Fed hält Zinsen stabil

Kevin Warsh hält die Zügel straff


Die Friedenssignale aus dem Nahen Osten schlagen sich inzwischen auch in den Konjunkturerwartungen nieder. Laut der aktuellen ZEW-Umfrage unter 190 Investoren und Analysten blicken Finanzexperten im Juni deutlich zuversichtlicher auf die deutsche Wirtschaft als erwartet. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen der kommenden sechs Monate stieg kräftig um 20,7 Punkte auf +10,5 Zähler und kehrte damit in den positiven Bereich zurück. Trotz dieser Aufhellung bleibt das wirtschaftliche Gesamtbild jedoch angespannt. Zwar verbessert die Aussicht auf ein Abkommen den Ausblick, doch liegt das Konjunkturbarometer weiterhin deutlich unter den Niveaus vom Jahresbeginn. Besonders deutlich zeigt sich die Skepsis bei der Einschätzung der aktuellen Lage: Dieses Barometer fiel um 3,2 Punkte auf -81 Zähler und verharrt damit tief im negativen Bereich

Niedrige Reserven erhöhen Druck auf den Erdgasmarkt


Die europäische Erdgasversorgung geht mit einer ver-gleichsweise schwachen Ausgangslage in die Sommer-monate. In Deutschland waren die Gasspeicher Mitte Juni lediglich zu 37 % gefüllt und lagen damit rund 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Ursächlich hierfür ist vor allem die im vergan-genen Jahr deutlich geringere Einspeicherung von Erdgas infolge geänderter regulatorischer Vorgaben. Zwar steigen die Speicherfüllstände seit dem Ende der Heizperiode wieder an, der Wiederaufbau der Reserven verläuft bislang jedoch nur schleppend. Auch auf europäischer Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach Angaben von EnergyRiskIQ auf Basis der AGSI+/GIE-Daten lag der Füllstand der EU-Gasspeicher am 15. Juni bei 44,3 % und damit deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt von 65,0 %. Um das von der Europäischen Union ange-strebte Speicherziel von 90 % bis Anfang November zu erreichen, wären tägliche Einspeicherungen von durchschnittlich rund 3.617 GWh erforderlich. Die jüngste Entspannung im Nahen Osten sorgte zwar kurzfristig für nachgebende Gaspreise an den europäischen Handelsplätzen. An der grundlegenden Herausforderung einer raschen Wiederbefüllung der Speicher ändert dies jedoch wenig. Zudem deuten markttechnische Faktoren darauf hin, dass bei Erdgas in den kommenden Monaten weiter-hin ein Aufwärtstrend bei den Preisen wahrscheinlich bleibt.

Notenbanken im Härtetest

Der Blick der Finanzmärkte richtet sich heute zunächst nach London. Die Bank of England dürfte ihren Leitzins im Juni unverändert bei 3,75 % belassen. Im Mittelpunkt stehen das Abstimmungsverhalten der Mitglieder des Monetary Policy Committee sowie mögliche Hinweise auf den weiteren Zinskurs. Die Notenbank steht dabei vor einem schwierigen Umfeld: Während die Inflation zuletzt wieder angezogen hat, deuten ein schwächerer Arbeitsmarkt und verhaltene Konjunkturdaten auf nachlassende wirtschaftliche Dynamik hin. Auch andere Zentralbanken stehen in dieser Woche im Fokus der Investoren. Für die Notenbanken der Schweiz, Schweden und Norwegen werden unveränderte Leitzinsen erwartet.


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