Renditeanstieg wird für Aktien zur Gefahr
Gerät die KI-Rally ins Stolpern?
Monatelang schien die Wette der Wall Street auf Chipkonzerne und Technologiewerte unerschütterlich. KI-Fantasien, Rekordgewinne, Kursfeuerwerke - vor allem Halbleiteraktien gelten als die neuen sicheren Gewinner. Doch die Stimmung könnte kippen. Die rasant gestiegenen Anleiherenditen und neue Inflationssorgen lassen Zweifel wachsen, ob der Höhenflug der Tech-Riesen nicht zu weit gegangen ist. Seit Ende März haben Halbleiterwerte im Schnitt rund 50 % zugelegt - eine Entwicklung, die selbst optimistische Marktteilnehmer inzwischen als ambitioniert bezeichnen. Nun mehren sich die Stimmen, die zumindest eine Verschnaufpause, wenn nicht sogar eine spürbare Korrektur erwarten. Von den klassischen Zutaten eines langen, tiefen Bärenmarkts ist der Markt zwar noch entfernt. Aber viele der prominentesten Technologiewerte haben zuletzt deutliche Rückschläge hinnehmen müssen - und das nicht zufällig. Der Krieg mit Iran und die Spannungen im Nahen Osten haben die Energiepreise deutlich nach oben getrieben. Die Verteuerung von Öl und Gas schürt neue Inflationsängste, zumal der Welthandel an einer zentralen Stelle unter Druck steht: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für Öllieferungen, ist seit Monaten für den Schiffsverkehr geschlossen. Für die Märkte bedeutet das: höhere Inflationsrisiken, steigenden Druck auf die Notenbanken, und die wachsende Gefahr, dass Leitzinssenkungen verschoben - oder sogar wieder angehoben werden müssen. Gerade hoch bewertete Wachstumswerte wie Tech- und Chipaktien reagieren empfindlich auf steigende Renditen. Ihre künftigen Gewinne werden an der Börse mit einem höheren Zinssatz abdiskontiert - was die heutigen Bewertungen fragiler macht. Die Kursfantasie der vergangenen Monate trifft auf eine Realität, in der sichere Anleihen plötzlich wieder ernsthafte Konkurrenz bieten. Und das in einem Markt, in dem viele Investoren ohnehin schon stark engagiert sind.
Rentenmarkt: Langläufer unter Druck
Die jüngste Renditewelle, insbesondere bei langlaufenden US-Staatsanleihen, stellt Investoren am Anleihemarkt vor eine schwierige Wahl: Jetzt historische Zinsniveaus sichern - oder weitere Kursverluste fürchten. Die Rendite 30j. US-Treasuries kletterte gestern auf etwa 5,18 %, der höchste Wert seit 2007. Die Rendite 10j. US-Staatsanleihen stieg auf 4,67 % an, 10j. Bundesanleihen erreichten mit 3,19 % ein neues Jahreshoch. Treiber des Renditeanstiegs sind neben global gestiegenen Inflationsrisiken infolge des Iran-Kriegs und der Schließung der Straße von Hormus die hohen Haushaltsdefizite und die damit verbundene immer höher steigende Staatsverschuldung in vielen Industrieländern. Dies trifft besonders auf die USA zu. Sind die erreichten Renditelevels günstige Einstiegsniveaus? Angesichts des Kriegs im Nahen Osten bleibt u.E. die Lage fragil: Eine über die nächsten Wochen und vielleicht sogar Monate geschlossene Straße von Hormus bzw. eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen und damit verbunden noch weiter steigende Inflations- und Konjunkturrisken könnten jede Argumentation über eine "günstige Bewertung" rasch obsolet machen.
Ausblick: Lage bleibt angespannt
Die Aktienmärkte in Asien haben ihre jüngste Talfahrt heute Morgen fortgesetzt. Zum vierten Handelstag in Folge gaben die Kurse nach, belastet von den zunehmenden Inflationssorgen und einem weiteren Anstieg der weltweiten Anleiherenditen. Anleger nutzen die Gelegenheit, um nach einer rekordverdächtigen Rally an den Börsen Bewertungen neu zu justieren. Der MSCI-Index für die asiatisch-pazifische Region ohne Japan verlor rund 1 %, wobei vor allem Technologiewerte unter Druck gerieten. Der südkoreanische Leitindex Kospi, der als wichtiger Gradmesser für KI-bezogene Anlagen gilt, büßte knapp 2 % ein. Die von US-Präsident Donald Trump angedrohte Wiederaufnahme militärischer Schläge gegen den Iran könnte zudem die ohnehin hartnäckigen Inflations- und Zinssorgen weiter verstärken.Wichtige HinweiseDiese Publikation richtet sich ausschließlich an Empfänger in der EU, Schweiz und Liechtenstein. Diese Publikation wird von der LBBW nicht an Personen in den USA vertrieben und die LBBW beabsichtigt nicht, Personen in den USA anzusprechen. Aufsichtsbehörden der LBBW: Europäische Zentralbank (EZB), Sonnemannstraße 22, 60314 Frankfurt am Main und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn / Marie-Curie-Str. 24-28, 60439 Frankfurt. Diese Publikation beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder, ungeachtet etwaiger Eigenbestände in diesen Produkten. Diese Publikation ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sie dient nur zu Informationszwecken und gilt nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Für weitere zeitnähere Informationen über konkrete Anlagemöglichkeiten und zum Zwecke einer individuellen Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihre Anlageberaterin oder -berater. Wir behalten uns vor, unsere hier geäußerte Meinung jederzeit und ohne Vorankündigung zu ändern. Wir behalten uns des Weiteren vor, ohne weitere Vorankündigung Aktualisierungen dieser Information nicht vorzunehmen oder völlig einzustellen. Die in dieser Ausarbeitung abgebildeten oder beschriebenen früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. HerausgeberLandesbank Baden-Württemberg Am Hauptbahnhof 2 70173 Stuttgart |


