05.10.2017 18:00
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Zinsen weekly: gefangen zwischen guten Konjunkturdaten und politischen Risiken

„Wir rechnen damit, dass die EZB ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 in einem ersten Schritt um 20 auf dann 40 Mrd. Euro reduziert“, sagt HSH Nordbank-Expertin Sintje Boie.

Der zum Ende vergangener Woche zu beobachtende Renditeanstieg insbesondere bei den zehnjährigen Bund-Renditen ist zuletzt wieder abgebröckelt. Hintergrund dieser Entwicklung dürfte die Rückkehr des politischen Risikos in der Eurozone in Form der Krise rund um das katalanische Unabhängigkeitsreferendum sein. Das Unabhängigkeitsstreben Kataloniens sollte die Stabilität der Eurozone kurzfristig nicht gefährden, könnte aber – wenn sich die Spannungen zwischen der Zentralregierung in Madrid und der katalanischen Regionalregierung weiter vertiefen – das spanische Wachstum dämpfen. Zudem sorgt der Konflikt für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die Renditen der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen sind von rund 1,60 % auf zwischenzeitlich fast 1,80 % gestiegen. Die zehnjährigen US-Pendants konnten auf Wochensicht mit Blick auf eine mögliche Fed-Zinsanhebung im Dezember ihr höheres Niveau halten.

Die politischen Risiken stehen weiterhin im deutlichen Kontrast zur guten konjunkturellen Entwicklung, was auch das Gemeinschaftsgutachten für Deutschland bestätigt. Die letzten Konjunkturindikatoren aus den USA und der Eurozone waren insgesamt sehr überzeugend. Die ISM-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor sind in den USA im September noch einmal spürbar nach oben geschnellt, was insbesondere für den Industriesektor angesichts der durch die Wirbelstürme Harvey und Irma verursachten Zerstörungen überraschend war. Die finalen September-Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone dokumentieren die gleiche Aufwärtsdynamik. Die Jahresteuerung in der Eurozone lag dagegen im September unverändert bei 1,50 %, die PCE Kernrate in den USA hat leicht auf 1,30 % nachgegeben.

Highlight diese Woche ist der US-Arbeitsmarktbericht für September. Dieser dürfte angesichts der Verwerfungen durch die Wirbelstürme einen spürbar verlangsamten Beschäftigungsaufbau ausweisen. Denn wer Anfang September nicht zur Arbeit erschienen ist, gilt als arbeitslos. Die Arbeitslosenquote wird im Rahmen einer Haushaltsumfrage ermittelt und sollte daher weniger durch die Wirbelstürme in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Der private ADP-Report hat einen Stellenzuwachs von 135 Tsd. bekannt gegeben, nach 228 Tsd. im Vormonat. In dieser Größenordnung sollte unseres Erachtens auch der offizielle Arbeitsmarktbericht liegen.

Darüber hinaus sollte das Sitzungsprotokoll der EZB von ihrem September-Treffen Beachtung finden (5. Oktober). Zwar hat die Notenbank erst eine Rekalibrierung ihres Anleiheankaufprogramms für Ende Oktober angekündigt, doch es dürfte interessant werden, was schon im EZB-Rat diskutiert wurde. Wir rechnen damit, dass die EZB ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 in einem ersten Schritt um 20 auf dann 40 Mrd. Euro reduziert. Auch die Minutes der letzten Fed-Sitzung (11. Oktober) könnten nach Hinweisen auf den weiteren Zinsanhebungskurs der Fed abgeklopft werden.


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