28.07.2016 18:30
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Öl monthly: Warum der Ölpreis weiter sinkt

Nachdem die Ölpreise im Juni zeitweise bei mehr als 52 Dollar je Barrel notierten  und damit um 85% gegenüber Jahresbeginn zugelegt hatten, haben die Preise für den wichtigen Rohstoff in den letzten Wochen um mehr als 15% nachgegeben. Derzeit wird die Nordseesorte Brent bei 44,5 US-Dollar je Barrel gehandelt.  

Gründe für den erneuten Ölpreisrückgang

Der zu beobachtende Preisanstieg insbesondere in den Monaten April und Mai war, neben einem Rückgang in der US-Schieferölproduktion, vor allem  auf die gestiegenen, durch Waldbrände bedingte Produktionsausfälle in Kanada und Unruhen in Nigeria zurückzuführen. Doch diese Faktoren haben mittlerweile an Bedeutung verloren. So ist die Produktion in der Provinz Alberta (Kanada) wieder hochgefahren und auch in Nigeria konnte die Produktion im Juni wieder (auf niedrigem Niveau) gesteigert werden. Auch die Entwicklung bei der Zahl der aktiven Bohrköpfe in den USA lässt die Erwartungen aufkommen, dass die Förderung von Rohöl in den USA wieder ansteigen wird. Diese sind seit Anfang Juli um 12% auf 371 Bohrköpfe gestiegen. Dies entspricht auch nach dem jüngsten Anstieg noch immer fast 70% weniger Bohrungen als zu Beginn des Jahres 2015 und gut 25% weniger Bohrungen als im Januar 2016. Der neuerliche Anstieg bei den Bohrungen  vor allem in  den wichtigsten US-Schieferölregionen zeigt, dass alte Konkurrenten aufs Neue am Markt aktiv werden. Daher sollte der US-Schieferölsektor aufgrund seiner kurzen Investitionszyklen den Preisdruck verstärken. Hinzu kommt, dass der Iran nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen durch den Westen seine Ölproduktion in den vergangenen Monaten deutlich steigern konnte. Das Land erhöhte laut Bloomberg-Daten die tägliche Förderung von 2,8 Mio. Barrel (im Juli 2015) auf mehr als 3,6 Mio. Barrel (im Juli 2016). Der Export von Rohöl beträgt mehr als zwei Millionen Barrel am Tag. Damit ist das Ziel Irans, das Niveau aus der Zeit vor den Sanktionen des Westens zu erreichen, fast realisiert.  Weiterhin hat sich der Rückzug spekulativer Anleger negativ auf die Rohölpreise ausgewirkt. Laut Intercontinental Exchange (ICE) ist der Bestand an Wetten auf steigende Ölpreise seit Ende April um ca. 30%  zurückgegangen. Der Großteil dieser Positionen wurde bei Preisen unterhalb von 45 US-Dollar aufgemacht. Ein Rückgang unter diese Marke könnte daher zu weiteren spekulativen Verkäufen führen und somit den Preisrückgang kurzfristig verstärken. 

US-Lagerbestände  

Die Rohöllagerbestände in den USA sind im Vergleich zu dem Allzeithoch Ende April in den vergangenen Wochen kräftig gesunken.  Dabei ergab sich ein Abbau der Reserven auf noch immer überdurchschnittliche 519 Mio. Barrel. Dagegen gab es kräftige Zuwächse bei den Benzinreserven. Die Benzinlagerbestände haben ihre Aufwärtstendenz fortgesetzt und sind in der letzten Zeit kontinuierlich gestiegen. Aktuell liegen sie bei einem Niveau von 241 Mio. Barrel. Obgleich sie ohnehin schon oberhalb ihres Durchschnitts der vergangenen Jahre notieren, entwickeln sie sich damit im Vergleich zu einem saisonüblichen Verlauf noch einmal stärker. Der überdurchschnittlich kräftige Anstieg der Benzinvorräte, ungewöhnlich während der Sommerfahrsaison, deutet daraufhin, dass die Verarbeitung von Rohöl zu Benzin in den Raffinerien in den vergangenen Wochen relativ zur Nachfrage zu hoch gewesen ist. Die Raffinerieauslastung ist in den letzten  Wochen wieder kräftig gestiegen. Mit 93,9% befindet sich die Kapazitätsauslastung aber derzeit spürbar oberhalb eines normalen saisontypischen Niveaus. Es ist daher zu erwarten, dass die Raffinerien zur Preisstabilisierung ihre Kapazitätsauslastung verringern. In der Folge sollte daher auch die Nachfrage der Raffinerien nach Rohöl sinken, wodurch die US-Rohöllagerbestände in den kommenden Wochen wieder ansteigen werden. Dies sollte sich daraufhin negativ auf die Ölpreise auswirken.   

Aussichten für den Ölpreis   

Obwohl der Ölpreis in den vergangenen Wochen stark gefallen ist, liegt dieser in den wichtigsten US-Schieferölregionen immer noch über den Grenzkosten der Produktion. Technische Verbesserungen hinsichtlich größerer und besser platzierter Bohrungen sollten die Kosten der Förderung von Schieferöl weiter reduzieren. Auch von Seiten der Zulieferfirmen sind Preisnachlässe zu beobachten. Mittel- und langfristig dürften die Effizienzgewinne die Kosten der Förderung senken und die Produktion wieder anziehen lassen. Allerdings spricht die Tatsache, dass die aktuellen Preise unter den Durchschnittskosten (derzeitige Schätzungen für die US-Schieferölregionen: 55 US-Dollar je Fass) der Ölproduktion liegen, gegen eine weitere kräftige Ausweitung des Angebots. Im Gegenteil, die OPEC erwartet in ihrem jüngsten Monatsbericht einen Rückgang des Nicht-OPEC Angebots um 880 Tsd. (bisher -740 Tsd.) Barrel pro Tag für 2016. Dem soll im nächsten Jahr ein weiterer Rückgang um 110 Tsd. Barrel pro Tag folgen. Die EIA prognostiziert zudem eine weiter rückläufige US-Schieferölproduktion. Für den Monat August rechnet diese mit Produktionsrückgängen der US-Schieferölförderung um fast 100 Tsd. Barrel. Daran sollte auch die weiter ansteigende Bohraktivität in den wichtigsten US-Schieferölregionen zunächst nichts ändern. Da die globale Ölnachfrage 2017 um 1,19 Mio. Barrel pro Tag steigen soll, erwartet die OPEC eine leichte Unterversorgung der Märkte mit Rohöl im nächsten Jahr. Wir dagegen glauben, dass die OPEC-Prognosen etwas zu optimistisch sind. Angesichts der für die Weltwirtschaft bestehenden Risiken, u.a. der Austritt Großbritanniens aus der EU,  und der nur moderat wachsenden Weltwirtschaft rechnen wir mit einer deutlichen Wachstumsverlangsamung der Ölnachfrage. Insbesondere dürfte die Nachfrage aus den Industrieländern, und auch die aus den wichtigsten Schwellenländern wie China nicht mehr so kräftig ansteigen. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Ölproduzenten auf diese Entwicklungen mit einer Anpassung ihrer Förderung reagieren werden, was einen erneut kräftigen Preisrutsch, wie zu Jahresbeginn 2016 zu beobachten war, verhindern sollte.   Zum Jahresende 2016 rechnen wir mit einem Preis der Nordseesorte Brent von 45 US-Dollar das Barrel.

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