MÄRKTE AM MORGEN | Schwacher Euro und steigende Zinsen

Die relative Stärke des DAX gegenüber den amerikanischen Indizes scheint bereits wieder beendet. Während Investoren an der Wall Street wegen der anziehenden Zinsen und der Dollar-Aufwertung nur noch zurückhaltend agieren, sorgen sich Anleger in Europa um Italien. Dort wollen die populistischen Parteien Lega und 5 Sterne eine Regierung bilden, die sich schon jetzt als Belastung für den Euro erweist. Mit Kursen von 1,18 Dollar startet die Gemeinschaftswährung nur knapp über dem gestern markierten Jahrestief in den Handel. Italien hat nach Griechenland mit 132 Prozent die höchste Verschuldungsquote in der Euro-Zone. Ersten Plänen zufolge plant die sich abzeichnende neue Regierung enorme Ausgabensteigerungen und Steuerkürzungen.
Skeptische Profis
Eine Normalisierung der EZB-Geldpolitik rückt so in weite Ferne. In den USA steigen hingegen die Wetten für eine vierte Zinserhöhung im Dezember und liegen aktuell bei 45 Prozent. Die spannende Frage lautet, ab wann sich die Zinsen negativ auf die Konjunktur auswirken. Zur Wochenmitte kletterte die Verzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihen mit 3,11 Prozent auf den höchsten Stand seit Sommer 2011. In der jüngsten Fondsmanagerumfrage wurde eine zu starke Straffung der Geldpolitik von den Profis als das aktuell größte Risiko für die Finanzmärkte eingestuft. Schon jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass die Weltwirtschaft an Schwung verliert. Nur noch zehn Prozent der Fondsmanager rechnen mit besseren Unternehmensergebnissen. Anfang 2017 lag die Quote noch bei 50 Prozent.
Aktienmärkte in Lauerstellung
Die Vorgaben für den DAX fallen zunächst freundlich aus: Der Nikkei legte um rund 0,7 Prozent zu, für den Dow Jones ging es um 0,3 Prozent aufwärts. Am breiten Markt fielen die Aufschläge sogar noch etwas kräftiger aus: Der spekulativere Nebenwerte-Index Russell 2000 stieg sogar auf Rekordhoch. Nicht zufrieden waren Anleger hingegen mit dem Zahlenwerk von Cisco, im nachbörslichen Handel fielen die Papiere um mehr als drei Prozent.
Unter den DAX-Werten stehen Daimler und Deutsche Telekom im Blickpunkt. Im Streit um das Mautsystem Toll Collect einigte sich die Bundesregierung mit den Toll-Collect-Hauptgesellschaftern Daimler Financial Services und Deutsche Telekom auf einen Vergleich über insgesamt 3,2 Mrd. Euro. Auf Interesse werden zudem die Hauptversammlungen von SAP, Telekom und BMW stoßen. Der DAX wird wie bereits in den vergangenen Tagen nahezu unverändert bei knapp 13.000 Punkten erwartet.
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