26.10.2017 19:15
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Öl weekly: Exit-Strategie der OPEC: Zurück in die 80er Jahre

Nach der letzten OPEC-Sitzung Ende Mai, als das Ölkartell mit seinem verbündeten Russland beschloss die Produktionskürzungen von 1,8 Mio. Barrel/Tag, welche zu Jahresbeginn in Kraft traten, bis Frühjahr 2018 zu verlängern, gerieten die Ölpreise – entgegen der Erwartungen – zwischenzeitlich stark unter Abwärtsdruck. Nicht nur hatten sich die Anleger damals noch längere und tiefere Kürzungen erhofft, vielmehr vermissten diese eine Strategie über die Vorgehensweise nach Beendigung der Produktionskürzungen. Um selbiges beim nächsten Treffen zu vermeiden, forderte der saudische Energieminister Khalid al-Falih eine Austrittstrategie aus den Produktionskürzungen ein. Im Folgenden wollen wir eine mögliche Strategie erläutern, welche an die Produktionskürzungen anknüpfen könnte.

Damit die OPEC und Russland nach dem Ende der Produktionskürzungen zur Normalisierung der globalen Öllagerbestände wieder einen Wachstumspfad einschlagen können (d.h. langfristig in steigende Produktionskapazitäten hineinwachsen), muss das Ölkartell sicherstellen, dass die Ölmarktterminkurven in nachhaltiger Backwardation (Spotpreise > Terminpreise) notieren. Backwardation wird durch die Normalisierung der OECD-Öllagerreserven auf den Fünfjahresdurchschnitt erreicht. Gegenwärtig sind die Öllagerbestände noch immer 30 % über dem angestrebten Durchschnitt. Um die Normalisierung der Öllagerbestände auch nach Ende des Förderabkommens sicherzustellen, sollte die Ländergruppe Backwardation mit drei verschiedenen Maßnahmen sicherstellen: (1) Die OPEC wird zunächst die Kürzungen (bis Ende 2018) verlängern müssen, bis die gesamte Terminkurve in die Backwardation übergeht und die höheren Produktionsmengen in Libyen und Nigeria bei Bedarf ausgleicht. Das bedeutet, die Ausdehnung/Verlängerung der Kürzungen bis zur Erreichung dieses Ziels. Dies steht im Einklang mit den Aussagen des saudischen Energieministers al-Falih und seines russischen Amtskollegen Alexander Novak, "alles Nötige zu tun, was notwendig ist", um die globalen Öllagervorräte auf ihren Fünfjahresdurchschnitt zurückzuführen. (2) Produzenten mit einer niedrigen Kostenstruktur müssen zum Ziel haben, die Produktion in den kommenden Jahren zu steigern (und dies auch explizit zum Ausdruck bringen), um die Kontraktpreise am hinteren Ende der Terminkurve weiter zu drücken. Dies korrespondiert mit den Ölpreiserwartungen in den Staatshaushalten von Russland und Saudi-Arabien von 50 US-Dollar/Barrel. Dieser verbale Effekt auf die langfristigen Ölpreise kann auch durch den Verkauf von Ölfuture-Kontrakten am hinteren Ende der Terminkurve direkt erreicht werden. Da das heute produzierte Öl die gehandelten Futures-Volumina weit übertrifft, wäre die finanzielle Auswirkung einer solchen Strategie auf den Staatshaushalt vernachlässigbar gering. (3) Die Low-Cost-Produzenten sollten dann die Produktion graduell hochfahren, auch wenn die Kapazitätslimits erreicht werden, um die Lagerbestände stabil und die Terminkurve in Backwardation zu halten. Dies erfordert fortgesetzte Investitionen in wachsende Produktionskapazitäten.

Dies zu erreichen stellt, eine große Herausforderung dar, die auch in Zukunft eine kontinuierliche Koordination zwischen der OPEC und Russland erfordert, trotz der geopolitischen Spannungen zwischen den Partnern und innerhalb des Kartells. Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass die OPEC in den 1980er und 1990er Jahren mit einem stetigen Produktionswachstum, einer angemessenen Einhaltung der Produktionsquoten und einer anhaltenden Backwardation  am Markt agierte. Wir glauben, dass wir in den kommenden Jahren ein sehr ähnliches Marktumfeld erleben werden. Wir erwarten daher nach Ablauf des OPEC-Abkommens (Ende 2018) eine graduelle Ausweitung der OPEC-Fördermenge und eine Verlangsamung des US-Schieferölwachstums von gegenwärtig 1 Mio. auf 500/600 Tsd. Barrel/Tag.

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