15.07.2016 12:43
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Öl weekly: Anziehende US-Bohraktivität und Abbau spekulativer Positionen lasten auf Ölpreis

In der letzten Woche waren erhebliche Ölpreisschwankungen zu beobachten, die als Nachwehen des Brexit zu werten sind. Brent bewegte sich zwischen 45,90 und 49,60 US-Dollar/Barrel. Auf die Preise lasteten u.a. ein überraschender niedriger Abbau der US-Rohölreserven um 2,2 Mio. Barrel (Prognose Bloombergkonsens: -3 Mio. Barrel) sowie die gestiegene Bohraktivität in den USA. Laut Baker Hughes stieg die Anzahl der Ölbohrungen in der Vorwoche um 10 auf 351. Seit Anfang Juni sind somit 35 bzw. 11% mehr Bohrtürme aktiviert worden. Zwar sind dies auch nach dem jüngsten Anstieg noch immer fast 80% weniger Bohrungen als zu Beginn des Jahres 2015. Dennoch stiegen die Erwartungen, dass die Förderung von Rohöl in den USA bald wieder ansteigen wird, was zu Preisrückhängen führt. Des Weiteren hat sich der Rückzug spekulativer Anleger negativ auf die Rohölpreise ausgewirkt. Am 5. Juli ist der Bestand an Wetten auf steigende Ölpreise (Netto-Long-Positionen) gegenüber der Vorwoche erneut deutlich abgebaut worden.

Rückenwind erhielten die Ölpreise dagegen von neuen Angebots- und Nachfrageprognosen der OPEC. Diese erwartet nun für dieses Jahr einen Rückgang des Nicht-OPEC-Angebots um 880 Tsd. (bisher -740 Tsd.) Barrel pro Tag. Dem soll im nächsten Jahr ein weiterer Rückgang um 110 Tsd. Barrel pro Tag folgen. Da die globale Ölnachfrage 2017 um 1,19 Mio. Barrel pro Tag steigen soll, erwartet die OPEC eine leichte Unterversorgung der Märkte mit Rohöl im nächsten Jahr. Brent verteuerte sich im Zuge dessen bis auf aktuell 47,6 US-Dollar je Barrel, WTI liegt bei 46,5 US-Dollar je Barrel. Verglichen mit den Tiefständen am vergangenen Montag bedeutet dies einen Preisanstieg um 3,5%.

Interessant dürfte in den kommenden Wochen die weitere Entwicklung bei der Zahl der aktiven Bohrköpfe in den USA sein. Ein weiterer Anstieg dürfte die Erwartungen aufkommen lassen, dass die Förderung von Rohöl in den USA wieder ansteigen wird. Vor allem in Verbindung mit der Erwartung einer steigenden Nachfrage könnte dies dazu führen, dass alte Konkurrenten aufs Neue am Markt aktiv werden. Vor allem für viele amerikanische Schieferölproduzenten („Fracker“), die zuletzt ihre Bohrungen stillgelegt haben, dürfte sich ein Wiedereinstieg lohnen. Der US-Schieferölsektor wird daher aufgrund seiner kurzen Investitionszyklen den Preisauftrieb zumindest dämpfen, wenn nicht gar umkehren.

Die Faktoren, die vor allem in den Monaten April und Mai zur Verteuerung der Ölpreise beigetragen haben, haben mittlerweile an Bedeutung verloren. So sind die wochenlangen schweren Waldbränden in Kanada (Alberta), die die Ölförderung und den Transport stellenweise zum Erliegen brachte, weitestgehend gelöscht. Auch Nigeria, das seit Monaten immer wieder von  schweren Anschlägen der Rebellengruppe Boko Haram getroffen wird, konnte die Produktion im Juni um ca. 100 Tsd. Barrel auf fast 1,5 Mio. Barrel am Tag hochfahren. Dennoch sind weitere Produktionsausfälle in Nigeria nicht auszuschließen.

Die Wiederaufnahme der Produktion in Kanada nach den verheerenden Waldbränden und der Wiedereintritt der US-Schieferölproduzenten dürften in den kommenden Monaten für ein größeres Überangebot an den Weltölmärkten sorgen. Sollte der Abbau der spekulativen Netto-Long-Positionen an den Finanzmärkten anhalten, wird dies wahrscheinlich auch zulasten des Ölpreises wirken und die Abwärtsbewegung der Ölpreise in den kommenden Wochen verstärken.


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