10.06.2016 20:00
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Meinung weekly: Fed-Rückzieher: Fatales Signal an die Märkte

Man könnte meinen, die Fed-Präsidentin Janet Yellen habe mal wieder Pech gehabt. Gerade erst hatte sie ihre Truppen auf Linie gebracht, so dass sogar die „Taube“ par excellence, William Dudley von der Fed New York, einen Juni-Termin für die Zinserhöhung ins Spiel brachte, und der Markt gut vorbereitet war. Da macht der Arbeitsmarktbericht vom Mai bzw. der enttäuschende Beschäftigungszuwachs das gesamte Erwartungsmanagement zunichte. Pech? Oder ist es vielmehr Angst?

Yellen hat in jedem Fall sofort einen Rückzieher gemacht und die frühere Textpassage „Zinserhöhung in den nächsten Monaten angemessen“ aus ihrem Redemanuskript vom vergangenen Montag gestrichen. Damit ist die aus den Fed Funds Futures abgeleitete Zinserwartung für eine Leitzinsanhebung am 15. Juni auf Null gefallen. Vor dem Arbeitsmarktbericht lag sie noch bei 22%.

War diese Reaktion zwingend? Nein. So wird der Zustand des Arbeitsmarktes nicht ausschließlich durch den Beschäftigungszuwachs beschrieben. Abgesehen davon, dass eine Monatszahl nicht überzubewerten ist, muss auf eine ganze Palette von Indikatoren und Statistiken sowie auf Sondereffekte geschaut werden. Beispielsweise hat ein Streik bei einem großen Telekommunikationskonzern wesentlich zu dem niedrigen Beschäftigungszuwachs beigetragen. Gleichzeitig zeichnet der ADP-Beschäftigungsreport (eine parallel veröffentlichte Statistik) ein wesentlich freundlicheres Bild. Außerdem ist die Arbeitslosenrate auf das tiefste Niveau seit November 2007 gesunken. Sieht so ein Arbeitsmarkt aus, der einer ultralockeren Geldpolitik bedarf?

Auch der Blick auf andere Konjunkturdaten sollte Frau Yellen eigentlich keine schlaflosen Nächte bereiten. Die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor sind weiterhin im expansiven Bereich, das Konsumentenvertrauen ist gestiegen, die Inflation liegt in der Nähe von 2% und damit auf dem Niveau, das sich die Fed wünscht.

Die Reaktion der US-Notenbank – wir gehen fest davon aus, dass im Juni kein Zinsschritt umgesetzt wird – zeigt vor allem eines: Yellen glaubt nicht an die natürlichen Gesundungskräfte der US-Wirtschaft. Sie ist offensichtlich der Meinung, dass der Aufschwung derart fragil ist und daher sogar durch eine Zinserhöhung um nur 25 bp aus der Bahn geworfen werden kann. Dabei dürften vermutlich weder ein Brexit noch ein Präsident Trump für die US-Wirtschaft ein nachhaltiges Problem darstellen. Mit der Entscheidung, erneut abzuwarten, sendet die Fed ein fatales Signal an die Märkte: Traut dem Aufschwung nicht.

Frau Yellen hat nicht Pech gehabt. An den Finanzmärkten läuft selten etwas nach Plan. Wenn die Voraussetzung für eine Zinserhöhung ist, dass „alles stimmt“, dann kann man noch einige Jahrzehnte auf eine Straffung der Geldpolitik warten. So lange wird man sich vermutlich nicht gedulden müssen. Aber je häufiger Frau Yellen die Courage verlässt, desto wahrscheinlicher wird dieses Szenario.


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