10.08.2017 17:10
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Zinsen weekly. Politische Risiken und eine zögerliche US-Notenbank sorgen für Zuflüsse in die Staatsanleihen

Die Verunsicherung der Anleger angesichts des politischen Chaos in den USA, einer drohenden Eskalation des Konfliktes mit Nordkorea und teilweise schwächeren Konjunkturdaten setzt sich in Form von weiter leicht nachgebenden Renditen bei den Staatsanleihen fort.

Eine Ausnahme ist der US-Arbeitsmarktbericht für Juli, der am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde und einen Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft von 209 Tsd. aufwies, deutlich mehr als erwartet worden war. Zudem sank die Arbeitslosenquote auf 4,3 %. Im Jahresverlauf liegt jetzt der monatliche Beschäftigungszuwachs bei rund 185 Tsd. Stellen – wie im vergangenen Jahr. Der Arbeitsmarktbericht dürfte bei der Fed zu keiner Neueinschätzung ihrer Politik geführt haben. Für die Fortsetzung ihres Zinsanhebungskurses ist die Inflationsentwicklung von entscheidender Bedeutung. Der Preisindex für die Konsumausgaben liegt derzeit bei 1,5 % (PCE Kernrate), deutlich unterhalb der Zielmarke der Fed von 2 %. Damit die Inflationsraten stärker ansteigen als bisher, müsste die Lohnentwicklung eine größere Dynamik zeigen. Das ist bislang aber nicht zu erkennen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich den vierten Monat in Folge um 2,5% gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Jahresauftakt hat sich die Dynamik damit sogar etwas abgeschwächt.

Innerhalb der Fed plädieren sowohl James Bullard (Präsident der regionalen Fed St. Louis) als auch der stimmberechtigte Neel Kashkari (Präsident der Fed Minneapolis), beide eher Zinstauben, dafür, sich angesichts der niedrigen Inflation mit weiteren Zinsanhebungen zurückzuhalten. Die Normalisierung der aufgeblähten Bilanz soll aber ab September angegangen werden. Aus ihrer Sicht ist nicht damit zu rechnen, dass die Inflationsrate steige, selbst wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessere. Am Freitag (11.08.) werden in den USA die Verbraucherpreise für Juli veröffentlicht und könnten für die Notenbanker einen neuen Anhaltspunkt für ihren weiteren Leitzinspfad liefern.

Im Gegensatz zum guten Arbeitsmarktbericht ist der ISM-Index für Dienstleistungen in den USA doch recht deutlich zurückgegangen. Auch die rückläufigen Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen in der Eurozone sowie die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion (-1,1 %) drücken auf die Stimmung. Doch zumindest die Industrieproduktion hat im zweiten Quartal mit einem Plus von 1,8% gegenüber dem Vorquartal ein ordentliches Plus erreicht, womit der Monatsrückgang weniger beunruhigend ist. Entsprechend dürfte das deutsche BIP von April bis Juni mit 0,6% spürbar zugenommen haben (Veröffentlichung 15.08.).

Wichtig sind darüber hinaus die Veröffentlichung der Minutes der letzten Fed-Zinssitzung (16.08.) sowie das Sitzungsprotokoll der EZB (17.08.). Möglicherweise gibt es weitere Hinweise auf den Leitzinspfad der Fed und ihren Bilanzabbau sowie die Rückführung der Anleihekäufe bei der EZB.

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Quelle

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