Atempause im Nahen Osten

Zweiwöchige Waffenruhe vereinbart


Kurz vor Ablauf des von Washington gesetzten Ultimatums ist im Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran eine temporäre Deeskalation gelungen. Trump kündigte an, Luftangriffe auf den Iran für zwei Wochen auszusetzen, sofern Teheran die sofortige Öffnung der Straße von Hormus gewährleiste. Der Iran bestätigte die Vereinbarung, sprach jedoch lediglich von "sicherer Durchfahrt" in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften und unter technischen Einschränkungen. Gleichzeitig meldeten mehrere Staaten der Region unmittelbar nach der Ankündigung weitere Raketen- und Drohnenangriffe, was den fragilen Charakter der Vereinbarung unterstreicht.

Aktien-Futures steigen, Ölpreise fallen

An den Märkten hat die Nachricht über den Waffenstillstand unmittelbar zu einer Entspannung geführt. Der Ölpreis gab, gemessen an den Brent-Futures, im Zuge der Meldungen um rund 13-16 % nach und fiel zeitweise auf etwa 92 USD je Barrel. Auf der Aktienseite signalisieren die Futures einen freundlichen Start in den Handelstag. Dow- und Nasdaq-Futures legten im Nachgang der Ankündigung um rund 1,5-1,7 % zu. In Asien kam es bereits zu deutlichen Kursgewinnen: Der Nikkei stieg um gut 5 %, der Hang Seng um knapp 3 %. Der DAX-Future notiert vorbörslich rund 5 % im Plus.

Verwerfungen bleiben erheblich


Die Waffenruhe bannt zunächst die unmittelbare Eskalationsgefahr und soll ein Zeitfenster schaffen, um über einen umfassenderen "Deal" zu verhandeln. Inhaltlich liegen die Positionen unverändert weit auseinander: Iran fordert u. a. die Aufhebung von Sanktionen, Kriegsreparationen, die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus und die Akzeptanz des laufenden Nuklearprogramms. Trotz des kurzfristigen Aufatmens bleibt das Gesamtbild damit angespannt. In der Straße von Hormus stauen sich aktuell mehr als 800 Schiffe, darunter über 400 Öl- und Ölprodukttanker. In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge; die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen. Damit bleiben Lieferkettenstörungen und temporäre Engpässe an den Energie- und Gütermärkten ein relevantes Risiko. Vor dem Hintergrund der jüngsten Meldungen rückt der makroökonomische Kalender heute klar in den Hintergrund. Im Fokus steht am Abend das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung, das Aufschluss darüber geben könnte, wie stark das FOMC die energiepreisbedingten Inflationsrisiken gewichtet.



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