04.11.2016 09:00
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Zinsen weekly: Trump führt in den Umfragen: Zinsen geben nach

An den Rentenmärkten sind in dieser Woche die Renditen – per Saldo – nahezu gleich geblieben. Seit letztem Donnerstag hat sich aber eine deutliche Bewegung ergeben: Nach dem Ausverkauf an den Anleihemärkten in der letzten Woche und der Veröffentlichung der starken Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal in Großbritannien stiegen die Renditen von Donnerstag bis Dienstag deutlich an. Mit 1,87% touchierten die 10-jährigen US-Anleihen ihren höchsten Wert seit Ende Mai, die Bunds stiegen bis auf 0,2% an. Am Dienstag sind die Renditen dann auf beiden Seiten des Atlantiks wieder um 8 Basispunkte gefallen. Grund für diesen Rückgang war ein ruckartiger Anstieg des wahrgenommenen Risikos an den Finanzmärkten, der wohl von den jüngsten Umfrageergebnissen im US-Wahlkampf verursacht wurde. In der neuesten Umfrage (Washington Post/ABC) liegt der republikanische Kandidat Trump zum ersten Mal seit Mai wieder vor Hillary Clinton. Die gestiegene Unsicherheit spiegelte sich auch in einem höheren Goldpreis sowie einem stärkeren Yen und Schweizer Franken wider – alle drei Anlageformen gelten als sichere Häfen. Ein Indiz dafür, dass der Anstieg auf Trump zurückzuführen ist, ist die heftige Reaktion des Mexikanischen Pesos, der seit Dienstag um etwa 3% an Wert verloren hat – aufgrund der Rhetorik des Präsidentschaftskandidaten, vor allem in der Wirtschafts- und Handelspolitik, gilt Mexiko als verwundbar, sollte Trump tatsächlich Präsident werden.

Darüber hinaus wurde in dieser Woche die erste Schätzung für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone veröffentlicht. Mit einer Wachstumsrate von 0,3% (qoq) entsprach der Wert den Erwartungen. Ebenfalls in dieser Woche hat die Tagung der Federal Reserve stattgefunden (die Bank of England veröffentlicht ihre Statements im Laufe des Donnerstags). Die Entscheidung der Fed, eine Woche vor der Präsidentschaftswahl keine substanzielle Neuausrichtung zu beschließen, überraschte nicht. Anhand einzelner Formulierungen – etwa, dass man nun nicht mehr auf „weitere“ Daten für das Erreichen der geldpolitischen Ziele wartet, sondern nur noch auf „einige (wenige)“ – lässt sich allerdings ablesen, dass man einer Zinserhöhung im Dezember näher gekommen ist. Vor der Sitzung war – mit Veröffentlichung der Umfragen – die aus den fed-funds-futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember von 72,5% auf 68% gefallen. Nach der Sitzung liegt der Wert nun mit 78% auf einem Niveau, wo ein Zinsschritt beinahe vollständig eingepreist ist. Die Renditen reagierten nicht weiter auf die Fed-Sitzung, der Trump-Effekt dominierte in dieser Woche die Rentenmärkte.

Die Ergebnisse der US-Wahl werden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (8./9.11.) bekannt sein. Der Verlauf an den Rentenmärkten in den nächsten Wochen und Monaten wird maßgeblich davon abhängen, ob Hillary Clinton Präsidentin wird oder ob am Ende Donald Trump tatsächlich der nächste Staatschef wird. Mit einem Sieg der Demokratin dürfte es zumindest kurzfristig zu einem von gesunkener Risikoaversion ausgelösten Anstieg der Renditen kommen. Im Falle eines Trump-Sieges wird die Zukunft der amerikanischen Geldpolitik neu verhandelt.


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