MÄRKTE AM MORGEN | Wirecard, Lufthansa und VW rücken in den Fokus
Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Die kräftige Erholung am Montag dürfte daher von den meisten Anlegern noch nicht als Signal für den Beginn einer möglichen Jahresendrally gesehen werden, Skepsis dominiert vorerst den Handel. Angesichts des Haushaltsstreits zwischen Brüssel und Rom, den laufenden Brexit-Verhandlungen und den unabsehbaren Folgen im schwelenden Handelsstreit mit den USA ist es für Entwarnung viel zu früh. Nach der kräftigen Verlustserie war der Markt reif für eine technische Gegenbewegung. Nur wenn jetzt weitere Anschlusskäufe folgen, könnte das sonst meist gute vierte Quartal auch in diesem Jahr noch erfreulich ausfallen. Notwendig dafür sind vor allem gute Nachrichten von den Unternehmen.
Berichtssaison erreicht ersten Höhepunkt
Gute Geschäfte verzeichnete die Deutsche Börse. Dank der starken Schwankungen an den Märkten legten die Nettoeinnahmen und das operative Ergebnis deutlich zu. Erfreuliche Nachrichten kamen vor Handelsbeginn auch von Wirecard: Die vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal lagen über den Erwartungen, für das Schlussquartal rechnet der DAX-Neuling mit einer „starken Geschäftsentwicklung“.
Mit Enttäuschung wurde hingegen die Bilanz der Lufthansa aufgenommen. Sonderkosten für die Integration großer Teile der insolventen Air Berlin und zahlreiche Verspätungen sowie Flugausfälle belasteten das operative Ergebnis. Auch der hohe Ölpreis und die harte Konkurrenz setzten der Kranich-Linie zu. Besser lief es bei Volkswagen, nach neun Monaten blieb unter dem Strich ein kräftiger Gewinnanstieg. Ein wesentlicher Belastungsfaktor war wie erwartet die Umstellung auf das neue Abgasmessverfahren WLTP. Analysten hatten insgesamt aber mit noch schlechteren Zahlen gerechnet.
Fresenius sieht sich trotz der zuletzt gesenkten Umsatz- und Ergebnisziele bei der erfolgsverwöhnten Dialysetochter Fresenius Medical Care weiterhin auf Kurs für das 15. Rekordjahr in Folge. Mit Blick auf das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum am unteren Ende einer Spanne von fünf bis acht Prozent.
G-20-Treffen gewinnt an Brisanz
Neben der Berichtssaison bleibt der Handelsstreit ein festes Gesprächsthema auf dem Parkett. Die US-Börsen verschärften in der zweiten Hälfte ihre Talfahrt, erst kurz vor Schluss setzte eine scharfe Gegenbewegung ein. Für Unruhe sorgten Berichte, nach denen die USA eine Belegung sämtlicher Importe aus China mit Zöllen vorbereiten. Dieser Prozess würde starten, sofern bei den Gesprächen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping anlässlich des G-20-Treffens im November kein Durchbruch erzielt wird. Der Dow Jones schloss rund ein Prozent tiefer, für den Composite-Index der Technologie-Börse Nasdaq ging es um 1,6 Prozent abwärts. Verkauft wurden somit erneut die stark konjunkturabhängigen Technologiewerte: Nvidia sackten um mehr als sechs Prozent ab, die Papiere von Netflix und der Google-Mutter Alphabet um rund fünf Prozent.
Gute Vorgaben für die europäischen Börsen kommen hingegen aus Asien. Der Nikkei legt um gut 1,5 Prozent zu. Auch an den US-Börsen zeichnet sich eine Gegenbewegung ab, der Future auf den S&P 500 zieht um 0,6 Prozent an. Davon profitiert der DAX, vorbörslich steht der Index rund 0,7 Prozent höher bei 11.415 Punkten.
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