16.12.2016 10:34
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Zinsen weekly: Die Luft wird dünner

Was passiert, wenn Investoren gemäß den Futuremärkten zu hundert Prozent eine Zinsanhebung erwarten und diese dann vollzogen wird? Nichts, möchte man antworten. Die Investoren sahen das anders. Die Staatsanleiherenditen stiegen nach der Entscheidung der Fed, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,50 % bis 0,75 % anzuheben, im zehnjährigen Bereich in den USA um immerhin 6 bp, die Bunds legten um 8 bp zu und der Euro gab gegenüber dem US-Dollar um 2,1 % nach. Die Ursache für die Bewegung dürfte sein, dass die Fed-Mitglieder im Durchschnitt überraschenderweise drei statt zwei Zinsschritte im nächsten Jahr für angemessen halten. Auch die Tatsache, dass Yellen zwischen den Zeilen eine expansive Fiskalpolitik für unangemessen hält, hat den Renditenanstieg provoziert. Ein großes Konjunkturprogramm der Regierung Trump könnte die Fed dazu veranlassen, die Leitzinsen noch stärker und rascher anzuheben, was sich dann auch in höheren langfristigen Renditen niederschlagen würde.

Im Wochenvergleich fällt auf, dass die langfristigen Renditen um über 20 bp gestiegen sind, während die Bund-Renditen auf dem gleichen Niveau verharrten. Im Ergebnis hat sich der Transatlantikspread um rund 20 bp auf 2,25 % ausgeweitet. Hier spiegelt sich die divergierende Geldpolitik wider: Die EZB hält mindestens noch ein Jahr an dem Staatsanleiheankaufprogramm fest, so dass Leitzinserhöhungen in 2017 ausgeschlossen sind. Dennoch dürfte das Ausmaß des Spreads Grenzen haben. Noch nie war die Differenz zwischen den zehnjährigen US-Renditen und den Pendants aus Deutschland so hoch. Während des US-Wachstumsbooms Ende der 1990er erreichte der Spread ein Hoch von 170 bp und auf dem Höhepunkt der US-Expansion im Jahr 2006 lag die Differenz bei etwas mehr als 100 bp. Angesichts des jetzigen Rekordstandes von 225 bp könnte man den Eindruck haben, die Schwerkraft spiele keine Rolle mehr. In der Tat dürfte das QE-Programm der EZB einen Großteil der Abkoppelung erklären, allerdings sind mehr als 250 bp Spread wenig wahrscheinlich. Entweder wird die Rendite der zehnjährigen Bunds bald nach oben ziehen oder die US-Renditen werden sich wieder auf niedrigere Niveaus begeben. Kurzfristig halten wir eine Anpassung bei den Bunds für wahrscheinlicher. Die Veröffentlichung des ifo-Index am Montag (19.12.) oder größere Überraschungen bei den Daten aus den USA (Inflation, Auftragseingänge) könnten den Renditespread in den kommenden Tagen wieder schmelzen lassen oder in noch luftigere Höhen bringen.

Derweil beobachten die Finanzmärkte aufmerksam die Personalvorschläge des künftigen US-Präsidenten Donald Trump. So soll Rex Tillersen, CEO von Exxon Mobile, künftiger Außenminister werden. Dies zusammen mit der Ernennung des ölfreundlichen Umweltministers Scott Pruitt unterstützt unsere Sicht, dass das US-Ölangebot hoch, der Ölpreis niedrig und die Inflation gedämpft bleiben werden. Daher dürfte es im nächsten Jahr eher zu einer nur leichten Aufwärtsbewegung kommen.

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