MÄRKTE AM MORGEN | Der Brexit-Countdown läuft
Endlich hat das Warten ein Ende. Frühestens gegen 22 Uhr dürfte klar sein, ob der Brexit-Plan von Premierministerin Theresa May angenommen wird oder nicht. Die Unsicherheit könnte kaum größer sein: Ein „Exit vom Brexit“ und somit ein zweites Referendum scheint im negativen Fall ebenso möglich wie eine Verschiebung des Austrittsdatums. Aber auch ein Austritt aus der Europäischen Union ohne Vertrag bleibt als Risikofaktor im Spiel. Kurz gesagt: Bei einem „Nein“ ist vollkommen offen, wie es weiter geht.
Nüchtern betrachtet haben sich weder die Stimmung noch der Inhalt seit der im Dezember abgesagten Abstimmung verändert. Alles andere als eine klare Ablehnung des ausgehandelten Deals dürfte die Märkte überraschen, ein harter Brexit wird aber nicht erwartet. Es könnte daher sein, dass die Reaktionen beim britischen Pfund vergleichsweise gering ausfallen. Mit Kursen um 0,90 GBP steht der Kurs gegen den Euro aktuell auf einem ähnlichen Niveau wie einige Monate nach dem Referendum im Juni 2016.
Vorsicht in den USA und Kauflaune in China
Zunächst aber bekommen die europäischen Börsen Rückenwind aus Fernost. In Japan legte der Nikkei um 0,9 Prozent zu und erreichte den höchsten Stand seit dreieinhalb Wochen. Die Börse in Hongkong kletterte um knapp zwei Prozent, am chinesischen Aktienmarkt ging es um rund 1,4 Prozent aufwärts. In China stellte die Regierung weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur wie Steuersenkungen in Aussicht. Der DAX steht im vorbörslichen Handel rund 0,8 Prozent höher bei 10.950 Zählern.
Rote Vorzeichen dominierten hingegen in den USA. Schwache Handelsdaten aus China, neue Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump und der anhaltende Regierungsstillstand drückten auf die Laune. Der Dow Jones büßte um 0,4 Prozent ein, knapp ein Prozent verlor der Nasdaq Composite. Im Fokus stand das Zahlenwerk der Citigroup: Beim bereinigten Ergebnis je Aktie übertraf die Bank die Prognosen, der Kurs kletterte um rund vier Prozent. Gegen Mittag werden heute die Bilanzen von JP Morgan Chase und Wells Fargo erwartet.
Gold dreht vor der Hürde
Vorerst bleibt somit das Umfeld für riskante Anlagen wie Aktien schwierig, „sichere Häfen“ wie Gold bleiben gesucht. Zwar scheiterte die Feinunze nach einer Rally von rund acht Prozent seit Mitte November zuletzt wiederholt an der runden Marke um 1300 Dollar. Mittelfristig haben sich Investoren aber bereits positioniert: Seit Jahresbeginn verzeichneten die Gold-ETFs Zuflüsse von rund 24 Tonnen. Auch Silber ist gefragt und eroberte nach einer Rally von rund zwölf Prozent die 200-Tage-Linie zurück. Hingegen stand der Ölpreis nach einer zweiwöchigen Erholung zuletzt wieder unter Druck.
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