13.10.2016 17:18
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Alle Welt schaut auf die USA.


Nach einem monatelangen "Vorwahl-Krimi" ist es bald soweit: Am 8. November wird in den USA wird ein neuer Präsident - oder erstmals eine Präsidentin - gewählt. Mittlerweile liegt Hillary Clinton in den Wahlumfragen klar vorne. Für die Weltwirtschaft wie auch für die Finanzmärkte ist dies eine gute Nachricht. Denn Clintons Wahlprogramm deutet auf eine große wirtschaftliche Kontinuität hin. Und Sicherheit schätzen die Finanzmärkte sehr. Allerdings sollte man bis zuletzt wachsam bleiben - der überraschende "Brexit"-Ausgang lässt grüßen.

 

Dagegen könnten die Pläne von Donald Trump, neue Handelsschranken gegen China und Mexiko hochzuziehen, die schleichende "Entglobalisierung" der Weltwirtschaft nochmals verstärken. Dies würde das ohnehin schon schwache globale Wachstum zusätzlich bremsen. Womit wir bei den Niedrigzinsen wären. Nicht nur, dass wir mit Blick auf die aktuellen Konjunkturdaten und die jüngsten Verlautbarungen aus Zentralbankkreisen herausgelesen haben, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen nur extrem langsam wird ansteigen lassen und dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Beginn des Ausstiegs aus der ultra-lockeren Geldpolitik ebenfalls noch viel Zeit lassen wird. Nein, vielmehr zeigen unsere Berechnungen, dass die langfristigen Durchschnittsleitzinsen, das so genannte neutrale Leitzinsniveau, zukünftig in weiten Teilen der Welt noch niedriger sein wird als bisher angenommen. Der Grund dafür liegt in den schwachen globalen Wachstumskräften. Und die dürften mangels durchgreifender wachstumsfördernder Reformen so schnell nicht wieder erstarken. Insofern sei allen Sparern, die weiterhin an der Hoffnung auf deutlich höhere Zinsen festhalten, einmal mehr deutlich gesagt: Hohe Zinsen wird es wohl so schnell nicht wieder geben, selbst wenn die Konjunktur in Europa und in den USA wie derzeit recht gut läuft.

 

Das Land, das den Rückzug schon einmal probt und damit die "Entglobalisierung" auf europäischer Ebene testet, ist das Vereinigte Königreich. Theresa May hat für spätestens März 2017 die Abgabe des Austrittsgesuchs aus der Europäischen Union angekündigt. Damit ist der "Brexit" nach einigen ruhigen Wochen als Marktthema wieder zurück. Das Pfund hat deutlich gegenüber allen wichtigen Währungen abgewertet. Sogar eine Pfund-Krise, also eine sich selbst verstärkende Abwertung mit negativen Auswirkungen auf den Lebensstandard der Briten, wird an den Märkten diskutiert. Der "Brexit" kostet also schon jetzt Wohlstand.

 

In dieser Gemengelage sind wir und die Märkte schon zufrieden damit, dass es von Unternehmensseite insgesamt einigermaßen gute Nachrichten gibt. Die in den USA langsam anlaufende Quartalsberichtssaison der Unternehmen dürfte immerhin eine Stagnation der Gewinne im Vorjahresvergleich bringen. Mit Blick auf die zurzeit in der Summe recht positiven Konjunktursignale bleibt die Hoffnung, dass die - durchaus risikobehaftete - Anlageklasse Aktien mittelfristig höhere Renditen bringt als festverzinste Produkte. Damit bleiben sie ein wesentlicher Bestandteil eines gut gestreuten Portfolios.

 

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