Neue Feuerpause im Iran-Konflikt

Märkte atmen auf


Die USA setzten ihre fast zwei Wochen andauernden Angriffe auf iranische Ziele offenbar aus, während Teheran ebenfalls signalisierte, vorerst auf Vergeltungsschläge zu verzichten. Der Ölpreis gab deutlich nach, während Staatsanleihen zulegten und Aktienfutures auf eine Erholung hindeuten. Der Preis für Brent-Rohöl fiel zeitweise auf unter 90 USD je Barrel, machte später aber etwa die Hälfte der Verluste wieder wett. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel um fünf Basispunkte auf 4,63 %. Der Dollar, der während der jüngsten Eskalation als sicherer Hafen gesucht war, verlor gegenüber allen wichtigen Währungen der G10-Staaten. An den Aktienmärkten überwiegt zu Wochenbeginn vorsichtiger Optimismus. Aktienfutures auf beiden Seiten des Atlantiks deuten auf festere Kurse hin. Entscheidend wird u.E. nun sein ob der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder verlässlich aufgenommen wird.

Einkaufsmanagerindizes zeigen Belebung für den Euro-Raum


Die Wirtschaft im Euroraum hat sich im Juli überraschend belebt. Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex stieg auf 51,9 Punkte und lag damit erstmals seit März wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Anstieg auf 50,2 Punkte gerechnet. Besonders Deutschland überraschte positiv: Der Index kletterte auf 51,2 Punkte, getragen vor allem von einer spürbaren Erholung der Industrie. Auch in Frankreich fiel der Abschwung schwächer aus als zuletzt. Damit zeigt sich die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger als es die Belastungen durch den Nahost-Konflikt, höhere Energiepreise und gedämpfte Stimmung erwarten ließen. Doch die Erholung steht auf unsicherem Grund. Die jüngste Eskalation des Konflikts mit Iran hatte Öl- und Gaspreise erneut steigen lassen. Damit wachsen die Risiken für Inflation, Lieferketten und Unternehmensvertrauen. Deutschland bleibt trotz der besseren Daten anfällig. Wir rechnen für das laufende Jahr nur mit einem Wachstum von 0,5 %. Höhere Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stützen zwar die Konjunktur, doch teurere Kredite und geopolitische Unsicherheit bremsen weiterhin.

Ausblick: Märkte zwischen Ölpreis, Notenbanken und Konjunkturdaten

Die Finanzmärkte bleiben im Bann der Nahost-Nachrichtenlage und der Rohstoffpreisentwicklung. Geldpolitisch dürfte die amerikanische Notenbank auch auf ihrer zweiten Sitzung unter Kevin Warsh am Mittwoch zunächst Zurückhaltung üben. Eine Änderung des Leitzinses ist nicht zu erwarten. Von größerem Interesse wird daher sein, ob sich im Offenmarktausschuss abweichende Stimmen zugunsten einer Zinserhöhung finden. Sie könnten Hinweise darauf geben, wie stark die Sorge vor Zweitrundeneffekten der höheren Energiepreise bereits in die geldpolitische Debatte hineinwirkt. Der Konjunkturkalender ist in dieser Woche ungewöhnlich dicht gefüllt. Sowohl in den USA als auch im Euroraum werden die Daten zum BIP für das zweite Quartal veröffentlicht. In beiden Wirtschaftsräumen ist mit einem moderaten Wachstum zu rechnen. In Deutschland dürfte zudem das ifo-Geschäftsklima (wird heute veröffentlicht) zum dritten Mal in Folge zulegen. Ausschlaggebend dafür könnte nicht zuletzt die wohlwollende Aufnahme der Reformpläne der Bundesregierung in Teilen der Wirtschaft sein. Ein weiteres Augenmerk gilt den Inflationszahlen aus dem Euroraum für Juli. Entscheidend wird sein, in welchem Umfang die jüngsten Preissprünge bei Energie bereits auf das Preisniveau durchschlagen. Für die EZB könnten diese Daten wichtige Hinweise liefern, ob der disinflationäre Trend intakt bleibt oder ob sich neue Risiken für die Preisstabilität abzeichnen.


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