21.07.2017 08:30
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Zinsen weekly: Mit den Renditen geht es abwärts trotzneuer Rekorde an den Aktienmärkten in den USA

Die Renditen der zehnjährigen Bunds sind in der abgelaufenen Berichtswoche von 0,60 % auf 0,55 % gesunken, die der US-T-Notes unter 2,30 % gefallen. Spekulationen über einen baldigen Kurswechsel der EZB (am 20.7. ist  das EZB-Treffen) und freundliche Konjunkturdaten stehen einer gescheiterten Reform von Obamacare im Senat gegenüber. Nur wenige Anleger erwarten in den USA jetzt noch umfassende Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben. Damit entfällt eine erwartete Stütze für das Wirtschaftswachstum der USA.

Allerdings sieht es an der US-Konjunkturfront derzeit relativ gut aus. Die in dieser Berichtswoche anstehenden BIP-Zahlen für das zweite Quartal sollten einen Zuwachs von knapp 3 % liefern, nach 1,4 % im ersten Quartal (jeweils annualisierte Rate ggü. Vorquartal). Auch die Aktienmärkte zeigen sich unbeeindruckt von der Schwäche der US-Regierung: Die Technologieaktien notierten auf neuen Allzeithochs und auch der Dow Jones Index erreichte neue Höchststände. Das spricht eigentlich für eine zunehmende Risikofreude und steigenden Renditen.

In jedem Fall ist zu beobachten, dass die US-Renditen weiterhin erwartungsgemäß mit einem Rückgang reagieren, wenn die politische Unsicherheit zunimmt. Von daher sollte man in den nächsten Tagen darauf achten, wie die Befragung der Wahlkampfberater von Präsident Donald Trump durch den Senat zu der Causa Russland in der kommenden Woche verläuft. Auf geopolitischer Ebene ist auf die zunehmend kritische Situation in Venezuela zu achten. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) denkt offensichtlich über Sanktionen gegenüber dem Ölproduzenten nach.

Um Strafmaßnahmen geht es auch beim Verhältnis zwischen Polen und der EU-Kommission. Die dort geplante Justizreform könnte den Entzug des Stimmrechts für Polen zur Folge haben, so der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermanns. Eine Zuspitzung des Konfliktes könnte die Renditen der Bunds nach unten drücken. Darüber hinaus ist auf einige Konjunkturdaten zu achten, vor allem auf den Ifo-Index und die PMI-Indizes der Eurozone, die freundlich ausfallen dürften.

Ein Augenmerk werden die Anleger schließlich auf die Notenbanksitzungen der EZB (heute, 20.7.) und der Fed (26.7.) legen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte bei seiner Rede in Sintra Ende Juni einen baldigen Kurswechsel ins Gespräch gebracht. Möglicherweise wird Draghi heute verbal zurückrudern und dabei mit der relativ niedrigen Inflation und dem stärkeren Euro argumentieren. Wir halten dennoch an der Prognose fest, dass die EZB am Anfang nächsten Jahres mit dem Tapering beginnen wird. Die Fed-Sitzung wird vermutlich noch weniger Aufsehen erregen. Mit einer Ankündigung, wann die Reduzierung der Bilanzsumme in diesem Jahr starten soll, rechnen wir erst im September. Insgesamt sollten die US-Renditen leicht steigen und die Bundrenditen seitwärts tendieren.


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