Reformpaket hievt DAX nach oben

Reformpaket vorgestellt


Die Spitzen von Union und SPD haben im Koalitionsausschuss ein umfassendes Reformpaket beschlossen. Unter dem Titel "Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung" wurden gestern Vormittag insgesamt 34 Maßnahmen zu Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau vorgestellt. Der große Wurf beim Thema Steuerreform blieb zwar aus, aber die Koalitionäre bewiesen, dass sie Kompromisse schmieden können - nachdem in den Monaten zuvor Zweifel hierüber aufgekommen waren. Für sämtliche 34 Punkte des 12-seitigen Dokumentes ist dieses Daily-Format zu kurz. Daher hier eine Auswahl wesentlicher Aspekte des Paketes: 1) Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen via Anhebung des Grundfreibetrages, Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrages; Gegenfinanzierung durch Anhebung der sogenannten Reichensteuer von 45 % auf 47 % für Jahreseinkommen von über 280.000 Euro. 2) Erhöhung des pauschalen Steuersatzes von Minijobs von 2 % auf 5 % 3) Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, u.a. durch vereinfachte Auflösung der Arbeitsverhältnisse von Hochverdienern 4) Krankschreibungspflicht schon am ersten Krankheitstag bei gleichzeitiger Aufhebung der telefonischen Krankschreibung 5) Vorbereitung eines Aktionsplans zur Bekämpfung des Missbrauchs von Sozialleistungen 6) Vereinfachung von Datenschutzpflichten 7) Bürokratieabbau durch die pauschale (!) Aufhebung gesetzlicher Berichtspflichten. Nun müssen hierüber Gesetzestexte erarbeitet werden, damit die Maßnahmen rasch ihre Wirkung entfalten können.

DAX mit drittem Plus in Folge


Womöglich sagen sich internationale Investoren jetzt: Die Deutschen mögen zwar das Fußballspielen verlernt haben, aber raufen sich wenigstens auf dem politischen Spielfeld zusammen. Damit werden deutsche Aktien für solche Anleger wieder attraktiver, die Alternativen zu den hoch bewerteten US-Aktien suchen. Der sommerliche Reformwille der Bundesregierung gab daher Rückenwind für den DAX. Der deutsche Leitindex legte den dritten Tag in Folge zu und etablierte sich nach einem Tagesplus von 2,2 % über der Marke von 25.000 Punkten. Immobilienaktien zählten zu den größten Gewinnern, nachdem die Bundesregierung Befürchtungen um mögliche Enteignungen als Lösung für die Wohnungskrise eine klare Absage erteilt hatten.

US-Arbeitsmarktdaten schwächer

Als positiver Einflussfaktor kam hinzu, dass die Furcht vor steigenden Zinsen nach schwächeren US-Arbeitsmarktdaten in den Hintergrund rückte. Wegen der anstehenden 250-Jahres-Feierlichkeiten zur Gründung der USA wurde die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichtes für Juni auf den Donnerstag vorgezogen. Die vorgelegten Daten wollten nicht so recht zur Feierlaune in den USA passen: Mit 57.000 neugeschaffenen Stellen wurden im Juni deutlich weniger Arbeitsplätze als erwartet (113.000) geschaffen, und zudem wurde der Stellenaufbau in den beiden Vormonaten um insgesamt 74.000 Stellen nach unten revidiert. Die kurzlaufenden Renditen gaben um knapp 8 Basispunkte nach, die Aktienmärkte legten zu, der US-Dollar tendierte schwächer.


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