MÄRKTE AM MORGEN | Anleger brauchen einen kühlen Kopf
Anleger können aufatmen: Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU sind die von Trump angedrohten Zölle, unter anderem auf Importautos, nach Gesprächen mit EU-Kommissionspräsident Juncker vorerst vom Tisch. Beide Politiker einigten sich darauf, konkrete Gespräche über einen Abbau von Handelsbarrieren aufzunehmen. Solange die Verhandlungen laufen, werden keine neuen Zölle erhoben. An der Wall Street wurde die Meldung positiv aufgenommen: Nasdaq 100 und Nasdaq Composite kletterten in neue Kursregionen, der Dow Jones legte trotz durchwachsener Unternehmenszahlen um 0,7 Prozent zu. Neben Microsoft zählte auch Coca-Cola zu den besten Werten im Dow: Der Getränkeriese profitierte von Kosteneinsparungen und übertraf die Erwartungen. Der Kurs von General Motors sackte hingegen um gut vier Prozent ab. Wegen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits veröffentlichte der Autobauer eine Gewinnwarnung. Ähnlich schlechte Nachrichten gab es auch von Ford.
150 Mrd. Dollar vernichtet
Wesentlich dramatischer fielen die Kursreaktionen auf die nachbörslich gemeldeten Zahlen bei Facebook aus. Zeitweise sackte die Aktie um mehr als 20 Prozent ab, der Börsenwert fiel um fast 150 Mrd. Dollar. In Europa sank nach der Einführung der neuen EU-Datenschutzverordnung die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer. Zugleich warnte Konzern-Chef Mark Zuckerberg vor steigenden Kosten. Dennoch bleibt Facebook eine Geldmaschine: Der Quartalsumsatz legte um gut 40 Prozent zu, der Gewinn um 31 Prozent. Vor Veröffentlichung der Bilanz war die Aktie auf Rekord gestiegen.
Auch in Deutschland hält die Berichtssaison Anleger auf Trab. Unter den DAX-Werten steht vor allem Daimler im Blick: Wegen hoher Sonderbelastungen verzeichnete der Konzern einen überraschend starken Gewinnrückgang. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde dennoch bestätigt. Daimler hatte die Prognose im Juni bereits nach unten genommen. Besser liefen die Geschäfte bei Covestro. Nach einem kräftigen Ergebnisanstieg blickt der Kunststoffhersteller zuversichtlicher in die Zukunft und erhöhte die Jahresziele. Im Tagesverlauf sowie nach US-Börsenschluss berichten unter anderem noch Amazon, Starbucks, McDonald`s und Intel. Der DAX steht vorbörslich rund ein Prozent höher bei 12.700 Zählern.
EZB-Sitzung: Ein Non-Event?
Von der EZB (Zinsentscheidung um 13.45 Uhr) werden hingegen kaum größere Impulse erwartet. Mit Blick auf die jüngsten Wirtschaftsdaten dürften die Währungshüter weiterhin davon ausgehen, dass sich der konjunkturelle Aufschwung im Euroraum fortsetzen wird und zu mehr Inflation führen sollte. Wegen des Handelskonflikts bleibt der Ausblick aber mit viel Unsicherheit behaftet, die EZB wird sich daher nicht mit neuen Aussagen aus dem Fenster lehnen. Vielmehr dürften die Notenbanker ihre Ankündigungen vom Juni wiederholen: Zum Jahresende werden die Wertpapierkäufe wahrscheinlich eingestellt und die Leitzinsen bleiben über den Sommer 2019 hinweg auf dem derzeitigen Niveau.
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