22.09.2017 20:00
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Öl weekly: Sehr robust in den Sommermonaten

In den vergangenen Monaten haben wir bereits mehrfach auf ein sehr robustes Ölnachfragewachstum in diesem als auch im nächsten Jahr hingewiesen. Wie die Daten für das zweite Quartal zeigen, wuchs die Nachfrage nach Öl und raffinierten Produkten um durchschnittlich 2,25 Mio. Barrel/Tag YoY – dem zweithöchsten Quartalswachstum seit 2010. Auch die ersten Zahlen für das dritte Quartal deuten auf ein sehr robustes Nachfragewachstum von 1,66 Mio. Barrel/Tag hin – deutlich oberhalb unserer Jahresdurchschnittsprognose von 1,6 Mio. Barrel/Tag.

Besonders bemerkenswert ist, wie breit das Wachstum gefächert scheint, sowohl aus geographischer Perspektive als auch bei der Zusammensetzung der Nachfrage. Regional ist das Ölnachfragewachstum im Vergleich zu den letzten Jahren in den westlichen Industrieländern am stärksten. So wuchs diese dort schneller als die gesamte Wirtschaftsaktivität. Die regionalen Unterschiede sind dennoch enorm: Während in den entwickelten Volkswirtschaften die industrielle Nachfrage ausschlaggebend für das Wachstum verantwortlich ist, treibt in den aufstrebenden Volkswirtschaften der Konsum die Nachfrage nach Petroleumprodukten an. Insbesondere im Monat Juli stieg die Benzinnachfrage in den aufstrebenden Volkswirtschaften um 7,4 YoY gegenüber 0,6 % in den westlichen Volkswirtschaften. Demgegenüber stand die Dieselnachfrage aus den Industrieländern, ein Indikator für die Industrienachfrage, welche mit 5 % YoY (vs. 0,6 % YoY in EM) besonders hervorstach.

Diese spürbar positive Entwicklung spiegelte sich auch in den Ölpreisen wider. Die Nordseesorte Brent notiert gegenwärtig bei 56 US-Dollar/Barrel und damit wieder auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn. Mittlerweile sind die Fundamentaldaten sehr ordentlich und die Ölmärkte in einer deutlich besseren Verfassung als zu Jahresbeginn. Die gegenwärtig relativ hohen Notierungen sind daher Ausdruck dieser aufgehellten Fundamentaldaten. Hinzu kommt, dass die neuerliche Diskussion um eine Verlängerung bzw. Vertiefung der OPEC-Kürzungsmaßnahmen dazu beigetragen haben. Es ist sogar wahrscheinlich, dass diese, die mindestens bis Ende März fortdauern werden, ein weiteres Mal verlängert werden. Wichtig hierbei ist anzumerken, dass diese nun für den Gesamtmarkt ökonomisch sinnvoll erscheinen.

Dafür sprechen zwei Punkte: (1) an den globalen Ölmärkten herrscht mittlerweile ein Angebotsdefizit, was sich auch im weltweiten Öllagerbestandsabbau widerspiegelt. Das heißt, dank eines starken Ölnachfragewachstum und der OPEC-Kürzungen, übersteigt die tägliche Ölnachfrage die tägliche Rohölproduktion um derzeit rund 300 Tsd. Barrel/Tag. Damit dürfte der OPEC nicht der gleiche Fehler unterlaufen wie bei der erstmaligen Ankündigung der Produktionskürzungen Ende November vergangenen Jahres. Damals stieg der Ölpreis um ca. 20 % an, ohne dass nur ein einziger Barrel Öl vom Markt genommen wurde (im Gegenteil, die OPEC weitete sogar ihre Produktion auf fast 34 Mio. Barrel/Tag aus). Dies gab der US-Schieferölindustrie einen zeitlichen Vorsprung, den sie jetzt nicht mehr haben dürfte. Denn, (2), der Ölpreisanstieg war gepaart mit einem „shift“ der Ölterminkurve in Backwardation. Wie wir bereits mehrfach argumentiert haben, sehen wir Backwardation auf der Terminkurve als Lösung für die Stabilisierung der Ölpreise in einer Handelspanne von 50-55 US-Dollar/Barrel an. Dahinter steckt die Gedanke, dass bei niedrigeren Terminpreisen als der „Spotpreis“ die US-Schieferölindustrie die Produktion im Voraus nicht mehr (wie zu Jahresbeginn) zu höheren Preisen als den gegenwärtigen Spotpreisen absichern kann, ohne ihre Cash-Flow-Projektionen zu verschlechtern. In einer derartigen Situation erhalten die US-Schieferölförderer nicht mehr so leicht Kapital. Entsprechend verlangsamt sich das Produktionswachstum der US-Produzenten. Wir rechnen daher mit einem Beschluss zur Verlängerung der Förderkürzung der OPEC-Staaten auf der November-Sitzung des Ölkartells in Wien, nicht aber schon auf dem morgigen Treffen des OPEC-Überwachungskomittee zur Einhaltung der Produktionskürzungen.


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