des Aufwärtstrends des Dollar Richtung Parität per Mitte des nächsten Jahres. Dafür sprechen mehrere Aspekte der geplanten Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump sowie eine wahlbedingte Unsicherheit in der Eurozone.

Trump plant, Steuern zu senken und die Infrastrukturausgaben zu erhöhen. Falls er diese offenbar nicht gegenfinanzierten Fiskalpläne nach seiner Amtsübernahme in die Realität umsetzen kann, wird die Fed jedoch, um ihr Inflationsziel nicht zu gefährden, durch häufigere Zinsanhebungen reagieren, was den Dollar weiter aufwerten würde. Da Ausgabenprogramme in Trumps eigener Partei viele Gegner haben, ist ein eher abgeschwächter Fiskalimpuls zu erwarten. Seine Pläne, Steuern zu senken und Regulierungen abzuschaffen, ließen sich dagegen leichter durch den Kongress bringen. Die damit verbundenen Investitionen würden allerdings Kapital aus dem Ausland anziehen, was den Dollar weiter stärken würde. Weitere Vorschläge Trumps deuten auf eine merkantilistische Handelspolitik hin. Unfaire Währungsmanipulationen anderer Länder soll mit „defensiven“ Zöllen begegnet werden. Jegliche Maßnahmen, Importe zu verteuern oder Exporte zu unterstützen, würden den Dollar jedoch voraussichtlich weiter aufwerten lassen. Ein möglicher Handelskrieg machen eine solche Drohung jedoch unglaubwürdig.

In der Eurozone wird die Inflation zwar weiter langsam anziehen, jedoch hat die EZB sich darauf festgelegt, bis mindestens Dezember mit ihrem Anleiheankaufprogramm fortzufahren und die Nullzinspolitik unverändert zu lassen. Zum anderen ist in der Eurozone insgesamt kein nachhaltiges Wachstum, beispielsweise durch Strukturreformen in Sicht. Die anstehenden politischen Entscheidungen dürften dagegen insbesondere im ersten Halbjahr 2017 für Turbulenzen sorgen. Bei den kommenden Wahlen in den Niederlanden (März), Frankreich (Mai) sowie in den Bundesländern (Saarland im März, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai) werden wahrscheinlich EU- und eurokritische Politiker an Einfluss gewinnen; im März könnten die Verhandlungen über den Brexit beginnen. Dazu käme ein mögliches Wiederaufflammen der Eurokrise, welches die Währungsgemeinschaft abermals auf die Probe stellen wird. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die politische Unsicherheit wieder legen und zu Aufwertung des Euros beitragen.


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