Unternehmensanleihen weekly: Corporate Spreads in EUR weiter regungslos. Machen niedrige Kreditspreads ultralange Anleihen attraktiv?
Die Märkte für Unternehmensanleihen in Euro geben weiterhin ein Bild der Entspannung wieder. Gemessen am iBoxx EUR Corporates notieren die Kreditspreads für europäische Unternehmen bei 53,4 Basispunkten. Der Gesamtindex notiert somit auf seinem tiefsten Stand seit Anfang Mai. Werden Unternehmen der Finanzwirtschaft ausgenommen, signalisieren die Kreditspreads ein harmonisches Niveau von 48,7 Basispunkten (Stand 04.07.2017).
Die Entspannung in den indexübergreifenden Kreditspreads ist in sämtlichen Sektoren des iBoxx zu beobachten. Konjunktursensible Branchen wie die Bauwirtschaft oder die Tourismusbranche handeln bei Spreadlevels von 39,5 bzw. 51,9 Basispunkten zu historisch günstigen Konditionen.
Entsprechend gestaltet sich die Suche nach rentablen Investitionen schwierig. In den vergangenen Monaten sind deshalb sehr lange laufende Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder 100 Jahren besonders im Markt für Staatsanleihen ins Gespräch gebracht worden. Vor allem in den USA werden für das Infrastrukturprogramm der Trump-Administration solche Finanzierungstitel ins Gespräch gebracht. Im Juni hat Argentinien eine 100 Jahre laufende Staatsanleihe begeben. Als Grund werden häufig Finanzierungsvorteile angeführt: Der 50-jährige Swapsatz in US-Dollar, der Proxy für Finanzierungskosten über diese Laufzeit, liegt gegenwärtig sogar 5 Basispunkte unter seinem 30 jährigen Pendant. Besonders für Pensionsfonds und langfristig orientierte institutionelle Anleger könnte diese Anlageklasse Attraktivität besitzen. Ist diese Form der Finanzierung auch eine Option für die Unternehmenswelt? Auf den ersten Blick erscheinen extrem lang laufende Anleihen besonders über die Duration attraktiv. Hinsichtlich der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer weisen einige 100 jährigen Anleihen eine nur um 1,5 Jahre höhere Duration auf als die 30 Jahre emittierten Titel desselben Unternehmens. Die Zinsänderungsrisiken für beide Laufzeiten sind insoweit marginal. Auch im Kreditspread unterscheiden sich beide Termine nur unwesentlich. Warum also präferieren Fremdkapitalemittenten nicht extrem lange Laufzeiten? Für viele Investoren sind die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anleihe und die korrespondierenden Versicherungskosten gegen einen Ausfall entscheidend. Diese CDS-Spreads liegen für lange Laufzeiten auf einem hohen Niveau und machen die Absicherung gegen einen Totalverlust des Investments kostspielig, was Investoren von diesen Titeln abrücken lässt. Folglich ist nicht nur der Kreditspread entscheidend. Die Kombination aus CDS-Spread, Rendite, Duration und eben Kreditspread werden bei Investitionsentscheidungen ins Kalkül genommen. Die bislang emittierten langlaufenden Unternehmensanleihen weisen zudem eine wichtige Gemeinsamkeit auf: Fast ausschließlich wirtschaftlich solide und weltweit bekannte Unternehmen, wie Coca Cola oder Disney, begeben solche Titel. Dies kann für langfristige Value-Investoren ein Kaufargument sein.
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