16.06.2017 11:30
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Unternehmensanleihemärkte weekly: Schere zwischen arm und reich öffnet sich auch für Unternehmen

Die Anleihen des iBoxx-Index bewegen sich weiterhin in der Nähe ihres Rekordtiefstandes der letzten zwölf Monate. Mittlerweile liegen die Branchen Einzelhandel und Industrie mit 35,0 bzw. 38,4 Basispunkten nahezu gleichauf. Das belegt einmal mehr die robuste Verfassung des Konjunkturzyklus, denn Zykliker wie „Industrie“ kommen nur in Aufschwungphasen an die Spreadregionen der Nichtzykliker heran.

Noch optimistischer als „Cash Bonds“ zeigen sich die CDS-Spreads, die in der letzten Woche auf beiden Seiten des Atlantiks noch einmal kräftig eingelaufen sind.

Anfang der Woche warnte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD vor einer wachsenden gesellschaftlichen Spaltung. Grund ist das Auseinanderklaffen von Einkommen, von arm und reich, das ein „beispielloses“ Ausmaß angenommen habe. Es sei auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren. Weniger prominent in den Medien ist die Tatsache, dass ähnliche Ungleichgewichte auch im Unternehmenssektor auftreten: Stellvertretend für amerikanische Unternehmen stellt die Ratingagentur S&P fest, dass von 2.000 „nonfinancial corporates“ (Unternehmen außerhalb des Finanzsektors) nur 25, also etwa 1 Prozent, die Hälfte der liquiden Mittel halten. Diese Hälfte der Liquidität beziffert die Agentur auf eine Billion USD und stellt fest, dass sich diese Summe in den letzten fünf Jahren verdoppelt habe.

Noch ein Fakt dazu: Gegen die eine Billion USD in Cash stehen bei den Top-1-Prozent-Unternehmen 750 Milliarden USD Schulden. Bei den restlichen 99 Prozent sind es dagegen 5,1 Billionen USD an Schulden.

Einkommens- und Vermögensunterschiede kommen also auch im Unternehmenssektor vor. Das ist weniger ein soziales Problem – obwohl man argumentieren könnte, dass diese Entwicklung Billiglöhne unterstütze – sondern eine Verschiebung von Finanzmacht. Immer weniger Unternehmen haben immer mehr Möglichkeiten zu entscheiden, wo investiert wird, wie die Zukunft gestaltet wird. Damit bestimmen sie, sehr vereinfachend aber nicht ganz unrichtig auf den Punkt gebracht, welche Investitionen zukünftig  erfolgreich sein werden – und nehmen diese Investitionen selbst vor. Selbst erfüllende Prophezeiungen bei Investitionen: Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist heute bereits ein Stückchen Realität.

Übersetzt in die Spreadwelt heißt das: An die niedrigen Spreads bonitätsstarker Unternehmen werden wir uns gewöhnen können. Deutlich mehr Volatilität dagegen erwarten wir am anderen Ende des Ratingspektrums.


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