07.12.2015 07:30
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Zinsen weekly - Renditen sinken im Vorfeld der EZB-Sitzung, während US-Notenbankchefin Yellen kaum Zweifel an Handlungswillen lässt

Abwärts. Das ist die Richtung, in die der Euribor und die zweijährigen Bund-Renditen in den vergangenen Tagen erneut gegangen sind. Der Grund für diese Bewegung liegt auf der Hand: Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am heutigen Donnerstag (3.12.) den Einlagenzins senken und die Anleiheankäufe volumen-  und zeitmäßig ausweiten wird. Neue Nahrung bekam diese Spekulation durch den Rückgang der Kerninflationsrate (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) der Eurozone im November von 1,1% auf 0,9% und ein Verharren der Gesamtinflationsrate bei 0,1%. Damit verfehlt die Notenbank weiterhin klar ihr Inflationsziel von nahe, aber unterhalb von 2% und sieht sich daher nach ihrer Philosophie gezwungen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Ansonsten – so die Argumentation der Währungshüter – könnten die Inflationserwartungen entankert werden und die Glaubwürdigkeit der EZB würde leiden. Risiken und Nebenwirkungen dieser Politik werden dabei von den meisten Notenbankmitgliedern ignoriert. Anders die Fed-Chefin Janet Yellen. Sie lieferte gestern bei einer Rede über Geldpolitik gleich mehrere deutliche Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung und verwies dabei auch auf den Faktor Finanzstabilität. Letztere könnte „unterminiert“ werden, wenn man den Leitzins für eine zu lange Zeit auf dem derzeitigen niedrigen Niveau ließe. Dem Argument der Skeptiker in Bezug auf die niedrige Inflation (der PCE-Inflationsindex liegt bei 1,3%) entgegnete sie, dass die sich u.a. bessernden Arbeitsmarktbedingungen und die voraussichtliche Stabilisierung der Ölpreise für einen baldigen Anstieg der Inflation sprächen. Die Risiken für den Ausblick auf die Konjunktur seien nahezu ausgeglichen. Zu diesem Zeitpunkt lag Frau Yellen der schwache ISM-Geschäftsklimaindex (Rückgang auf 48,6 Punkte) für das Verarbeitende Gewerbe bereits vor. Möglicherweise hatte sie vorab auch schon Zugang zu den Konjunkturberichten der einzelnen Fed-Distrikte, die ein moderat positives Bild zeichnen. Zwar sicherte sich die Fed-Präsidentin in ihrer Rede nochmals ab und betonte die Relevanz von neuen Konjunkturdaten. Wir gehen aber davon aus, dass sich Yellen selbst bei einem schwachen Arbeitsmarktbericht am Freitag (4.12.), worauf angesichts robuster ADP-Daten wenig hindeutet, nicht von einer Zinsanhebung am 16. Dezember wird abhalten lassen.

Die langfristigen US-Renditen reagierten auf die obigen Entwicklungen mit einem weiteren Rückgang. Vielleicht machen sich einige Marktteilnehmer Gedanken um die OPEC-Sitzung am 4.12., bei der die Ölförderquoten vermutlich nicht eingeschränkt werden, so dass die Ölpreise weiter zurückgehen könnten. Das würde die langfristigen Renditen tendenziell nach unten drücken. Darüber hinaus ist auf die Sitzung der Bank of England zu achten, die angesichts eines starken Pfundes in einer schwierigen Situation ist. In den nächsten Tagen dürften die Marktteilnehmer vor allem damit beschäftigt sein, die Entscheidungen der EZB zu verarbeiten.


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